Klassische Philharmonie Erding

„Das Jammern ist nicht ganz gerechtfertigt“

Erding – Seit Jahren unterstützt die Stadt die Klassische Philharmonie Erding. Derzeit sind es 6000 Euro, die sie als Konzertzuschuss gewährt. Ob es dabei bleibt, ist offen.

Eine schlechte Nachricht hatte Wolfgang Gieron, Dirigent und Mitinitiator der Klassischen Philharmonie Erding, am Samstagabend nach dem äußerst gelungenen Frühjahrskonzert für die knapp 400 Besucher in der Stadthalle. Er verkündigte, dass die Konzertreihe, die er vor 24 Jahren mit CSU-Urgestein Manfred Becker und Erdings Kulturreferentin Ingrid Sollanek ins Leben gerufen hat, vor dem Aus stehe (wir berichteten). Der Grund: Nach der Flughafen München GmbH steige auch die Stadt Erding aus dem Sponsoring aus. Dies habe der Stadtrat beschlossen, sagte Gieron.

Dem widerspricht Ludwig Kirmair. Der Erdinger Vize-Bürgermeister und Kulturreferent war am Samstag selbst im Konzert und sagt: „Das Jammern ist nicht ganz gerechtfertigt.“ Auch habe der Stadtrat nichts entschieden. Es sei eine Entscheidung von Oberbürgermeister Max Gotz gewesen, dass der Zuschuss heuer noch ausgezahlt werde und für 2017 neu zu entscheiden sei, so Kirmair.

Für ihn ist das Frühjahrskonzert eine sehr schöne Veranstaltung. Er erinnerte aber daran, dass die Philharmonie einst „mit dem Kammerorchester gegründet worden ist, verstärkt durch Münchner Solisten“. Heute seien mit Gieron und Helmut Veihelmann nur noch zwei Erdinger dabei. Mittlerweile besteht der Großteil des Orchesters aus Arbeitskollegen Gierons im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in München. Auch der Besucherandrang halte sich in Grenzen, sagte Kirmair.

Das rückläufige Zuschauerinteresse ist auch ein Grund, warum die Flughafen München GmbH schon vor gut drei Jahren aus dem Sponsoring ausgestiegen ist. FMG-Sprecher Edgar Engert: „Das Publikum ging immer mehr zurück. Im Verhältnis zu den Zuschauern gerechnet, war der Zuschuss einfach zu hoch.“ Die Rede ist von einem fünfstelligen Betrag jedes Jahr. Engert betont, dass die FMG das Geld nicht einspare, sondern es effektiver einsetze. Es komme anderen Orchestern zugute, beispielsweise dem Erdinger Jugendkammerorchester Violinissimo.

OB Gotz hat es als „sehr ungeschickt empfunden“, dass Gieron das Thema so öffentlich angesprochen hat. Die Stadt habe ihn seit jeher unterstützt. Hintergrund der Zuschussdebatte sei, dass die Stadt künftig die Abrechnungen sehen wolle. Dies sei ein ganz normales Verfahren „wie überall, wo wir Zuschüsse vergeben“, so Gotz: „Wir reden da über 6000 Euro von der Stadt.“ Dies offenbare auch gewisse Fragen. Und wenn man wisse, was an Freikarten vergeben werde, müsse man sehen, ob das von der Verhältnismäßigkeit noch passe. Auch, wenn man sehe, wer aus der Region noch mitspiele. „Kultur ist immer ein Zuschussgeschäft. Das ist klar“, sagte Gotz. Er erinnerte an die Jazz Tage, die Jahr für Jahr ein großes Defizit verursacht hatten, ehe er die Bremse gezogen habe. Jetzt sei die Veranstaltung finanziell überschaubar.

Philharmonie-Mitbegründer Manfred Becker hofft auf einen guten Ausgang. Er wolle gemeinsam mit Gieron nochmal mit Stadt und Landkreis, ebenfalls Zuschussgeber, reden: „Die Konzerte waren zu schön und die Zeiten zu gut, um es so sterben zu lassen.“

Gabi Zierz

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