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Kampf gegen 4000 Krähen

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Die Überpopulation an Krähen in der Herzogstadt war Thema des CSU-Frühschoppens gestern Vormittag. Diplombiologe und Stadtrat Thomas Schreder forderte, den Schutzstatus zu ändern.

Erding – Die Saatkrähenpopulationen in der Stadt Erding sind rasant angestiegen. Viele Menschen fühlen sich vom Kot und dem Lärm gestört. Wie man mit diesem massiven Anstieg umgehen soll, war ein zentrales Thema beim Frühschoppen der CSU gestern Vormittag im Wirtshaus Kreuzeder.

Referent war Stadt- und Kreisrat Thomas Schreder, der als Diplombiologe und Umweltreferent des Stadtrats sein Expertenwissen einbrachte. Schreder nannte Zahlen, um die hochschnellende Entwicklung aufzuzeigen: 2008 habe man im Stadtgebiet 68 Nester kartiert. Im letzten Jahr seien es 683 gewesen und heuer 972 – ein Jahresanstieg von 40 Prozent. 784 Nester habe man alleine im Stadtpark gezählt, 110 an der Krankenhausstraße und 55 an der Kelterreistraße. Wenn man von vier Vögeln im Nest ausgehe, sei man bei einer Zahl von 4000 Saatkrähen in Erding. Das Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft.

Um diesem Trend Herr zu werden, sei es entscheidend, den hohen Schutzstatus ähnlich wie beim Biber zu ändern. Wie Schreder ausführte, wolle man sich an das Umweltministerium wenden und bekomme auch Unterstützung von der CSU-Heimatabgeordneten Ulrike Scharf. Schreder berichtete von Bewohnern, die im Schichtdienst gearbeitet hätten und wegen der Lärmbelästigung weggezogen seien.

Der Biologe erläuterte, dass der Falke ein natürlicher Feind der Saatkrähe sei. Doch im Gespräch mit einem Falkner habe sich folgendes Problem aufgetan: Wenn der Raubvogel seine Beute gegriffen habe, lasse er sich mit ihr an Ort und Stelle nieder. Mit Blick auf den Wasserturm könnte das die viel befahrene Straße sein. Der Falkner würde sein Tier diesem Risiko nicht aussetzen.

Auch Habicht und Uhu seien Krähenjäger. Letzterer sei sogar der größte Feind der Saatkrähe, könne aber nicht im Stadtgebiet angesiedelt werden, weil er einen speziellen Lebensraum benötige.

Ein Zuhörer fragte, ob eine „Antibaby-Pille“ für Saatkrähen zum Einsatz kommen könnte. Ein anderer erzählte von einer Möglichkeit, sie zu betäuben und umzusiedeln. Schreder meinte, dass es viele Möglichkeiten gebe, um die Saatkrähen zu vergrämen, doch immer sei die Voraussetzung, dass man ihren Schutzstatus ändere. Einer Umsiedlung stand der Fachmann kritisch gegenüber. Letztes Jahr habe man in einer aufwändigen Aktion 150 Nester entfernt, die bald wieder da gewesen seien. „Die Saatkrähe ist unheimlich anpassungsfähig.“ Wenn ein Vogel von einem Fressfeind angegriffen werde, dann helfe die Kolonie zusammen.

Saatkrähen gelten als intelligente Tiere, die im sozialen Verbund agieren. Wie in anderen Städten haben sie auch in Erding große Überwinterungsgesellschaften etabliert. Mit Falken habe man das Taubenproblem in den Griff bekommen. Doch sei eine „friedfertige Taube“ leichter zu schlagen, als eine „wehrhafte Saatkrähe“. Falken könnten ihnen dennoch gefährlich werden. „Was schön wäre, wäre ein Habicht im Stadtpark.“ Allerdings könne es zur Revierkonkurrenz der Raubvögel kommen. „Ich weiß noch nicht, wie’s weitergeht – dass wir etwas tun müssen, ist unstrittig.“

Schreder prognostizierte, dass die Saatkrähen ohne Intervention immer mehr würden. „Die Lebensbedingungen sind ausgezeichnet.“ Auf den stadtnahen Feldern sei der Tisch reich gedeckt. Die Vögel würden sich überwiegend vegetarisch ernähren. Der alte Baumbestand in der Herzogstadt biete gute Nistmöglichkeiten. „Wenn Tierschutz vor Menschenschutz geht, muss man einen Riegel vorschieben.“

Auf sie das Jagdrecht anzuwenden, sah Schreder als nicht richtig an. „Die Saatkrähe ist nur marginal Feind anderer Tierarten.“ Der Fachmann wies daraufhin, dass die Populationszunahme ein bayernweiter Trend sei. Vroni Vogel

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