Leo Frey an der Schleifmaschine
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Neuer Schliff: In seinem Schleifmobil macht Leo Frey an seinen Schleif- und Poliermaschinen stumpfe Messer und Scheren wieder fit für einen reibungslosen Gebrauch.

Ein willkommener Gast auf dem Erdinger Bauernmarkt

Leo Frey: Der Schrecken der stumpfen Scheren

Seit zwölf Jahren ist Leo Frey mit seinem Schleifmobil auf den Bauernmärkten im Landkreis. Der gelernte Metzger hatte schon als Lehrling die schärfsten Messer.

Erding – In jedem Supermarkt gibt es heute verschiedenste Messer und Scheren zu kaufen, besteht da überhaupt noch ein Bedarf für einen professionellen Messer- und Scherenschleifer? Auf jeden Fall, meint Leo Frey, der mit seinem Schleifmobil seit über einem Jahrzehnt im Landkreis unterwegs ist.

War im Mittelalter das Handwerk des Scheren- und Messerschleifers als Ableger des Waffenschmieds eher zuständig für das Schärfen der geschmiedeten Waffen, so hat es der heutige Schleifer mit eher friedlichen Werkstücken zu tun. Leo Frey aus Furth bei Landshut bietet seine Schleifdienste seit nunmehr zwölf Jahren auf den Märkten im Landkreis an und ist sowohl auf dem Erdinger, als auch auf dem Dorfener oder Moosener Bauernmarkt ein willkommener Gast.

Gelernt hat der 56-Jährige ursprünglich das Metzgerhandwerk, konnte aber seinen Beruf als Metzgermeister aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. „Ich hatte aber schon als Lehrling immer die schärfsten Messer“, erklärt der mobile Schleifer schmunzelnd. Wie seine historischen Vorgänger bevorzugt Frey das Schleifen mit Stein. Anstelle des Wetzsteins, den frühere Scherenschleifer auf dem Pferdekarren dabei hatten, ist der Frey’sche Werkstattbus topmodern ausgestattet mit den verschiedensten Schleif- und Poliermaschinen.

Auf dem Erdinger Bauernmarkt (Bild links) fühlt sich Frey wie daheim. Seit zwölf Jahren ziehen der gelernte Metzger und seine Gattin Karin bereits gemeinsam durch die Bauernmärkte im Landkreis. Neben Erding sind sie auch auch auf den Märkten in Dorfen und Moosen gern gesehen. 

Das Prinzip des Schleifens hat sich dabei nicht wesentlich verändert, denn immer noch wird die zu schärfende Schneide über eine noch härtere Fläche bewegt. Der alte Wetzstein wurde dabei mit dem Fuß oder einer Handkurbel angetrieben und lief durch einen Wasserkasten, um die Hitze abzuleiten. Heute seien die Ansprüche gestiegen, meint Leo Frey und zeigt stolz die diversen Maschinen in seinem Schleifmobil. Da stehen die Wellenschleifer für die verzahnten Messer, dazu die Nassschleifgeräte mit Naturstein oder Keramik, daneben die Poliermaschinen in Reih und Glied. „Jede Art von Welle braucht ein eigenes Profil“, erklärt der Profi, bei dem ein Messer bis zu zehn verschiedene Arbeitsstationen durchläuft. „Das ist heute viel spezieller als früher, wo der Messerschleifer nur einen Stein und ein Lederband zum Abziehen dabei hatte.“

Verändert hat sich zum Glück auch das Image des Scherenschleifers. Der Beruf wurde in früheren Zeiten meist vom fahrenden Volk ausgeübt und galt als unseriös. „Bei uns läuft alles ganz transparent ab, jeder Kunde bekommt meine Visitenkarte mit allen Kontaktdaten, denn ich will ja wiederkommen“, versichert Leo Frey, der anfangs auch mit den Vorbehalten der Kundschaft gegenüber seinem Beruf zu kämpfen hatte. Doch inzwischen hat sich der mobile Schleifer einen sehr guten Ruf und einen treuen Kundenstamm erarbeitet. Die Privatkunden machen dabei die Hälfte aus, die andere Hälfte sind Gewerbekunden wie Gaststätten, Schneidereien oder auch Sattlereien.

Wie oft ein neuer Schliff bei Schere oder Messer erforderlich ist, hänge von der Gebrauchshäufigkeit, vom Umgang und vom Geschmack des Kunden ab, erläutert Frey, der auch viele Hobbyköche mit scharfem Werkzeug versorgt. Gut angenommen wird auch das Zusatzangebot des Aufbereitens von Schneidbrettern und Hackstöcken für die Gastronomie.

Durch den coronabedingten Lockdown bei Gaststätten und Firmen hat auch der Profi-Schleifer erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. „Uns sind neben den Restaurants viele Großkantinen für Firmen und Schulen weggebrochen, dazu auch noch das Oktoberfest, das ist schon schmerzhaft“, sagt Frey, der auf seinen Fahrten meist von seiner Gattin Karin begleitet wird. Zusammen sind die beiden meist fünf Tage pro Woche in ganz Ober- und Niederbayern unterwegs, daneben sind auch noch das Ladengeschäft mit Profi-Schneidwerkzeugen und das Büro zu managen.

Das Ehepaar genießt den Kontakt zu den Kunden, von denen viele schon jahrelang die Schleifdienste in Anspruch nehmen. „Bei uns läuft alles über Mundpropaganda“, verrät Leo Frey, der sich über die Weiterempfehlungen freut. Die Entscheidung für das mobile Schleifgewerbe hat er noch nie bereut: „Das ist mein Leben“, sagt er und wirft die Schleifmaschine wieder an – die Kunden warten.

Nächste Termine

6.10./3.11./1.12. Erding ab 15 Uhr (Münchner Straße 1 d vor dem Stoffhaus), 9.10. Moosen/Vils Bauernmarkt. Die Termine von Leo Freys Schleifservice sind auf der Homepage zu finden unter www.schleifservice-frey.de.

Gerda und Peter Gebel

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