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Helfen, ohne sich selbst dabei zu vergessen: Die professionelle Schulung für pflegende Angehörige im Klinikum erlebte die Gruppe als wertvolle Bereicherung. Im Demo-Raum konnten sie mit Puppe Erika wichtige Handgriffe üben.

Kurs für pflegende Angehörige

Damit die Familie nicht schlapp macht

Erding – Bedürftige Angehörige zu betreuen und sich dabei nicht selbst zu vergessen, ist oft ein schwieriger Spagat zwischen Betreuung und Selbstbestimmung. Auch die körperliche Anstrengung kann die Helfer an ihre Grenzen bringen. Sie lernten jetzt, was sie dagegen tun können.

Oft sind es professionell angewandte Handgriffe, die ganz konkret die tagtägliche Pflege erleichtern. Bei einer Schulung der Abteilung für Fort- und Weiterbildung am Klinikum Erding in Zusammenarbeit mit der AOK kann man genau das lernen und sich mit Menschen in ähnlicher Situation intensiv austauschen. Das entlastet, eröffnet Perspektiven und schafft Solidarität.

Bei der Abschlussveranstaltung erzählten die Pflegenden von ihren Erfahrungen, kleinen Freuden, aber auch Schwierigkeiten. „Wir haben gelacht und geweint“, sagte eine Teilnehmerin und dankte der Gruppe für die offene Atmosphäre. Den Kurs leiteten die Fachkräfte Sybille Müller, Elisabeth Schraufstetter, Ina Ludwig und Mandy Afeltowicz. An fünf Samstagen erlernte die Gruppe pflegerische Grundlagen wie die tägliche Körperpflege, Ernährung, Mobilisation und Lagerung über den Einsatz von Hilfsmitteln bis hin zu Hintergrundwissen und praktischen Tipps beim Umgang mit Demenzkranken.

Ein Schwerpunkthema war, Menschen, die an Demenz erkrankt sind, ohne Bevormundung, mit viel Geduld und liebevollem Einfühlungsvermögen, aber auch behutsamer Grenzziehung zu begleiten. „Es hat geklappt“, sagte ein Teilnehmer, der seine Mutter zuhause pflegt. Er habe gelernt, die Rituale und Mechanismen zu verstehen. Sich auch einmal Auszeiten im Alltag zu nehmen und die Pflege ohne schlechtes Gewissen kurzzeitig abzugeben, sei ein entscheidender Rat gewesen, um als Angehöriger stabil zu bleiben.

Eine Frau, die sich entschieden hatte, einen Nachmittag in der Woche frei zu nehmen, berichtete zunächst von sorgenvollem Unbehagen. „Was werd d’Mam jetzt machen?“ Dieser Gedanke sei ihr immer wieder durch den Kopf gegangen. „Jetzt genieße ich es. Es läuft auch, wenn ich nicht da bin“, sagt sie heute. Diese Erkenntnis habe Entspannung in die Pflegesituation gebracht.

Auch die Kurzzeitpflege zu nutzen, um selbst neue Kräfte zu tanken, wurde als Möglichkeit aufgezeigt. Die Frage, weshalb man sich zur Schulung angemeldet habe, wurde ganz unterschiedlich beantwortet. Eine Frau berichtete, dass sie in der Betreuungssituation fast „rückenlahm“ geworden sei. „Jetzt brauche ich professionelle Hilfe“ – diese Einsicht war der erste Schritt, um sich diese auch zu suchen.

Die Angst, Fehler zu machen, war für eine andere Frau der Antrieb, sich zu schulen, deren Angehörige Osteoporose hat: „Wie fasse ich sie an, ohne dass ich ihr weh tue?“ Gezielte Griffe, die den Rücken schonen und für den bedürftigen Angehörigen nicht unangenehm sind, konnte man in einem Demo-Raum des Krankenhauses mit Puppe Erika erproben.

Der Umgang mit Hilfsmitteln wie das Einsetzen eines Katheders konnte angstfrei geübt werden. Ein Nachmittag mit praktischen Übungen wurde aus Sicht des Gepflegten absolviert, um zu spüren, „wie sich das anfühlt“. Dieser Perspektivwechsel sei sehr interessant und erhellend gewesen, berichtete die Gruppe. Auch der vertrauensvolle Erfahrungsaustausch, die Kursgestaltung und die praxisorientierte Anleitung wurden gelobt. „Ich fühle mich jetzt viel sicherer, weil ich genau die Fragen stellen konnte, die mich bei meiner häuslichen Situation am meisten beschäftigt haben“, fasste eine Teilnehmerin zusammen.

Vroni Vogel

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