Die Ärmel hochgekrempelt und losgeimpft hat die Allgemeinmedizinerin Dr. Susanne Gerster (M.). Sie hat ihr Reithofener Team dafür vergrößert (v.l.): Elisabeth Rötzer, Gabi Zimmerer, Fatme Roustem, Elisabeth Liebl, Vicky Hoffmann und Tamara Kara.
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Die Ärmel hochgekrempelt und losgeimpft hat die Allgemeinmedizinerin Dr. Susanne Gerster (M.). Sie hat ihr Reithofener Team dafür vergrößert (v.l.): Elisabeth Rötzer, Gabi Zimmerer, Fatme Roustem, Elisabeth Liebl, Vicky Hoffmann und Tamara Kara.

Erste Dosen AstraZeneca verimpft

Corona-Impfung: Hausärztin aus Bayern startet schon eine Woche früher - „Warum Impfstoff zurückhalten...?“

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Obwohl Hausärzte in Bayern offiziell erst ab 15. März mit den Corona-Impfungen beginnen, hat eine Praxis im Landkreis Erding bereits damit angefangen.

Reithofen - Bereits am vergangenen Mittwoch bekamen Patienten in der Arztpraxis von Dr. Susanne Gerster in Reithofen die erste von zwei Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs. Und das obwohl Impfungen durch Hausärzte in BAyern offiziell erst am 15. März beginnen sollen. „Warum soll ich denn den Corona-Impfstoff zurückhalten, wenn ich ihn schon da habe und meine Patienten schützen kann?“, begründet Gerster die Entscheidung, sofort zu starten. Die Allgemeinmedizinerin hat schon vor einer Woche alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Berechtigte schnellstmöglich impfen zu können. Für die resolute Ärztin ist die Aktion zwar ein immenser Kraftakt, sie sieht sich aber auch in der Pflicht ihren Patienten gegenüber. „Das Impfzentrum hat bei den Hausärzten angefragt, wer mitmacht. Da haben wir uns gemeldet“, so Gerster. Verimpft wird der AstraZeneca-Impfstoff, die Dosen werden vom Impfzentrum Erding bezogen.

Corona-Impfung durch Hausärzte: Medizinerin im Landkreis Erding hat schon angefangen

Neben Susanne Gerster sind unter anderem noch ihre Kollegen Dr. Rainer Kühn im Ärztekollegium Erding, Dr. Udo Hahn in St. Wolfgang, die Gemeinschaftspraxis Wartenberg und Dr. Susanne Heydner in Taufkirchen am Start. Weitere Ärzte stehen noch im Gespräch mit dem Corona-Impfzentrum.

Für die Organisation und Durchführung der Corona-Impfungen, die in Gersters Praxis neben dem normalen Betrieb laufen, musste die Ärztin sowohl beim Personal als auch bei der Technik aufstocken. „Es ist ein unwahrscheinlich hoher bürokratischer Aufwand“, ärgert sich die 51-jährige. „Man bräuchte mindestens drei Sprechstundenhilfen mehr“.

Als feststand, dass sie dabei ist, hat die Ärztin im Bekanntenkreis gefragt, wer unterstützen könne. „Zwei meiner Freundinnen aus Reithofen helfen zum Glück bei der Organisation und Dokumentation mit aus“. Dazu gehört nicht nur die telefonische Terminvergabe, sondern vor allem auch die umfangreiche Datenerfassung – ein mehrseitiger Fragebogen muss für jeden Patienten ausgefüllt werden. „Hierfür haben wir jetzt ein zusätzliches Laptop organisiert“, erklärt die Reithofenerin.

Corona-Impfung in Bayern: Eine Hausärztin impft schon - weil das Vakzin schon da war

Die Möglichkeit, die Daten einfach zu scannen, scheitert aktuell noch an der Technik. „Ein spezieller Scanner, den wir am Wochenende extra gekauft hatten, ist nicht mit dem System kompatibel. Das bremst natürlich etwas aus.“

Nach ihrem Vorgehen gefragt, erklärt die Medizinerin; „Ich habe meine Kartei nach Patienten durchgesucht, die in die Priorisierungsgruppe 2 fallen.“ Das sind nicht nur Menschen, die über 70 Jahre alt sind, sondern auch eine ganze Reihe von Menschen mit chronischen Vorerkrankungen. Aber auch Pflegekräfte fallen darunter. „Herausgekommen sind zwanzig Seiten mit Namen und Adressen“, so Gerster. Die Leute werden nun angerufen und Termine mit ihnen vereinbart.

150 Impfungen pro Woche: Hausärztin aus Bayern will gegen Corona zügig vorgehen

Die Ärztin und ihr erweitertes Team arbeiten in der Reithofener Praxis unter Hochdruck, um pro Woche 150 Dosen zu verimpfen – 100 am Mittwoch, 50 am Freitag. Schließlich laufen Praxis und Hausbesuche ganz normal weiter. „Die Termine sind für die kommenden vier Wochen schon vergeben“, erklärt Gerster. Sollten einzelne Termine abgesagt oder nicht wahrgenommen werden, soll der Impfstoff keinesfalls verfallen. „Es gibt eine Nachrückerliste, zuerst sind die First Responder dran, dann Feuerwehr-Bedienstete. Sie werden oft zu Unfällen gerufen und wissen, nicht, ob sie sich dort anstecken können“.

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