Urlauber heimgeholt: Am Montagmittag landete am Münchner Flughafen ein Airbus A340 der Schweizer Fluggesellschaft Edelweiß. Er hatte 314 Urlauber an Bord, die die Bundesregierung ausgeflogen hat, weil sie wegen Corona nicht mehr weiter kamen. Die Maschine war im mexikanischen Cancún gestartet. 
+
Urlauber heimgeholt: Am Montagmittag landete am Münchner Flughafen ein Airbus A340 der Schweizer Fluggesellschaft Edelweiß. Er hatte 314 Urlauber an Bord, die die Bundesregie rung ausgeflogen hat, weil sie wegen Corona nicht mehr weiter kamen. Die Maschine war im mexikanischen Cancún gestartet. 

Freistaat sagt personelle Unterstützung zu

Söder erklärt  Erding zum Corona-Hotspot

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Ministerpräsident Söder hat Erding am Montag zum Corona-Hotspot erklärt. Der Freistaat sagt personelle Unterstützung zu. Die Infektionskurve ist derweil weiter abgeflacht. 

Erding Mit einer alarmierenden Botschaft ist Ministerpräsident Markus Söder am Montagmittag vor die Presse gegangen. Er stufte Erding unter anderem neben Tirschenreuth und Rosenheim als einen der bayerischen Corona-Hotspots ein. Konkreter wurde er nicht. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums sagte unserer Zeitung: „Erding gehört zu den zehn am stärksten betroffenen Landkreisen im Freistaat.“ Die Fallzahl von 211 Infektionen auf 100 000 Einwohner sei überdurchschnittlich hoch. Im Moment sei das der sechsthöchste Wert in Bayern.

Auf 100 000 Einwohner kämen also 730 Tests pro Woche

Diese Erkenntnisse bestätigt das Landratsamt. Die überdurchschnittlich hohen Zahlen führt Landratsamtssprecherin Daniela Fritzen darauf zurück, „dass wir überdurchschnittlich viel testen – pro Woche etwa 1000 Abstriche nur an den drei Screeningstellen“. Auf 100 000 Einwohner kämen also 730 Tests pro Woche. Hinzu kommen laut Fritzen noch die aus dem Klinikum und der Kassenärztlichen Vereinigung.

Zweiter Corona-Toter im Klinikum

Die traurige Nachricht des Tages: Im Klinikum starb ein zweiter Patient an Corona. Wie beim ersten Fall handelt es sich um keinen Landkreisbürger, sondern um eine Person von außerhalb, die im Klinikum Erding behandelt wurde.

Infektionskurve abgeflacht - „nur“ 19 Neuinfektionen

Dafür setzt sich ein ermutigender Trend fort: Stand Montagnachmittag haben sich 316 Menschen an der Lungenkrankheit angesteckt, „nur“ 19 mehr als am Wochenende bekannt geworden waren (297). Damit hält die Entwicklung einer sich abflachenden Infektionskurve an. Die Verdopplungszeit liegt laut Fritzen aktuell bei knapp sechs Tagen, hat sich also deutlich verlangsamt. Ziel seien zehn Tage. „Auch wenn das noch nicht erreicht ist, ist das dennoch ein Erfolgserlebnis für alle Beteiligten“, so Landrat Martin Bayerstorfer. „Maßnahmen wie die Ausgangsbeschränkung entfalten jetzt nach und nach ihre Wirkung.“

Die neuen Fälle kommen aus Erding (7), Berglern, Finsing (je 2), Bockhorn, Dorfen, Forstern, Moosinning, Oberding, Pastetten, Taufkirchen und Walpertskirchen (je 1).

30 Personen werden stationär behandelt

Die Zahl stationär behandelter Patienten ist auf 30 gestiegen. 22 sind auf der Isolier-, acht auf der Intensivstation, von denen fünf beatmet werden müssen. Erfreulich: Insgesamt 30 Patienten haben Corona überstanden und gelten als genesen.

Söder versprach den besonders belasteten Regionen Sonderhilfen. So könnte zusätzliches Personal entsandt werden. Zudem sei es möglich, klinisch betreute Patienten in andere Häuser zu verlegen. Fritzen meint dazu, dass man zusätzliches Personal zum Betrieb des Notfallkrankenhauses im Fliegerhorst benötigen werde. Noch reichten die Kapazitäten im Klinikum, sowohl auf den Normalstationen als auch im Isolierbereich (bis zu 100 Betten) sowie auf der Intensivstation (20 Betten, davon 19 mit Beatmungsmöglichkeit), Deshalb musste auch noch niemand weiterverlegt werden. Im Gegenteil: Fritzen berichtet von zwei Kranken, die man von anderen Kliniken übernommen habe.

Landkreis ernennt Versorgungsarzt

Gesundheitsministerin Melanie Huml stellte an Söders Seite klar: „Niemand muss Angst haben, dass er nicht versorgt wird, dass er kein Bett bekommt.“

Auch der Landkreis Erding hat die Anforderung der Staatsregierung umgesetzt, einen Versorgungsarzt zu benennen, der der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) angehört. Offiziell benannt wurde er aber noch nicht. Dr. Markus Marschall, Sprecher des Ärztlichen Kreisverbands, sieht darin keineswegs eine Entmachtung der KVB. „Es geht um eine erfahrene und sachkundige Unterstützung des Krisenstabs durch einen niedergelassenen Arzt. Die KVB ist ohnehin genug belastet. Die Kräfte müssen gebündelt werden“, so der Lungenheilkundler zu unserer Zeitung. Er selbst habe die Aufgabe nicht übernommen, „weil ich in der Praxis gerade auch wegen Corona genug zu tun habe“.

Polizei stellt weiterhin Verstöße gegen Ausgangsbeschränkung fest

Derweil stellt die Polizei weiterhin etliche Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkung fest. Erdings Polizeichef Josef Schmid berichtet, dass unter anderem auf einem Parkplatz in Altenerding sechs Landshuter zwischen 16 und 56 Jahren angetroffen worden seien. „Sie konnten keinen Grund für ihr Treffen nennen, deswegen erwartet die Gruppe eine Anzeige“, so Schmid. Alle Kontrollen würden mit Maß und Ziel durchgeführt. Man wisse von der Belastung der Bürger und habe dafür Verständnis. „Aber gerade von größeren Ansammlungen geht eine besondere Gefahr der Verbreitung des Virus’ aus.“

Auch in Dorfen setzt die Polizei die Restriktionen konsequent durch. Dienststellenleiter Harald Kratzel berichtet, dass sich die meisten der kontrollierten Bürger „einsichtig gezeigt und sich nach Erläuterung der Allgemeinverfügung umgehend nach Hause begeben haben“. Es gebe aber auch Einzelfälle, bei denen Bürger mit Unverständnis reagierten. Unter anderem handelte es sich laut Kratzel um mehrere Männer, die nicht in einem Haushalt leben und zusammen in einem Auto unterwegs waren. Sie wurden angezeigt.

ham

Alle Nachrichten und Informationen zur Corona-Krise im Landkreis Erding finden Sie auch in unserem Newsticker.

  • Unterstützen Sie ihre Nachbarn und Tragen Sie sich hier als Helfer ein.
  • Sie brauchenHilfe in der Corona-Krise? Auf dieser interaktiven Karte finden sie Unterstützung in Ihrer Näher 
  • Viele Unternehmen mussten wegen der Corona-Krise schließen. Dennoch bieten sie weiter ihren Service an. Eine Übersicht über alle lokalen Betriebe, die ihre Unterstützung brauchen, finden sie auf der unten angezeigten Landkarte 
  • Sie haben selbst ein Restaurant oder sind Einzelhändler und bieten nun an ihre Leistung zu liefern? Dann tragen Sie sich hier mit ihrem Unternehmen ein.

Wollen Sie Ihr Unternehmen in der Karte hervorheben? 

Dann informieren Sie sich hier über die Möglichkeiten als Premium-Kunde.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schnelles Internet in den Startlöchern
Der Breitbandausbau in Erding ist einen Schritt weiter gekommen. Es werden bald 50 Kilometer Glasfaser verlegt.
Schnelles Internet in den Startlöchern
Palliativ Team Erding: In ärztlicher und pflegerischer Hand
Wechsel in der Führung des Palliativ Teams Erding: Dr. Elke Rockingham und Steffen Ziener übernehmen die Geschäftsführung.
Palliativ Team Erding: In ärztlicher und pflegerischer Hand
Wo ist Platz für Flüchtlinge? Gemeinde Bockhorn macht sich auf die Suche
Wo kann die Gemeinde Bockhorn noch Flüchtlinge unterbringen? Der Gemeinderat hat jetzt mögliche Standorte diskutiert.
Wo ist Platz für Flüchtlinge? Gemeinde Bockhorn macht sich auf die Suche
Forstern hält an Edeka-Umsiedlung fest
Forstern hält an Edeka-Umsiedlung fest

Kommentare