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Corona-Kontrolllücke im Luftverkehr

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Von: Hans Moritz

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Tests sind – wieder– sehr gefragt. Unser Bild zeigt die Warteschlange vor der Corona-Teststelle an der Münchener Straße in Erding. Einmal pro Woche sind sie gratis. Die Anzeige links rät dazu, sich jetzt gegen Corona impfen zu lassen. © Hans Moritz

Im Kampf gegen Corona gibt es offensichtlich eine gefährliche Kontrolllücke – auch wegen nachlässiger Airlines.

Zum Teil werden Flugreisende weder vor dem Start noch nach der Landung nach ihren Impf- oder Genesenenunterlagen beziehungsweise ihrer digitalen Einreiseanmeldung gefragt. So können Infizierte stundenlang mit vielen Menschen auf engstem Raum sitzen – im Flieger. Das berichten mehrere Passagiere.

Eine Leserin teilt mit, sie sei auf dem Weg nach Fuerteventura am Flughafen München zu keiner Zeit auf ihr Impfzertifikat angesprochen worden. Als sie fragte, ob hier nicht kontrolliert werde, erhielt sie die Antwort: „Das passiert bei der Landung.“ Eine Antwort, mit der sie nicht zufrieden ist. „Ich weiß also nicht, ob sich Infizierte mit in der Maschine befinden. Das kann doch nicht sein.“

Ein anderer erzählt, er und seine Familie seien bei einem Inlandsflug nicht auf ihren Corona-Status überprüft worden. Es gibt aber auch Aussagen, dass vor dem Start die Unterlagen verlangt worden seien.

Die Frage der Zuständigkeit ist gar nicht so leicht zu beantworten, wie Recherchen unserer Zeitung ergaben. Flughafen-Sprecher Ingo Anspach sagte, die FMG sei es schon einmal nicht. „Denn wir als Flughafen kommen mit dem Reisenden gar nicht in Berührung, sondern nur Airlines, Sicherheitsgesellschaft und Polizei.“

Christian Köglmeier, Sprecher der Bundespolizei am Flughafen, klärt auf. „Es gelten bei Abflügen immer die Corona-Bestimmungen des Einreiselandes.“ Die Prüfung findet deswegen auch erst dort statt. Allerdings gibt es eine Empfehlung der Internationalen Luftfahrtorganisation IATA, der zufolge die Airlines ihre Passagiere überprüfen sollen. Dass das nicht immer passiert, zeigen Ordnungswidrigkeitenanzeigen, die das Landratsamt immer wieder verschickt.

Die deutschen Behörden sind für die Einreisekontrolle zuständig. Köglmeier stellt klar: „Wir leisten Amtshilfe für die Gesundheitsämter, sind grundsätzlich aber nicht zuständig.“ Bei Flügen aus dem Nicht-Schengen-Bereich würden zumeist die digitalen Einreiseanmeldungen aller Fluggäste im Zuge der Passkontrolle überprüft. „Bei Schengen-Flügen sollen wir so engmaschig wie möglich kontrollieren. Wir schaffen etwa 90 Prozent“, so Köglmeier. Aber eben nicht alle. Es sei in der Tat nicht auszuschließen, dass bei unzureichender Mitwirkung der Airlines auch Infizierte mit an Bord sind.

Dass die Familie auf dem Inlandsflug nicht kontrolliert wurde, liegt für Anspach indes auf der Hand: „Da sind wir mit der Bahn gleichgestellt.“ Im Personenverkehr kommt 3G jetzt erst – geimpft, genesen, getestet.

Derweil findet seit Tagen ein regelrechter Ansturm auf die Test- und Impfzentren statt. An den Teststellen, an denen man keinen Termin braucht, bilden sich lange Schlangen.

Und: Teilweise wird der Impfstoff wieder knapp. Das BRK-Impfzentrum berichtet von einer sprunghaft gestiegenen Nachfrage. Das gilt nach den Worten des Ärztlichen Leiters Dr. Hermann Schöberl auch für die Impftage des mobilen Teams in den Gemeinden. Leider kommt es dabei vereinzelt vor, dass der Impfstoff nicht für alle reicht. So war das am Freitag im Bürgersaal in Taufkirchen. Dort mussten einige Impfwillige vertröstet werden.

Schöberl bestätigt das. „Wir disponieren in der Regel 200 Dosen pro Tag“, berichtet der Mediziner. In Taufkirchen sei man mittags extra noch einmal ins Impfzentrum nach Erding gefahren, um Nachschub zu holen.

Tobias Widl, der das Mobilteam koordiniert, berichtet, dass man mit 245 Impfungen in Taufkirchen einen neuen Tagesrekord aufgestellt habe. Darunter waren 74 Erst- und drei Zweitimpfungen, der Rest Booster. „Wir hätten an sich nur bis 16 Uhr aufgehabt, dann aber bis 17.30 Uhr verlängert, um möglichst alle bedienen zu können.“ Irgendwann habe man versucht, die Bürger zu überzeugen, sich nicht mehr anzustellen, weil der Impfstoff knapp wurde. „Aber es kamen trotzdem weitere dazu“, so Widl. Trotz Nachlieferung habe man vereinzelt Menschen wieder heimschicken müssen. Sein Rat: „Möglichst früh kommen.“ Und: „Wir werden in den nächsten Wochen weiter in den Gemeinden unterwegs sein.“ Widl ist froh, „dass wir ab kommender Woche Unterstützung vom THW bekommen, um den Schlangen der Wartenden Herr zu werden“. Niemand wolle, dass ein Impfwilliger abgewiesen wird.

ham

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