Von der Altstadt in die Freisinger Siedlung: Fotograf Robin Bauersachs hat sein Atelier in sein Wohnhaus verlegt – auch eine Folge von Corona.
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Von der Erdinger Altstadt in die Freisinger Siedlung: Fotograf Robin Bauersachs hat sein Atelier in sein Wohnhaus verlegt – auch eine Folge von Corona.

Fotogeschäft Bauersachs am Kleinen Platz gibt auf – Neuanfang in der Freisinger Siedlung

Das Virus befällt die Kameras

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Erding - Das Fotogeschäft Bauersachs am Kleinen Platz in Erding gibt auf - und wagt einen Neuanfang in der Freisinger Siedlung.

Die Konzentration war schon vor der Pandemie bemerkenswert: In der Erdinger Altstadt konkurrierten gleich vier Fotogeschäfte auf wenigen Quadratmetern – drei am Kleinen Platz und eins an der Zollnerstraße. Nun hat der Erste aufgegeben, unter anderem wegen Corona – das Fotostudio von Robin Bauersachs. Doch der Fotograf macht weiter, in seinem Privathaus an der Beethovenstraße 16 in der Freisinger Siedlung.

Über die Branche redet in der Corona-Krise kaum einer – die Fotografie. Sie darbt schon länger. Filme gehören bereits seit 15 Jahren nahezu der Vergangenheit an, seit Smartphones Bilder in Top-Qualität liefern. Passbildautomaten gibt es längst in vielen Rathäusern.

Die Pandemie hat die Not potenziert: Hochzeiten sind ausgefallen, Vereine können sich nicht treffen und benötigen folglich keine Gruppenbilder, feierliche Abschlussbälle wird es vermutlich heuer das zweite Jahr in Folge nicht geben. All das waren für die Fotostudios lukrative Einnahmequellen. Robin Bauersachs hat nun die Konsequenz gezogen und sein Geschäft am Kleinen Platz aufgegeben.

Dessen Geschichte begann vor über 40 Jahren am Erdinger Bahnhof. Eröffnet hatte das Fotogeschäft dort Max Käser. Später zog er an den Kleinen Platz mitten ins Herz der Altstadt um. 1999 übergab er es altersbedingt an Robin Bauersachs. Der heute 48-Jährige hat eigentlich Radio- und Fernsehtechniker gelernt. Doch immer mehr trat er in die Fußstapfen seines Vaters. Peter Bauersachs ist ein anerkannter Pressefotograf, der mittlerweile in Diensten des Erdinger/Dorfener Anzeiger steht. „Immer öfter habe ich meinen Vater unterstützt und bin so zur Fotografie gekommen“, erzählt der Sohn. Vater Peter Bauersachs war auch Lehrmeister seines Sohnes, der dann noch eine Art Fernstudium draufsattelte.

Zur Jahrtausendwende übernahm Robin Bauersachs dann das Geschäft und war vor allem als Studiofotograf tätig – Porträts, Gruppen- und Hochzeitsfotos, aber auch künstlerische Landschaftsfotografie. Zuletzt kamen auch Luftbilder per Drohne dazu. Zudem verkaufte er Bilderrahmen und allerlei Zubehör.

Dass er jetzt sein Geschäft aufgegeben hat, liegt an Corona, aber nicht nur. „Die Pandemie wirkte letztlich wie ein Brandbeschleuniger“, berichtet Bauersachs. Gedanken, sich räumlich zu verändern, habe er schon länger gehabt. Zum einen hätten Kunden, vor allem Hochzeitspaare, immer wieder moniert, keinen Parkplatz vor dem Geschäft zu finden.

Aber auch der Christkindlmarkt habe bei ihm alle Jahre wieder für Verdruss gesorgt, so der 48-Jährige. Denn die Buden standen direkt vor seinem Schaufenster. In einer an sich wichtigen Saison sei sein Laden für die Kunden kaum zu finden gewesen.

Nun hat Bauersachs einen Schlussstrich gezogen. Freilich nur einen gestrichelten. Denn als Fotograf macht er weiter. „Wir haben im Keller unseres Wohnhauses ein Atelier eingerichtet.“ Geöffnet ist es werktags von 9 bis 18 Uhr nach Vereinbarung. Mit der Auftragslage ist er zufrieden. „Jetzt habe ich endlich mehr Platz als in dem beengten Studio im ersten Stock am Kleinen Platz.“ Und: Die Kunden können direkt vor dem Haus parken.

„Am Anfang hatten wir Zweifel, ob die Kunden ein Wohnhaus in einer Siedlung aufsuchen“, gibt Bauersachs zu. Doch mittlerweile kämen die Anfragen bis aus München. Porträtfotos gehen auch in der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Und Bauersachs ist die enorme Belastung der Miete in teurer Innenstadtlage von den Schultern genommen. Das Heimstudio betreibt er mit seiner Frau Steffi. Die 38-Jährige war zuvor ebenfalls im Laden gestanden. Rahmen verkauft er weiterhin, auch wenn er sich vom Gros des Inventars getrennt hat. „Einen Teil habe ich der Ganztagsschule der Herzog-Tassilo-Realschule geschenkt“, erzählt er.

Ob es eine dritte Generation Bauersachs-Fotografen geben wird, ist noch völlig offen. Immerhin, die beiden Söhne Jonas (13) und Benno (10) nutzen schon rege die Kamerafunktion ihrer Handys, „allerdings eher, um kleine Videos zu drehen“, meint der Papa schmunzelnd.

Das Fotostudio Bauersachs ist unter Tel. (0 81 22) 89 25 35 erreichbar.

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