+
Nach angsterfüllten Stunden im Familienglück angekommen: Rainer und Veronika Lenzen möchten sich gemeinsam mit Sohn Benedikt bei allen Geburtshelfern des Erdinger Klinikums bedanken.

Bange Stunden im Klinikum Erding

Dankbarkeit nach dramatischer Geburt

Pretzen – Die Geburt ihres Kindes wäre um ein Haar nicht der schönste Tag im Leben von Veronika und Rainer Lenzen geworden. Was das Ehepaar erleben musste, war der Horror. Jetzt möchte sich die junge Familie bei allen bedanken, die im Klinikum geholfen haben.

Es ist Samstag, der 9. April, als das Pretzener Ehepaar um 8 Uhr im Klinikum eintrifft, um die Wehen einleiten zu lassen. Veronika und Rainer Lenzen ahnen nicht, dass die nächsten Tage zu einer seelischen sowie körperlichen Belastungsprobe werden. „Wir waren zwei Wochen zu spät dran, da ist es ganz normal, dass die Wehen eingeleitet werden“, erklärt Veronika im Gespräch mit der Heimatzeitung. Die werdende Mutter wollte eine natürliche Geburt ihres Sohnes. „Er sollte selbst entscheiden, wann er zur Welt kommt.“

Es folgten drei Tage, in denen Veronika Lenzen in den Wehen lag – zu lange. Am Montag fiel die Entscheidung, das Baby per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen. Dabei wird die Schwangere durch eine Spritze in der Wirbelsäulenregion so betäubt, dass sie den Schmerz kaum spürt, jedoch bei vollem Bewusstsein ist, eine so genannte PDA. „Ich hätte die Wehen sonst nicht ausgehalten, und eine PDA ist etwas total Gewöhnliches. Komplikationen kommen sehr selten vor“, erklärt Lenzen.

Doch die 32-Jährige hatte Pech, denn das Betäubungsmittel hat sich nach oben hin zum Kopf ausgebreitet. „Im Nachhinein hat man mir gesagt, dass das Narkosemittel spinal gegangen ist. Ich habe gespürt, wie meine Hände gekribbelt haben und dann konnte ich nicht mehr richtig atmen“, erinnert sich die gebürtige Pastettenerin.

„Der Anästhesiearzt Andreas Klausner hat sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Und dann hat auch schon die Hektik begonnen.“ Der werdenden Mutter wurde sofort Luft zugeführt, während das Kind per Notkaiserschnitt zur Welt gebracht wurde. Was die Situation noch verschärfte: Die Nabelschnur war um den Hals des Jungen gewickelt.

Veronika Lenzen erlebte die schlimmsten Minuten ihres bisherigen Lebens. „Ich hatte wirklich Todesangst“, sagt sie mit Tränen in den Augen.

Und auch der liebevolle Blick ihres zwei Jahre älteren Ehemanns in Veronikas Richtung verrät, welche Sorgen er am Montag, 11. April, ausgestanden hat. „Ich habe mich für die OP umgezogen, und als ich zurückkam herrschte da eine riesige Aufregung. Ich durfte plötzlich nicht mehr zu meiner Frau. Man hat natürlich gemerkt, dass da was schief läuft, aber ich wusste nicht, was es ist.“

Einige Minuten später hat sich dann die Tür des Operationssaals geöffnet, und Rainer Lenzen durfte seinen gesunden, 3450 Gramm schweren Sohn Benedikt in Empfang nehmen. Er hat um 21.32 Uhr das Licht der Welt erblickt. Von Ehefrau Veronika fehlte noch jede Spur. Sie wurde gegen 00.30 Uhr auf die Intensivstation verlegt, wo sie den kleinen Benedikt Lenzen erstmals im Arm halten durfte.

Eigene Schwester war Profi im OP

Trotz der schrecklichen Momente der Ungewissheit, sehen die frischgebackenen Eltern das Positive. „Ich bin meiner Schwester, Ramona Wagner, einfach unendlich dankbar“, sagt Veronika Lenzen, denn diese hat sie als Anästhesieschwester durch die dramatischen Stunden begleitet. „Sie war im OP immer an meiner Seite und hat beruhigend auf mich eingeredet. Das hat uns so unglaublich eng zusammengeschweißt“, sagt die junge Mutter. Die Beziehung zu ihrer 29-jährigen Schwester sei vor einigen Jahren äußerst schwierig gewesen. „Durch diesen Vorfall sind wir jetzt wirklich so, wie Schwestern eben sein sollten. Wir sehen uns fast täglich, oder telefonieren.“

Besonders dankbar ist das Ehepaar auch Andreas Klausner. „Ohne seine schnellen und richtigen Entscheidungen gäbe es mich heute nicht mehr“, sagt Lenzen. „Außerdem hat man sich im Krankenhaus wirklich hervorragend und fürsorglich um uns gekümmert.“

Den Eltern ist klar: Sollte die Entscheidung fallen, ein zweites Kind zu bekommen, werden sie sich wieder an das Erdinger Klinikum wenden. Vorerst wollen sie den Schock jedoch erst einmal setzen lassen.

Julia Adam

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bomben im Boden sind ihr Geschäft
EMC Kampfmittelbeseitigung sorgt in ganz Deutschland für Sicherheit. Das Langenpreisinger Unternehmen eröffnet nun auch eine Schule für dieses gefährliche Geschäft.
Bomben im Boden sind ihr Geschäft
Rechte Hetze, linke Ideologie und Schüler, die selbst denken können
Am Gymnasium Dorfen ist von der Schulleitung eine von Schülern organisierte und auch von der Schule auch genehmigte politische Podiumsdiskussion kurzfristig untersagt …
Rechte Hetze, linke Ideologie und Schüler, die selbst denken können
Bald auch Hilfen für Einheimische
In der Taufkirchener Puerto Jugendwohngemeinschaft von Condrobs sollen in absehbarer Zeit nicht nur unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut werden, sondern auch …
Bald auch Hilfen für Einheimische
50 Jahre gelebte Barmherzigkeit
Seit 50 Jahren ist das Wohn- und Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Algasing eine Heimat für Menschen mit Behinderung. Trotz Umbruchs soll das Kloster ein Haus der …
50 Jahre gelebte Barmherzigkeit

Kommentare