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Damit es irgendwie weitergeht

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Von: Friedbert Holz

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Claudia Grote ist Geschäftsführerin des Betreuungsvereins Ebersberg/Erding.
Claudia Grote ist Geschäftsführerin des Betreuungsvereins Ebersberg/Erding. © Johannes Dziemballa

Der Betreuungsverein Ebersberg/Erding unterstützt in sozialen und rechtlichen Fragen rund ums Thema Betreuung.

Markt Schwaben/Erding – Als Anfang der 90er Jahre Elisabeth Nuspl Betreuung suchte für ihren kranken Onkel und nirgendwo Hilfe fand, gründete sie zusammen mit anderen den Betreuungsverein am Ort. Mittlerweile kümmern sich Geschäftsführerin Claudia Grote und zwei weitere Damen um Menschen in den Landkreisen Erding und Ebersberg, die Unterstützung suchen.

„Wir sind kein medizinischer Dienst“, betont Grote, die ihr Büro im sogenannten AOK-Haus in Markt Schwaben hat. „Vielmehr kümmern sich meine Kollegin Daniela Buchmann und ich darum, etwa Plätze für eine Kurzzeitpflege von Senioren zu suchen, gesetzliche Betreuung anzubieten, Menschen in Not oder bei Schicksalsschlägen eine Art Struktur zu ermöglichen, damit es für sie weiter geht. Eine Dame im Büro nimmt außerdem Telefonate an, kümmert sich um viele fällige Schreibarbeiten.“

Davon gibt’s nach ihrer 14-jährigen Erfahrung jede Menge: Vollmachten müssen erstellt, Briefe für Bedarfsanforderungen bei Behörden geschrieben, Formulare für die Beantragung von Sozialhilfe ausgefüllt, Betreuungs- oder Patientenverfügungen aufgesetzt werden. „Daneben bieten wir montags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr Telefonsprechstunden an. Jeder kann bei uns anrufen und sich beraten lassen, vielen können wir bereits in einem Gespräch weiterhelfen“, sagt Grote.

Die 48-jährige Münchnerin hatte offensichtlich schon immer Freude an der Arbeit mit Menschen. Nach ihrem Fachabitur ließ sie sich zuerst zur Erzieherin ausbilden, studierte danach Pädagogik in ihrer Heimatstadt und ging dann nach Markt Schwaben. Hier teilt sie sich die Betreuungsaufgaben mit ihrer Kollegin: „Daniela kümmert sich konkret um jeweils vier Personen in den beiden Landkreisen, besucht sie zuhause oder in einem Heim, hält Kontakt. Ich selbst bin Ansprechpartner für derzeit 22 Personen, 15 im Landkreis Ebersberg, die anderen im Kreis Erding. Ein idealer Betreuungsschlüssel wäre, wenn wir pro zu betreuender Person eine Stunde pro Woche investieren könnten.“

Doch in Krisenzeiten wie momentan sei das überhaupt nicht leistbar, „wir sind weit davon entfernt“. Es wäre auch „schön und wichtig“, mit diesen Personen Biografie-Arbeit machen zu können, also einen Lebenslauf zu erstellen für mögliche spätere Heim- oder Klinikbesuche. Auch Betreuungsformulare aufzusetzen wäre sinnvoll – „denn viele können vielleicht später, wenn sie etwa einen gesetzlichen Betreuer bekommen, keine Wünsche mehr äußern. Dabei wäre es doch nur selbstverständlich zu sagen, welche Vorlieben jemand hat, ob er abends lieber liest oder vor dem Fernseher sitzt, was er gerne isst und trinkt.“

Befragt nach konkreten Beispielen, fallen Grote zwei ein. „Ein 22 Jahre alter Asylbewerber, der nur bei uns geduldet ist, sein Heimatland nimmt ihn nicht auf. Er wurde uns vom Amtsgericht vermittelt, und nun helfen wir ihm, neben seinen üblichen Versorgungsproblemen auch noch ein juristisches zu lösen: Er ist mehrfach beim Schwarzfahren mit der Bahn erwischt worden und hat deshalb ein Verfahren zu bestehen.“ Ein anderer Fall zeigt das Schicksal einer 82-Jährigen auf, die dement zuhause lebt. Sie werde medizinisch versorgt, habe aber niemanden, der Kontakt mit Arzt und Krankenkasse hält, der bei Bedarf eine Zuzahlung beim Sozialamt beantragt.

Grote selbst ist auch gesetzliche Betreuerin, kann vom jeweils zuständigen Landratsamt einer Person zugeteilt werden. Die Behörde kann auch Ehrenamtliche zur Betreuung entsenden, was sich vom kommenden Jahr aber ändert: Dann soll auch der Betreuungsverein über den Einsatz Ehrenamtlicher entscheiden dürfen. Im Gegensatz zu diesen bekommt sie ein festes Gehalt, von der Regierung Mittelfranken. „Diese Behörde ist zuständig für alle Betreuungsvereine in Bayern, sie gibt uns Geld für Beratungen, bezahlt 30 Prozent der Sachkosten. Den Rest müssen die Personen aufbringen, die wir betreuen. Falls sie dazu nicht in der Lage sind, zahlt die jeweilige Justiz-Kasse.“

Was sie sich wünscht? „Wir könnten bei der Flut an Anfragen, die täglich mehr werden, vor allem ehrenamtliches Betreuungspersonal gebrauchen.“ Interessenten könnten sich melden, doch das Amt sei kein leichtes. „Es gibt viel Nähe und Einblick ins Leben eines Menschen, doch der Umgang mit Behörden kann manchmal zäh sein. Ein langer Atem und vor allem viel Empathie sind unumgänglich. Selbstverständlich sind alle Ehrenamtlichen über uns versichert, wenn sie hier mitarbeiten.“ Was Grote auch noch wichtig ist: „Jede und jeder sollte ab 18 Jahren eine Vorsorge- oder Betreuungsvollmacht haben, dann hätten wir es deutlich leichter bei unserer Arbeit.“

Kontakt

Der Betreuungsverein Ebersberg/Erding ist zu erreichen unter Tel. (0 81 21) 43 91 30.

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