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Virtuelle Grüße aus dem Urzeitmuseum schickt Peter Kapustin.
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Erzieherin Monika Lößl zeigt ein Fingerspiel.
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Der Kindergarten St. Korbinian in Forstern bekommt viele Fotos von den Osterbasteleien der Kinder.
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Auf den Erdinger Stadtturm nimmt Doris Bauer die Internetgemeinde mit.

Von Stadtführung bis Fingerspiel

Kreativ durch die Krise: Online-Ideen zum Zeitvertreib für Groß und Klein

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Im Internet gibt es viele Möglichkeiten, wie sich Groß und Klein die (Corona-)Zeit vertreiben können. Auch aus dem Landkreis kommen immer mehr Angebote dazu – ein paar kreative Beispiele.

Landkreis– Seit einem Monat gehen die Kinder nicht mehr in Schule, Krippe oder Kindergarten. Waren die ersten drei Wochen noch für Unterricht daheim reserviert, sind wir jetzt mitten in den Osterferien. Wegfahren geht nicht, und nicht jeder hat einen Balkon oder Garten. Im Internet gibt es viele Möglichkeiten, wie sich Groß und Klein die Zeit vertreiben können. Auch aus dem Landkreis kommen immer mehr Angebote dazu – ein paar kreative Beispiele.

„Paläo-Videoserie“ aus dem Urzeitmuseum

Das Urzeitmuseum in Taufkirchen hat eine „Paläo-Videoserie“ gestartet, um den Zuschauern „die Urzeit nach Hause“ zu bringen, wie Museumsleiter Peter Kapustin im ersten Video erklärt. Er nimmt die User mit ins Bayern vor 15 Millionen Jahren, erklärt ihnen den Zahnwechsel bei den Mammuts oder wie schwer die größten Giganten der Urzeit werden konnten.

Die Videos sind ganz spontan entstanden, erzählt Kapustin auf Nachfrage: „Wir haben die ersten alle an einem Abend gedreht, am Abend vor den Ausgangsbeschränkungen, weil wir anfangs nicht wussten, ob wir das dann überhaupt noch dürfen.“ Florian Stehbeck, der Vorsitzende des Vereins Freunde des Urzeitmuseums Taufkirchen, hat gefilmt.

„Es gab keine Proben, wir haben nur ein kurzes Regiebuch über die einzelnen Themen geschrieben, und dann ging’s los“, berichtet Kapustin. Er wolle den Zuschauern einen Eindruck davon vermitteln, wie es im Museum ausschaut – gerade denjenigen, die noch nie dort waren. Mit den Videos, so die Hoffnung, wird die Neugierde der Leute geweckt, damit sie das Museum besuchen, wenn das wieder möglich ist.

Denn, daraus macht Kapustin keinen Hehl: Die Schließung „ist wirtschaftlich für uns eine absolute Katastrophe“. Die Kosten fürs Personal, aber auch für Baumaßnahmen laufen weiter, als gemeinnütziger Verein falle man aber unter keinen Rettungsschirm.

Corona bremst „bombastische Lauf“ im Urzeitmuseum

„Vor der Schließung hatten wir einen bombastischen Lauf mit 1500 bis 2000 Besuchern pro Monat. Es wäre auf ein Wahnsinnsrekordjahr hinausgelaufen“, sagt Kapustin. Auch wenn er vollstes Verständnis für die Maßnahmen habe – bitter sei die Schließung dennoch. Allein in den Osterferien habe er mit rund 1500 Besuchern gerechnet, hinzu kämen gut zehn Schulklassen, die vor den Ferien gekommen wären. „Wir hängen am Tropf der Eintrittsgelder, und wenn die nicht fließen, wird es mit großen Investitionen schwierig“, erklärt Kapustin.

Doch den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für ihn nicht in Frage. „Wir arbeiten weiter an unseren neuen Außenanlagen, die bis Pfingsten fertig sein sollen“, sagt der Museumsleiter und verspricht: „Das wird sehr cool, was wir da geschaffen haben“ – ein Rundweg auf 1500 Quadratmetern, das Gelände naturnah gestaltet und bepflanzt, zwischendrin die Exponate. „Bis wir wieder öffnen können, gehen die Arbeiten im Hintergrund weiter, und wir hoffen, dass sich die Leute nach dieser Krise wieder nach so was sehnen.“ Bis es soweit ist, sollen noch weitere Videos folgen – um Lust zu machen auf die Urzeitwelt in Taufkirchen.

Kindergärten im Landkreis: Kommunikation via Internet

Kein Stillstand herrscht auch in den meisten Kindergärten im Landkreis – etwa in den fünf Einrichtungen des katholischen Kita-Verbunds Erding. „Wir nutzen die besonderen Umstände effektiv, um unsere Einrichtungen auf die Wiederöffnung vorzubereiten“, berichtet Verwaltungsleiterin Sabine Materna.

Und damit den Kleinen daheim nicht langweilig wird, ist zum Beispiel das Personal des Kindergartens St. Franziskus im regen Austausch mit den Eltern. „Sie erhalten von uns Bastelvorschläge, Fingerspiele, Zaubertricks und mehr“, sagt Leiterin Ingeborg Eckart. Außerdem werden kurze Videos erstellt, die auf YouTube zu sehen sind.

Der Kindergarten St. Vinzenz verschickt an die Vorschulkinder Arbeitsblätter, mit denen sie sich auf den Schulbeginn vorbereiten können. „Außerdem haben wir Bastelangebote mit Anleitungen für Eltern, die interessiert sind und bei uns anfragen“, sagt Leiterin Therese Meyer. Und im Kindergarten St. Johannes ist man mit den Kindern per Video in Kontakt, berichtet Leiterin Sabine Kapfer. „Uns erreichen von den Familien viele gute Wünsche, Bilder von Kindern und so weiter, die wir im Rahmen einer kleinen Ausstellung im Foyer präsentieren möchten.“

„Herausforderungen zeigen uns oft neue Wege, die man gehen muss“

Mit Basteleien, Backrezepten, Fingerspielen und Liedern will man auch im katholischen Kindergarten St. Korbinian in Forstern den Kindern die Zeit vertreiben. „Am letzten Kindergartentag vor der Schließung mussten wir die Kinder in eine lange Zeit entlassen. Das war für sie unverständlich“, sagt Leiterin Rosina Winkler. „Auch wir haben schnell gemerkt, dass wir die Kinder vermissen.“ Und die wiederum würden darunter leiden, dass ihnen der gewohnte Gang in den Kindergarten fehle.

Also hat man angefangen, Grüße und Bastelanregungen auf die Homepage zu stellen, betreut von stellvertretender Leiterin Christa Grünewald. Später kam Facebook hinzu. „Wenn mir vor zwei Monaten jemand gesagt hätte, dass ich über Facebook unsere Kinder kontaktiere, hätte ich das nie geglaubt. Aber Herausforderungen zeigen uns oft neue Wege, die man gehen muss“, sagt Winkler und hofft, mit Anregungen wie Osterküken aus Klopapierrollen zu basteln oder Tulpen mit Hilfe von Gabeln zu malen, für die Kinder die Zeit erträglicher zu machen.

Die fertigen Kunstwerke gibt’s übrigens auf Facebook zu bestaunen, eine ganze Galerie ist schon zu sehen. „Es freut uns, dass das gut ankommt“, sagt Winkler und verrät: Trotz Facebook- und Internetauftritt gab es heuer für jedes Kind eine Karte vom Osterhasen – ganz traditionell per Post.

Virtuelle Führungen auf den Stadtturm und durch Erding

Doris Bauer führt auch weiterhin Menschen auf den Stadtturm und durch Erding – virtuell. Ihre „Gschichtn vo da Türmerin z’Arding“ auf der Facebook-Seite von Erding Tower Tours kommen gut an. Gedreht hat Bauer die Filme mit Smartphone und Selfie-Stick. „Ich hatte solche Videos schon 2018 zu meinem Zehnjährigen als Gästeführerin geplant, aber mir hat die Zeit gefehlt. Jetzt habe ich die Zeit und es einfach ausprobiert“, erzählt Bauer, die hauptberuflich im Museum Erding arbeitet. „Außerdem dachte ich mir, man liest nur noch Corona, es gibt keine Kultur, keinen Sport – ein bisschen Abwechslung wäre ganz schön.“

Die ersten Videos sind ohne Schnitt aufgenommen. Die Turmführung ist in drei Teilen zu sehen, schon professionell mit Schrift- und Fotoeinblendungen. Bauer verrät darin allerlei Spannendes rund um den Stadtturm – aber freilich nicht alles. „Die Videos sollen Lust machen auf mehr, sollen ein Appetitanreger sein für die Zeit, wenn wir wieder Führungen machen dürfen“, so Bauer, die noch mehr Videos geplant hat, auf jeden Fall während der Corona-Zeit, „und sicher auch danach noch“. Ideen hat sie genug.

Und eine ganz besondere Stadtführung gibt es am Samstag, 18. April, zum 75. Jahrestag des alliierten Bombenangriffs auf Erding von 1945. Der Erdinger Historiker Giulio Salvati wird in Zusammenarbeit mit dem Museum Erding eine digitale Führung anbieten. Ab 15.10 Uhr startet zum Zeitpunkt des Bombenangriffs ein Live-Stream auf Facebook (Erding Tower Tours), bei dem Salvati und Bauer Forschungsergebnisse präsentieren.

Vroni Macht

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