1 von 7
Aus Flüchtlingshallen wird bis Ende der Woche im Warteraum Asyl ein Hilfskrankenhaus mit vorerst 160 Betten. Bis zu 1000 können es werden.
2 von 7
Herzstücke sind die Sauerstoffgeräte. 200 wurden bestellt.
3 von 7
Am Mittwoch stellten Landrat Martin Bayerstorfer und Örtlicher Einsatzleiter Martin Angermaier das Lazarett den Medien vor.
4 von 7
5 von 7
6 von 7
7 von 7
Am großen sauerstofftank können die Flaschen befüllt werden. Eine künstliche Beatmung in der Notfallklinik ist allerdings nicht möglich.

Corona-Lazarett im Fliegerhorst fast fertig – Ausreichend Personal vorhanden – 23 neue Fälle

Eine ganze Klinik in 14 Tagen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Die Notfall-Corona-Klinik im Fliegerhorst ist so gut wie fertig. Doch ob sie auch gebraucht wird, weiß heute niemand. Die Zahl der Covid-19-Patienten ist am Mittwochvon 327 auf 350 gestiegen. Auch junge Landkreisbürger sind schwerst krank. 

Erding – Noch herrscht in Camp Shelterschleife idyllische Ruhe. Nur ein paar emsige Arbeiter künden davon, dass im Fliegerhorst eine Einrichtung entsteht, die das Klinikum Erding bei einem dramatischen Anstieg von Corona-Patienten vor dem Kollaps bewahren soll. Seit einer Woche ist die Notfallklinik im Aufbau, spätestens in zwei Tagen will man gerüstet sein, um bis zu 160 Patienten aufnehmen zu können. In der Endausbaustufe sind sogar an die 1000 Betten möglich. Erding ist einer der ersten Landkreise mit einer solchen Zusatzversorgung, noch dazu mit diesen Ausmaßen.

Seit Mittwoch voriger Woche hat Martin Angermaier im Warteraum Asyl das Sagen. Gemeinsam mit Feuerwehren und THW baut der stellvertretende Kreisbrandrat als Örtlicher Einsatzleiter das Lazarett auf. Die zwei miteinander verbundenen Hallen sind schon so gut wie eingerichtet. Seit den ersten Gesprächen am 17. März werden nur 14 Tage vergangen sein, bis das Interims-Hospital startklar ist.

Vier Betten in einem Pressholz-Geviert - 1000 Plätze sind möglich

Vier Betten bilden eine von Pressholzwänden umgebene Einheit. In einer Ecke stehen noch verpackte Sauerstoffgeräte. 200 hat Landrat Martin Bayerstorfer bestellt, 38 sind schon da. Vor den Hallen steht ein riesiger Tank-Anhänger mit 18 Tonnen flüssigem Sauerstoff. Die Heizgebläse sind noch aus der Zeit, als von hier ab 2015 über 100 000 Flüchtlinge auf Deutschland verteilt wurden. Für den Sommer sollen Klimageräte angeschafft werden. Meterweise Kabel wurden verlegt, Leuchten installiert Steckdosen angebracht, Stockbetten abgeschraubt. Auf der anderen Straßenseite stehen Container: Umkleiden, Duschen, Toiletten.

Viele Ärzte und Pfleger melden sich zum Dienst

Ende der Woche werden Angermaier und seine Feuerwehrkameraden hier ihren Dienst quittieren. Dann übernimmt Dr. Dirk Last, Direktor des Klinikums, die Leitung eines von bayernweit 26 Not-Hospitälern. Mit 35 Fachkräften plant er vorerst, darunter 19 Ärzte. Die wird ihm die Regierung von Oberbayern schicken, das hat man Bayerstorfer versprochen.

Last betont: „Am Klinikum brauchen wir unsere Leute selbst.“ Die Dienstpläne schreibt er gerade. Ärztlicher Direktor PD. Dr. Lorenz Bott-Flügel berichtet, dass zahlreiche Kollegen seinem Aufruf gefolgt seien. „Es sind frühere Ärzte aus unserem Haus und Kollegen dabei, die in Elternzeit sind, aber auch niedergelassene Mediziner, deren Praxen wegen der Pandemie zurzeit geschlossen sind. „Erfreulich ist, dass sich sehr viele Medizinstudenten gemeldet haben. Die haben jetzt Zeit, die Unis sind zu.“ Pflegedirektorin Gertrud Friess-Ott erklärt, die Suche nach Pflegern sei aufwändig, „aber wir bekommen das hin, auch mit Unterstützung der Pflegeschüler“.

Auch Platz für Kranke aus anderen Landkreisen und vom Flughafen

Werden noch mehr der zwölf Hallen umgerüstet, „muss uns die Regierung von Oberbayern oder das Gesundheitsministerium weiteres Personal entsenden“, stellt der Landrat klar. Man sei aber in der Lage, auch Patienten aus den Nachbarlandkreisen und vom Flughafen aufzunehmen.

Ob es all diese Kräfte und die Notfallklinik insgesamt braucht, weiß heute niemand. „Wir wollen vorsorgen, es kann ganz schnell gehen“, sagt Bayerstorfer.

Bott-Flügel erklärt: „Hier sollen vor allem Patienten mit leichteren Symptomen aufgenommen werden, bei denen die Krankheit erst beginnt oder schon wieder abklingt.“ Es gebe zwar Sauerstoff, „aber beatmen können wir hier niemanden. Das ist keine Intensivstation.“ Noch ist aber Platz im gut fünf Kilometer entfernten Klinikum. Allein die Isolierstation dort kann bis zu 100 Corona-Kranke aufnehmen.

Zehn Covid-19-Patienten auf der Intensivstation

Insgesamt werden dort zurzeit 25 Covid-19-Patienten betreut. Zehn davon liegen auf der Intensivstation, acht müssen beatmet werden.“ Bott-Flügel berichtet: „Wir hatten bereits schwerst kranke junge Patienten im Alter von 38 und 42 Jahren.“ Um die Intensivressourcen zu schonen und Kapazitäten vorzuhalten, habe man schon drei Patienten verlegen müssen, aber auch drei von anderen Kliniken übernommen. Seine Erfahrung: „Die Krankheitsverläufe können binnen weniger Stunden dramatisch zunehmen. Und das passiert immer häufiger.“

Die Zahl der Corona-Patienten ist im Landkreis Erding gestern um 23 auf 350 angestiegen – wieder ein eher moderates Plus. Die neuen Fälle kommen aus Erding (7), Bockhorn, Isen (je 4), Dorfen, Finsing (je 2), Berglern, Fraunberg, Neuching und Wartenberg (je 1). Zu dem an Covid-19 verstorbenen Moosinninger erklärt Bayerstorfer: „Es war ein über 80-Jähriger mit Vorerkrankungen.“

Weniger Betrieb an den Screeningstellen

An den drei Screeningstellen, an denen seit Mitte März gut 3000 Abstriche genommen wurden, herrscht laut Bayerstorfer „nun deutlich weniger Andrang“. Der Aufwand könne vorerst reduziert werden. An den Wochenenden ist nur die Drive- und Walk-In-Teststelle an der FOS/BOS an der Siglfinger Straße offen. Nach wie vor muss eine Überweisung vorgelegt werden. Auch das Bürgertelefon werde spürbar geringer frequentiert. Deshalb werden am Wochenende unter Tel. (0 81 22) 58 17 70 nur noch samstags von 11 bis 15 Uhr Fragen zu Covid 21 beantwortet. Die Hotline 116 117 ist hingegen immer besetzt. 

Alle Nachrichten und Informationen zur Corona-Krise im Landkreis finden Sie in unserem Newsticker.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Grüner Markt in Erding: Wo das Einkaufen ein Erlebnis ist
Frische Lebensmittel aus der Region möglichst unverpackt einkaufen: Das ist seit Jahrzehnten auf dem Grünen Markt in Erding möglich - jeden Donnerstagvormittag. 
Grüner Markt in Erding: Wo das Einkaufen ein Erlebnis ist
Bockhorn
Oldtimer-Rallye in Grünbach: Edles Ambiente für alte Schönheiten
Den Autoliebhabern im Landkreis ging das Herz auf. 75 Oldtimer, darunter viele italienische Fahrzeuge – Alfa Romeo, Ferrari und Maserati – machten bei der Münchner …
Oldtimer-Rallye in Grünbach: Edles Ambiente für alte Schönheiten
Erding
Abiturienten in Erding: „Es war ein starker Jahrgang“
Die 265 Abiturienten in Erding haben der Corona-Krise getrotzt: Sie lieferten starke Noten ab, die besten schafften einen Schnitt von 1,0.
Abiturienten in Erding: „Es war ein starker Jahrgang“
Erding
Familie und Reisen halten Lotte Krzizok jung
Lotte Krzizok feiert 90. Geburtstag in Erding und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. 
Familie und Reisen halten Lotte Krzizok jung