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Das Erdinger Erbe des Chiemsee-Malers

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Von: Gabi Zierz

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Winterlandschaft heißt dieses Werk von Johann Georg Schlech mit Öl auf Leinwand, das um 1940 entstand.
Winterlandschaft heißt dieses Werk von Johann Georg Schlech mit Öl auf Leinwand, das um 1940 entstand. © Museum Franz Xaver Stahl, Erding

Erding - Er gilt als einer der führenden Chiemsee-Maler: Johann Georg Schlech. Sein Nachlass wird allerdings in Erding gehütet.

Er war ein Münchner Kindl, aber sein Nachlass wird in Erding gehütet: Johann Georg Schlech (1899-1952). Am heutigen Freitag jährt sich zum 70. Mal der Todestag des Kunstmalers. Sein komplettes künstlerisches und privates Erbe befindet sich im Museum Franz Xaver Stahl an der Landshuter Straße. Denn Schlech war der erste Ehemann von Stahl-Witwe Margarete. Museumsleiterin Heike Kronseder, promovierte Kunsthistorikerin, erinnert sich.

Schlech wurde 1899 als Sohn einer Hoteliersfamilie am Bavariaring geboren. Nach der Schulzeit im strengen Knabeninternat Fürstenstein und dem Besuch der Handels- und danach Kreisrealschule wurde er mit nur 16 Jahren eingezogen. Zweimal wurde er im Ersten Weltkrieg als Beiflieger abgeschossen und litt zeitlebens an den Folgen seiner schweren Verletzungen.

1919 machte Schlech das Abitur und begann, an der Kunstakademie München Tiermalerei zu studieren. In die Fußstapfen seiner Eltern wollte er nicht treten. Der berühmte Tiermaler und Kunstprofessor Heinrich von Zügel nahm ihn in seiner Klasse auf. Dort traf Schorschi, wie ihn alle nannten, auf Kunststudenten, zu denen er eine lebenslange Freundschaft unterhalten sollte, darunter der gebürtige Erdinger Franz Xaver Stahl. Die Studienzeit im München der 1920er Jahre war eine schöne Zeit. Das „Leben an der Akademie war bunt und aufregend“, betonte Schlech immer wieder. Man traf sich zum gemeinsamen Malen und Diskutieren, unternahm Reisen und Malausflüge, feierte zusammen.

Verstanden sich gut: die Schüler der Tiermalklasse mit Johann Georg Schlech (r.).
Verstanden sich gut: die Schüler der Tiermalklasse mit Johann Georg Schlech (r.). © Museum Franz Xaver Stahl, Erding

Nach dem Studium hatte Schlech eine kleine Wohnung mit Atelier an der Goethestraße. Für die immer mehr werdenden Aufträge und Arbeiten, zum Beispiel als Reklamekünstler für die Firma Fiat oder viele Gebrauchsgrafiken, benötigte er eine Hilfe fürs Büro und einfache künstlerische Arbeiten. Diese fand er in der jungen Kunstgewerblerin Margarete Gruber. Auch privat kamen die beiden zusammen. 1936 heirateten sie.

Johann Georg Schlech war ein geselliger Mensch, bewirtete gerne Gäste und musizierte mit den Künstlerfreunden. Er war auch ein überaus fleißiger Maler, nahm an Ausstellungen teil, schuf Illustrationen für Zeitschriften und bediente Sammler. 1938 beteiligte sich Schlech an der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst. „Der NSDAP trat er nie bei, reichte aber in den Jahren 1938, 1940, 1943 und 1944 Gemälde zur Ausstellung ein“, betont Kronseder.

1938 zog das Ehepaar Schlech auch an den Chiemsee. Dort änderte der Tiermaler nach einer Augenoperation sein Sujet. Als Dank an das „Sehen-Dürfen“ malte er die Chiemsee-Gegend, Landschaften, Waldstücke und Berge zu allen Jahreszeiten und avancierte zu einem der führenden Chiemsee-Maler. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand in Prien die erste Kunstausstellung im besetzten Deutschland statt. „Dem Mut und der Initiative der beteiligten Künstler ist es zu verdanken, dass damals in 14 Räumen Malerei, Grafik, Keramik und Plastiken gezeigt werden konnten“, berichtete Schlechs Ehefrau Margarete später. Ihr Gatte beteiligte sich mit 13 Ölgemälden an dieser Ausstellung.

Am 14. Januar 1952 verstarb Schlech im Alter von nur 52 Jahren. Er wurde in Prien am Chiemsee begraben. „Sein großer künstlerischer Nachlass zeigt in der Hauptsache Gemälde und Zeichnungen voller Impressionen bayerischer Landschaften, wie man sie so fast nicht mehr kennt“, beschreibt Kronseder: „Einsame Wege, wilde Vegetation, unbegradigte Bachläufe, halbverfallene Torfhütten, Fuhrwerke von Ochs und Pferd gezogen, Heumandl, bunte Obstgärten voller alter Sorten und viele andere, liebevoll betrachtete und auf die Leinwand gebannte Details einer urtypischen bayerischen Landschaft.“

All diese Werke befinden sich in Erding, weil Margarete Schlech elf Jahre nach dem Tod ihres ersten Mannes dessen Freund und Malerkollegen Stahl heiratete. In dessen ehemaligem Wohn- und Atelierhaus werden Werke Schlechs in vier Räumen gezeigt. Der nächste Museumssonntag ist am 6. Februar von 14 bis 17 Uhr. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln.

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