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Das Zeugnis Erdinger Weltkriegsgeschichte stellen Dr. Heike Kronseder, Josef Miethaler und Jürgen Wedemeyer (v.r.) vor.

Luftschutzkeller am Franz-Xaver-Stahl-Museum 

Dampflok-Kessel als Lebensretter

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Tief im Boden der Erdinger Altstadt schlummert ein Stück Weltkriegsgeschichte, das bayernweit als einmalig gilt: ein Luftschutzraum aus den Kesseln einer Dampflokomotive. Der Bunker entsprach zwar nicht der Norm, wurde aber doch professionell gebaut.

Erding – Josef Miethaler ist zwar schon 87 Jahre alt, doch man sieht ihm nicht an, dass er den Zweiten Weltkrieg erlebt hatte. „Zwei bis drei Mal waren wir in diesem Luftschutzkeller“, erinnert sich der Erdinger, „das war tagsüber, und wir waren nie länger als ein paar Stunden drin“.

Dass es im Garten des vor drei Jahren eröffneten Franz-Xaver-Stahl-Museums einen solchen Keller gibt, ist bekannt. Museumsleiterin Dr. Heike Kronseder führt immer wieder Besucher durch das Gewölbe. Doch erst jetzt setzt die gründlichere Erforschung des Luftschutzkellers ein. Denn Experten wie Karlheinz Kümmel vom Luftschutzarchiv München und Jürgen Wedemeyer vom Verein Berliner Unterwelten halten die Anlage für einmalig in Bayern, wenn nicht sogar in ganz Süddeutschland.

Eine Besonderheit ist die Bauweise des Luftschutzkellers. Er dürfte aus zwei Elementen eines Kessels einer Dampflok gefertigt sein. Die beiden Stahlröhren sind tief in der Erde verankert und mit Lüftungsrohren ausgestattet. In jeder der beiden Kammern fanden nach Recherchen Kronseders etwa zehn Menschen Platz. Kümmel spricht von einem sogenannten Rundbunker. „Wegen der begrenzten Sauerstoffzufuhr konnte der Luftschutzraum sicher nicht länger als ein bis zwei Stunden genutzt werden“, vermutet Wedemeyer.

Wissenschaftlich bemerkenswert ist die Anlage des Bunkers. Kümmel und Kronseder berichten, dass mit der Gründung des Reichsluftschutzbundes im Jahr 1933 alle Hausbesitzer aufgefordert wurden, Luftschutzkeller nach bestimmten Vorgaben zu bauen. Es gab Ausstellungen, in denen Musteranlagen angeboten wurden. Davon weicht der Keller an der Landshuter Straße ab. Wedemeyer meint aber anerkennend, „dass hier ein Profi am Werk gewesen sein muss“.

Forschung stehtganz am Anfang

Der Keller verfügt über drei Eingänge, einer davon führt aus dem Haus der Maler-Familie Stahl in die Tiefe. Zudem gab es eine Treppe in den Garten, die laut dem Berliner Experten so verwinkelt angelegt worden ist, dass Druckwellen nach einem Bombenangriff durch Beton und massives Mauerwerk abgeschwächt wurden. Zudem existiert ein Notausstieg über eine Leiter. Sogar die sogenannte Trümmerzone wurde eingehalten: Der Keller liegt eine halbe Firsthöhe vom Anwesen entfernt, damit er im Falle einer Bombardierung nicht verschüttet wird.

Eine Besonderheit stellt der Bunker auch wegen seines nach wie vor guten Zustands dar. Das führt Kronseder, die das Vermächtnis des akademischen Kunstmalers verwaltet, pflegt und erforscht, auf die Familie zurück. „Die Stahls haben über Jahrzehnte nichts verändert und alles aufgehoben.“ Zwar sei der Keller jahrzehntelang als Abstellraum genutzt worden. „Aber weil es keine Kinder gab, die auf dem elterlichen Grundstück bauen wollten, ist alles gut erhalten.“ Sogar das 80 Jahre alte Holzbankerl in einer der Kammern gibt es noch. Das gilt auch für die massiven Stahltüren, die die Schutzsuchenden vor Gas schützten.

Kronseder hat herausgefunden, dass der Luftschutzraum Anfang der 1940er Jahre gebaut worden sein muss. Damals lebte Ursula Stahl, die Mutter des renommierten Künstlers, in dem Anwesen. Franz-Xaver Stahl verbrachte die Kriegsjahre in Dachau und München, wo ihm sein Mäzen Max Kammerer Schutz gewährte. „Stahl war einer der wenigen Maler, die von ihrer Profession gut leben konnten“, berichtet die Museumsleiterin. Deswegen könnte die Familie über die Mittel verfügt haben, einen solchen Bunker anzulegen. Aufgrund des guten Rufs Stahls könnte die Familie auch an die Baustoffe gekommen sein. Hinzu kommt: Kammerer war Oberinspektor bei der Reichsbahn. Hat er die ausrangierten Dampfkessel organisiert?

Luftschutzräume sind in Erding bislang wenig erforscht. Kronseder hofft, dass dieses Kapitel Stadtgeschichte nun detaillierter untersucht wird. Gleichwohl weiß die Museumsleiterin: „Es wird kaum noch intakte Anlagen geben.“ Und sie will nun Schulklassen den Bunker zeigen: „Dieser authentische Ort ist besser als 50 Seiten im Geschichtsbuch.“

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