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Corona trifft alle: Diese Grafik zeigt, welcher Altersgruppe die Infizierten angehören, getrennt nach Geschlech tern (gelb: Männer, grün: Frauen). Auch wenn die Älteren zahlenmäßig nicht so stark ins Gewicht fallen, waren die Folgen überdurchschnittlich dramatisch. 

Von zwei Seiten im Zangengriff  - Elf neue Fälle 

Corona: „Katastrophale Auslastung“ des Klinikums

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Das erste Pandemiejahr war für den Landkreis Erding und sein Klinikum nicht nur eine organisatorische Herausforderung, sondern auch eine finanzielle. Nur einen Teil der Millionenbeträge erhält Erding zurück.

Erding – Klinikums-Direktor Dr. Dirk Last berichtete, dass man für das Freihalten von Betten und Absagen von Operationen in der ersten Welle 5,6 Millionen Euro erstattet bekommen habe. Damit wurden die Fehlbeträge ausgeglichen, nicht aber die Mindereinnahmen aus elektiven Behandlungen. In der zweiten Welle, so Last, seien es nur noch 2,09 Millionen Euro gewesen, nachdem die Inzidenz unter 70 gefallen war. Seit 10. Februar erhalte man gar keinen staatlichen Ausgleich mehr. „Das tut uns extrem weh“, so Last.

Die Auslastung sei mit 60 Prozent derzeit „katastrophal“, im Winter üblich seien 80 bis 85 Prozent. Hintergrund sei, dass es heuer deutlich weniger Infektionskrankheiten mit Klinikaufenthalt gebe. Froh sei er, dass das Personal weitgehend geimpft sei, „und wir im Klinikum keinerlei Ausbrüche hatten“.

Von Einbußen im Rettungsdienst und Krankentransport berichtet BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden. In allen Bereichen habe es dreistellige Rückgänge gegeben. Das zeige, dass sich in der Pandemie viele nicht getraut hätten, ärztliche Hilfe zu holen. Dazu meinte Dr. Lorenz Bott-Flügel, Ärztlicher Leiter des Klinikums: „Wer Beschwerden hat, soll auch ins Krankenhaus kommen. Die Ansteckungsgefahr ist hier nicht größer als anderswo.“

Zur Problematik in den Heimen sagte Gertrud Friess-Ott, Pflegekoordinatorin in der Führungsgruppe Katastrophenschutz, die Fachkraftquote von nur 50 Prozent sowie mangelnde Sprachkenntnisse hätten sich bei der Pandemiebekämpfung als Hindernis erwiesen. „Leider konnten wir nicht vom bayerischen Pflegerpool profitieren, wir wollen nun einen im Landkreis aufbauen.“ Aktuell sei die Lage aber „unter Kontrolle“.

Landrat Martin Bayerstorfer bilanzierte, dass man im ersten Corona-Jahr unter anderem 465 000 FFP2-Schutzmasken, 1,65 Millionen OP-Masken und 107 000 Schutzkittel bestellt sowie 16 500 Liter Desinfektionsmittel selbst hergestellt habe.

Gute Nachrichten hatte er von den Schulen: Die Luftfilter sind da beziehungsweise kommen in Kürze – vor dem zugesagten Termin. Für die Gymnasien wurden 174 Plexiglas-Trennscheiben gekauft und teilweise die Datenleitungen verstärkt. Zudem nannte er 674 CO2-Ampeln und 547 Schüler-Leihgeräte für den Distanzunterricht. Die Lehrer-Tablets werden im Sommer erwartet.

Zur aktuellen Lage: Am Donnerstag wurden elf neue Corona-Infektionen bekannt, der Index stieg auf 47. Aktuell gelten 150 Landkreisbürger als Sars-Cov-2-positiv. Im Klinikum werden elf Covid-19-Patienten behandelt, davon drei auf der Intensivstation alle beatmet.

Das BRK impfte am Mittwoch 319 Bürger, insgesamt sind es damit 11 076. 4302 verfügen bereits über den zweiten Schutz. Die Zahl der Tests steigt um 177 auf 43 671.

Aufgrund eines positiven Covid-19 Falls im Kinderhaus St. Martin in Neuching müssen 15 Kinder und zwei Betreuer in Quarantäne.

ham

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