Erdrutsch an der Autobahn: Eine Schlammschicht bedeckte die Fahrbahnen der A 94. Sie war in beiden Richtungen gesperrt. Mehrere Feuerwehren und das THW Markt Schwaben waren im Einsatz.
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Eine Schlammschicht bedeckte die Fahrbahnen der A 94. Sie war in beiden Richtungen gesperrt. Mehrere Feuerwehren und das THW Markt Schwaben waren im Einsatz.

Katastrophenfall in Dorfen

Hochwasser-Alarm! Dauerregen setzt Landkreis in Bayern unter Wasser - Erdrutsch an der A 94

  • VonMayls Majurani
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Die Wetterlage in Bayern hat in Oberbayern zum Teil für schwere Überschwemmungen gesorgt. Besonders getroffen hat es am Montag den Landkreis Erding.

Landkreis - In Dorfen droht ein Rückhaltebecken überzulaufen. Teile des Hotels Victory und der Therme Erding stehen unter Wasser. Die A 94 ist wegen eines Erdrutsches stundenlang gesperrt. In vielen Gemeinden sind Straßen und Felder überschwemmt, Keller vollgelaufen. Tief „Nick“, das mit Dauerregen über den Süden Bayerns zieht, hinterlässt auch im Landkreis Erding seine Spuren.

Hochwasser im Landkreis Erding: Therme Erding von Wassermassen schwer getroffen

„Der gesamte Keller ist voller Wasser“, berichtete Hotel-Victory-Chef Jens Bernitzky am Montagvormittag unserer Zeitung. Rund ein Meter stehe das Wasser hoch, werde aber langsam weniger. Die Feuerwehren seien mit dem Abpumpen beschäftigt. Im Einsatz waren die Kreisbrandinspektion, die Feuerwehren Altenerding und Erding sowie der Rettungsdienst. Zum Hochwasser kam es, weil der Itzlinger Graben übergelaufen war. Unmittelbar an der Therme fließt der Bach in ein Rohr und verläuft unterirdisch weiter. Wegen der Wassermenge staute es sich an dieser Stelle allerdings.

Einen Meter hoch stand das Wasser im Keller des Thermen-Hotels Victory direkt am Itzlinger Graben.

„Verletzt wurde zum Glück niemand“, sagte Hotelmanager Bernitzky. Aber die Stromversorgung im Hotel fiel aus. „Vielleicht können wir das im Laufe des Tages wieder ändern, aber erst mal geht es darum, den Schaden aufzunehmen.“ Noch am Montag hat die Therme eine Krisensitzung einberufen. Schon vorher kündigte Bernitzky an, dass das Hotel wohl einige Tage werde schließen müssen. Eine Schadensaufnahme sei erst möglich, wenn das Wasser im Keller abgepumpt ist.

Auch das Wellenbad ist vom Hochwasser betroffen. Thermen-Prokurist Marcus Maier erklärte, dass eine Verbindungstür zwischen Hotel- und Wellenbad-Keller durch die Wassermenge eingebrochen sei und auch der Keller des Wellenbads unter Wasser stehe. Um Schlimmeres zu vermeiden, sei die Stromversorgung abgeschaltet worden. Der Liegebereich am Wellenbad sei zwar weiterhin offen, doch die Wasseraufbereitung sei nicht möglich. „So etwas habe ich in den 15 Jahren, die ich hier bin, nicht erlebt“, meinte Maier. Genaueres könne er erst sagen, wenn der Keller wieder trocken ist, „aber ich befürchte Schlimmes“.

Erdings OB Max Gotz über den Hochwasserschutz: „Wir müssen rasch handeln“

Die Therme Erding hatte am Montag trotz des Hochwassers geöffnet. Das Galaxy-Rutschenbad und der Saunabereich seien nicht betroffen gewesen. „Wir haben unsere Preise reduziert, und die Gäste sind sehr verständnisvoll.“

Erdings OB Max Gotz, der sich am Montag selbst ein Bild vor Ort gemacht hat, sagte unserer Zeitung: „Dieses Ereignis zeigt, dass wir jetzt rasch handeln müssen, was den Hochwasserschutz betrifft.“ Die Politik müsse den Mut haben, zu entscheiden: „Wir können nicht ewig diskutieren, sondern müssen den Bürgern zügig Lösungen aufzeigen.“ Der Itzlinger Graben war schon beim großen Hochwasser 2013 übergelaufen – damals laut Gotz „wesentlich schlimmer“. Allerdings hatte es das Hotel Victory noch nicht gegeben. Es wurde 2014 eröffnet.

Zuständig für den Itzlinger Graben und für weitere Gewässer dritter Ordnung, etwa den Aufhausener und Neuhauser Graben, ist die Stadt Erding. Eine Haftungsfrage stelle sich laut OB Gotz aber nicht: „Das ist abgedeckt, weil wir in diesem Bereich bereits sehr vertieft planen.“ Im Stadtrat seien dazu bereits Prüfungsaufträge vergeben worden, die Ergebnisse werden im Herbst erwartet. Doch jetzt gehe es darum, die Situation wieder komplett in den Griff zu bekommen.

Hochwasser in Dorfen: Siedlung in Oberdorfen evakuiert

Gotz: „Ich muss den Einsatzkräften der Feuerwehren großen Respekt aussprechen und auch den Bauhof-Mitarbeitern“, die die Rohre des Grabens von Ästen und sonstigem Sperrgut befreiten.

Besonders schlimm war die Situation in und um Dorfen. Die Siedlung Am Seebach in Oberdorfen musste evakuiert werden. Dort stand das Wasser kniehoch. Laut Angaben des Landratsamts wurden 250 Anwohner vorübergehend in der örtlichen Turnhalle untergebracht. Das BRK stellte dort Feldbetten auf und versorgte Bürger und Einsatzkräfte.

Land unter am Seebach: In Oberdorfen wurden 250 Bürger evakuiert und in einer Turnhalle gebracht.

In Dorfen drohte das Rückhaltebecken bei der Isener Siedlung überzulaufen. Die Einsatzkräfte pumpten seit Mittag durchgehend, um dies zu verhindern. In Oberdorfen blieb am Montag ein Fahrzeug in den Wassermassen stehen. Das berichtete die Dorfener Polizei. Die beiden Insassen mussten von Polizei und Rettungsdienst befreit werden. Lebensgefahr bestand nicht, das Auto wurde abgeschleppt.

Wegen Erdrutsch: A94 stundenlang gesperrt

Gefordert waren die Einsatzkräfte auch auf der A 94 zwischen Lengdorf und Dorfen. Dort hatte der Dauerregen das Erdreich bereits am frühen Morgen vom Hang auf die Autobahn rutschen lassen. Die komplette Fahrbahn war mit Schlamm und Geröll bedeckt, wie die Verkehrspolizei Hohenbrunn meldete. Wenig später verlor ein Autofahrer auf der verschmutzten Autobahn die Kontrolle über seinen Wagen und krachte in die Leitplanke.

Die A 94 war bis in den Abend hinein in beiden Richtungen komplett gesperrt. Der Verkehr wurde über die Anschlussstellen Lengdorf und Dorfen ausgeleitet. Im Einsatz waren die Feuerwehren Lengdorf, Dorfen und St. Wolfgang, die Autobahnmeisterei Ampfing, das THW Markt Schwaben und ein privater Baggerdienst.

Im Gemeindebereich St. Wolfgang kam es durch die Goldach zu Überflutungen einzelner Straßen. Sie wurden von der Straßenmeisterei gesichert, berichtet die Dorfener Polizei. Auch die B 15 war betroffen. Im Bereich Zeilhofen mussten Durchgangsstraßen gesperrt werden. Es kam zu einer Vielzahl von Wassereinbrüchen in Keller.

Schweres Durchkommen: Die Goldach machte die B 15 bei St. Wolfgang fast unpassierbar.

Sempt erreicht Meldestufe 3

Zu Überflutungen kam es auch an zahlreichen anderen Orten im Landkreis. Am Schinderbach in Isen etwa, in Sulding und in der Gemeinde Fraunberg. Dort wurde jede Menge Schlamm von den Feldern auf Straßen und Wege gespült. Sie waren unbefahrbar. In Grafing war die Straße zwischen Helling und Grucking bereits am Montagvormittag überschwemmt und von der Gemeinde gesperrt worden. Am südlichen Ortseingang stand gegen Mittag bei den ersten Häusern das Wasser fast bis der Eingangstür. In Taufkirchen hat die Große Vils den Sportplatz der BSG, die Reithalle, den Volksfestplatz und auch den Parkplatz einer benachbarten Spedition geflutet.

Auch der Dorfweiher in Reithofen ist über die Ufer getreten, wie die Feuerwehr Reithofen-Harthofen mitteilte. Zudem stieg der Pegel in den Bachläufen stark an. Die Staatsstraße nach Buch war zeitweise komplett überflutet. Größere Gebäudeschäden gab es laut Feuerwehr allerdings nicht.

Bis auf Straßenhöhe stieg der Hirschbach in Reithofen an. Größere Gebäudeschäden gab es aber nicht.

Wegen des gestiegenen Pegels der Strogen wurde der Wartenberger Volksfestplatz geräumt und der Pfarrkindergarten durch die Feuerwehr gesichert – „eine reine Vorsichtsmaßnahme“, so Bürgermeister Christian Pröbst auf Nachfrage. Er kontaktierte die drei Unternehmen, die am Festplatz parken. Die weiteren Fahrzeughalter wurden von der Polizei ermittelt und informiert. Übergelaufen sei die Strogen nirgends. Pröbst: „Ich glaube, wie kommen mit einem blauen Auge davon.“

Der Pegel der Sempt in Berg bei Wörth erreichte am frühen Montagabend mit 159 Zentimetern die Meldestufe 3. Am Sonntag hatte er laut den Daten des Hochwassernachrichtendienstes Bayern noch bei 75 Zentimetern gelegen. Mayls Majurani

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