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Horst Seehofer und Angela Merkel, zwei Persönlichkeiten, die bis in die politische Basis der Union höchst umstritten sind.

Debatte in der Erdinger CSU

Merkel zwischen schwarzer Witwe und guter Kanzlerin

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Bundestagswahl, Koalitionsverhandlungen und das eigene Spitzenpersonal sorgen an der Parteibasis weiter für Gesprächsstoff. Die Meinungen gehen auch in der Erdinger CSU weit auseinander. Das war gestern am CSU-Stammtisch im Wirtshaus Kreuzeder zu beobachten.

Erding - Thomas Bauer, Stadt- und Kreisrat sowie CSU-Kreisgeschäftsführer, ging mit der eigenen Partei und ihren Anhängern hart ins Gericht. Einen gravierenden Fehler hatte er um die Bundestagswahl ausgemacht – „und für den hat uns der Wähler bestraft“. Vor allem kritisierte Bauer, dass die Union bis heute nicht aufgehört habe, gegen das eigene Spitzenpersonal zu schießen – zum einen gegen Angela Merkel, zum anderen gegen Horst Seehofer. „Wenn wir unsere eigenen Leute kritisieren und ihnen nicht vertrauen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn es auch der Wähler nicht tut.“

Bauer erinnerte daran, „dass wir auch in der CSU heftig streiten, aber intern“. Nach außen müsse man geschlossen auftreten.

Er stellte sich hinter die Kanzlerin, betonte aber zugleich, „dass das keine Mehrheitsmeinung in der CSU ist“. Er sei froh, „in einem Land zu leben, dem 2015 das Schicksal der in Ungarn festsitzenden Flüchtlinge nicht egal war“. Merkel habe hier richtig gehandelt. Grundsätzlich ist Bauer der Auffassung, „dass sie einen guten Job gemacht hat“.

Konträrer Auffassung war CSU-Stadtrat Burkhard Köppen, der Merkel als „schwarze Witwe“ bezeichnete. Sie sei für das Wahldebakel verantwortlich. „Wie viele haben die CSU nicht gewählt, weil sie Merkel weghaben wollten?“, fragte Köppen. Sollte es tatsächlich zu Neuwahlen mit Merkel als Spitzenkandidatin kommen, „dann werde ich sicher keinen Wahlkampf mehr machen“. Ihm reiche, wie oft er wegen der Unterstützung der Kanzlerin durch die CSU kritisiert worden sei.

Einig war man sich, dass Neuwahlen nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen der falsche Weg seien – nicht nur wegen der zu erwartenden Kosten von 90 Millionen Euro.

Bauer empfahl Berlin, sich ein Beispiel an den Kommunalparlamenten zu nehmen. „Egal ob in der Stadt oder im Landkreis, auch wir müssen uns immer wieder um Mehrheiten bemühen und können nicht jedes Mal gleich nach Neuwahlen rufen“, so der CSU-Kreisgeschäftsführer.

Selbst wenn Union und SPD nun doch wieder eine Regierung bildeten, „dann ist das doch keine Große Koalition mehr angesichts einer gemeinsamen Mehrheit von 53 Prozent“, so Bauer. Die Union sei als Volkspartei stark geschrumpft, die SPD sei nur mehr eine kleine Partei. Und man dürfe auch nicht vergessen, was die Große Koalition in den vergangenen vier Jahren alles erreicht habe. „Einen Teil davon kann durchaus auch die SPD für sich beanspruchen.“

Arnold Kronseder merkte an, dass es nun mehr Parteien im Parlament gebe, was sich auf die Ergebnisse der Etablierten auswirke.

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