Pichlmayr-Seniorenzentrum in Erding
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Im Pichlmayr-Seniorenzentrum in Erding fand am Freitag die illegale Weihnachtsfeier statt.

„Werden doch eh regelmäßig getestet“

Weihnachtsfeier im Altenheim: Verstoß gegen alle Corona-Regeln - Statement eines Mitarbeiters macht fassungslos

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Im Pichlmayr Seniorenheim in Erding wurde trotz Corona-Auflagen eine illegale Weihnachtsfeier veranstaltet. Allen Beteiligten drohen nun empfindliche Strafen.

Erding Die offensichtlich illegale Weihnachtsfeier im Pichlmayr-Seniorenheim in Erding schlägt Wellen. Polizei und Landratsamt ermitteln. Nach Stand der Dinge wurde gegen sämtliche Auflagen und Corona-Gesetze verstoßen. Den Teilnehmern droht eine Strafe von mindestens 250 Euro wegen Missachtens der Maskenpflicht. Auf den Betreiber könnten deutlich weitreichendere Sanktionen zukommen. Landrat Martin Bayerstorfer: „Das kann bis zum Verlust der Betriebserlaubnis führen.“ Es stehe eine Straftat im Raum, in diesem Falle würde die Staatsanwaltschaft Landshut die Ermittlungen übernehmen. Der Heimbetreiber gibt sich ahnungslos.

Party trotz Corona-Geboten: Weihnachtsfeier in Erdinger Altenheim sorgt für Empörung

Wie berichtet, hat am Freitag in dem Alten- und Pflegeheim an der Pauline-Nöthig-Straße eine Weihnachtsfeier stattgefunden – und das ungehindert von über 150 mit Corona infizierten Heimbewohner allein im Landkreis Erding. Nach Informationen unserer Zeitung wurde derart feuchtfröhlich gefeiert, dass verwunderte Nachbarn die Polizei alarmierten, die eine illustre, Glühwein trinkende Runde antraf.

Andreas Aichele vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord bestätigt einen entsprechen Einsatz. „Es war von einer Genehmigung die Rede, aber den Beamten vor Ort hat sich die Situation erkennbar anders dargestellt. Deswegen haben sie die Feier beendet und von allen die Personalien aufgenommen“, so Aichele. Den Fall habe man dem Landratsamt übergeben.

Weihnachtsfeier in Erdinger Altenheim: Angebliche Genehmigung nicht Vorhanden

Auch dort weiß man nichts von einer Genehmigung. Landrat Bayerstorfer berichtet im Gespräch mit unserer Zeitung lediglich von einer Anfrage, einen Food-Truck auffahren lassen zu dürfen – am 3. Dezember vor dem Heim in Taufkirchen und am 11. Dezember in Erding. „Grundsätzlich wäre das möglich gewesen, weil es sich um eine zulässige To-go-Abgabe von Lebensmitteln gehandelt hätte. Allerdings haben wir angesichts der Corona-Infektionslage und des besonderen Schutzbedürfnisses von Heimbewohnern dringend davon abgeraten.“ Weiter berichtet Bayerstorfer, dass die Unternehmensleitung daraufhin zugesagt habe, den Food-Truck abzubestellen. „In Taufkirchen ist er dann auch nicht gekommen. Uns ist unerklärlich, warum er in Erding aufgefahren ist“, so der Landrat.

Illegale Party in Erdinger Altenheim: Corona-Schutz komplett missachtet - Betreiber uneinsichtig

Natürlich sei auch eine Weihnachtsfeier zu keinem Zeitpunkt genehmigt gewesen. „Überall werden diese Feiern abgesagt, und hier in einem besonderen sensiblen Bereich findet sie statt“, ärgert sich der Landrat – für ihn ein Unding.

Was ihn besonders verstimmt und im Gesundheitsamt für Fassungslosigkeit sorgt: Kurz zuvor hatte es noch ein Schreiben der Behörde gegeben, in dem zu besonderer Vorsicht aufgerufen worden war. „Es galt die Regel, dass nur feste Teams miteinander arbeiten, die sich gegenseitig nicht begegnen sollen“, zitiert der Landrat.

Corona im Landkreis Erding: Weihnachtsfeier in Altenheim sorgt für Wut bei Angehörigen

Von der Polizei hat er erfahren, „dass es vor Ort nicht mal ein Unrechtsbewusstsein gegeben hat“. Eine der Antworten soll gelautet haben: „Wir werden doch eh regelmäßig getestet.“

Die Ermittlungen gegen Pichlmayr stehen noch ganz am Anfang. „Wir prüfen jetzt, wer was gewusst hat“, kündigt Bayerstorfer an. Sollten das Unternehmen beziehungsweise die Heimleitung eingeweiht gewesen sein, dürfte das schwerwiegende Folgen haben. Bayerstorfer erklärt, dass Pichlmayr im schlimmsten Fall seine Betriebserlaubnis verlieren könnte. Nach bisherigem Stand der Ermittlungen wurde „massiv gegen die Abstands- und Hygieneregeln verstoßen“, berichtet der Kreischef. Verschärfend komme hinzu, „dass hier Schutzbefohlene einer großen Gefahr ausgesetzt wurden“, so Bayerstorfer. Deswegen werde es wohl nicht bei der Strafe wegen Missachtens der Maskenpflicht bleiben. Die Geldstrafen könnten um ein Vielfaches höher ausfallen – bis zu 5000 Euro.

Illegale Weihnachtsfeier trotz Corona: Altenheim-Betreiber ist sich keiner Schuld bewusst

Wut herrscht auch bei den Angehörigen der Bewohner. „Wir müssen strengste Vorgaben einhalten und dürfen unsere Angehörigen nur selten sehen. Und die machen Party“, empört sich einer.

Die Pichlmayr-Gruppe betreibt in Ober- und Niederbayern 20 Heime. In Taufkirchen war es Ende November zu einem Massenausbruch mit 34 infizierten Bewohnern und 20 Mitarbeitern gekommen. Das Unternehmen kann die Aufregung nicht verstehen. In einer nicht namentlich gekennzeichneten Stellungnahme heißt es: „Es hat zu keinem Zeitpunkt eine ,Weihnachtsfeier‘ für Mitarbeiter und Bewohner stattgefunden.“ Es habe lediglich eine Essensausgabe im Freien gegeben – „sozusagen eine nach draußen verlagerte Kantine“. Diese, so Pichlmayr, „fand unter Einhaltung aller Hygiene-Richtlinien statt“. Derzeit wisse man nicht, „was genau uns zum Vorwurf gemacht wird“.

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