Maria Meißner mit ihren Schreibgeräten
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Schreibgeräte aller Art wie Federn, Pinsel und Hölzer, aber auch Zweige sowie Tinten und Tuschen in allen Farben kommen zum Einsatz, wenn Maria Meißner kreativ wird. Die 84-Jährige ist begeistert von der Kalligraphie und bringt Texte, Gedichte sowie Gedanken in diversen Schriftarten zu Papier.

Kalligraphin Maria Meißner aus Erding bringt am liebsten eigene Texte und Ideen zu Papier

Die große Kunst des Schönschreibens

Mit ihren Texten und Schriftmalereien sind viele Erdinger schon in Berührung gekommen, doch die Künstlerin selbst bleibt meist im Hintergrund: die Erdinger Kalligraphin Maria Meißner.

Erding – Mit ihren Texten und Schriftmalereien sind viele Erdinger schon in Berührung gekommen, doch die Künstlerin selbst bleibt meist im Hintergrund: Wir haben die Erdinger Kalligraphin Maria Meißner besucht und lassen uns von der Kunst des Schönschreibens faszinieren.

Eine schöne Handschrift habe sie schon als Kind gehabt, erzählt Maria Meißner, die in Norddeutschland aufgewachsen ist. „Zu meiner Zeit gab es noch ein Schönschreibheft, da habe ich schon gern mit der Schrift gespielt“, blickt die 84-Jährige zurück. Gerne wäre sie Lehrerin geworden, doch ein Studium befanden die Eltern als unnötig. So war sie als Haustochter in einer Pension in Mittenwald tätig und lernte dort den jungen Lehrer Horst Meißner aus Erding kennen.

Auf eine Anzeige, in der ein deutsches Lehrer-Ehepaar für eine deutsche Schule in Sucre/Bolivien gesucht wurde, meldeten sich die Meißners und wurden unter vielen Bewerbern ausgewählt. Auch für Maria Meißner bot sich dort die verlockende Möglichkeit, zu unterrichten: „Ich durfte den Kunstunterricht übernehmen und habe Zeichnen, Werken und auch Sport unterrichtet.“

Großes Abenteuer in Südamerika

Für das Ehepaar bot sich ein großes Abenteuer in Südamerika, wo die Verbindung nach Deutschland damals noch sehr spärlich war: „Nur in dringenden Fällen war man über Funk in der Botschaft erreichbar, deshalb haben wir immer sehnlich auf die Post aus Deutschland gewartet.“ Schnell erlernte das Ehepaar die spanische Sprache. In Abständen folgten weitere Einsätze in Bolivien und später in Ecuador in der Entwicklungshilfe, bei denen sie in einem Kinderhospiz tätig war.

Als sichere Basis diente das Haus in Klettham, zu dem das Ehepaar immer wieder gern zurückkehrte. Hier konnte Maria Meißner ihre künstlerische Ader auch in der Pfarrei St. Vinzenz einbringen – in der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch in der Werbung für Konzerte oder Events.

Zur Kunst des Schönschreibens, wie die Kalligraphie im Griechischen heißt, kam Maria Meißner erst vor 20 Jahren, als sie in einem Katalog ein Kästchen mit Federn entdeckte. „Das muss ich haben“, erkannte sie und bestellte die edlen Schreibwerkzeuge. Es folgten ein Kalligraphie-Wochenende im Freisinger Kardinal-Döpfner-Haus sowie mehrere Seminare in Norddeutschland und Passau. „Ich war von Beginn an voll dabei und hatte auch gleich beim ersten Mal Erfolg, damit hatte war ich infiziert“, erinnert sich die Schreibkünstlerin lebhaft. Und es machte ihr großen Spaß, sich mit den alten Schriften zu beschäftigen, „fast wie früher die Mönche“.

Größtes Werk im Altenerdinger Parkfriedhof

Doch zur Perfektionierung gehört fleißiges Üben, denn die Schriften gehen erst durch die stetige Wiederholung in die Hand über. Auch das richtige Halten der Feder, der richtige Winkel in der Haltung, alles musste erlernt werden. So bewegt sich die Kalligraphin quasi durch die Geschichte der Schrift, von den römischen Schriften über die Karolingische Minuskel zur Antiqua bis in die Zeit Gutenbergs.

Ihr größtes Werk ist im Altenerdinger Parkfriedhof an der Itzlinger Straße zu bewundern: Hier ziert ein Entwurf von Maria Meißner eine Urnenwand.

Maria Meißners größtes Werk ist auf dem Parkfriedhof Altenerding an der Itzlinger Straße zu bewundern. Hier ziert ein passender Spruch zum Thema „Abschied – Trauer – Gedenken“ die erste der vier Stelen mit ungefähr 500 Urnengräbern.

„Zuerst wollte ich bei einem so großen Projekt nicht mitmachen“, gibt die Kalligraphin zu, doch nach der Fertigstellung sei sie selbst sehr zufrieden gewesen, ihr Werk auf der riesigen Stele zu sehen. Sie bereitete mehrere Entwürfe vor, die in Zusammenarbeit mit Stadtbaumeister Sebastian Henrich zu dem Endergebnis führten.

Ein dickes Buch voller Sprüche

Zu Beginn von Meißners Schriftwerken steht meist ein Text, der die Künstlerin anspricht. Dieser wird in einem dicken Buch notiert, in dem sie allerlei Sprüche und Texte sammelt. Dann zieht sich die Künstlerin zurück „in die Stille“, wo sie weder durch Telefon noch durch Gatte Horst, mit dem sie seit 61 Jahren verheiratet ist, abgelenkt wird. „Ich sitze dann vor dem weißen Blatt und wundere mich selbst, was am Ende herauskommt“, sagt Maria Meißner schmunzelnd.

Ist manchmal schon der erste Versuch gut, so braucht es hin und wieder auch mehrere Anläufe, denn ihr Anspruch ist hoch: Das Schriftstück sollte perfekt sein und ohne Fehler. „Das ist schon bitter, wenn man am Ende einen Fehler entdeckt, denn es gibt kaum Korrekturmöglichkeiten. Da heißt es dann: Noch mal schreiben.“

In ihrem Kreativraum hat sie Schreibgeräte aller Art wie Federn, Pinsel und Hölzer, aber auch Zweige griffbereit, dazu Tinten und Tuschen in allen Farben. „Man kann auch mit Rotwein oder schwarzem Tee schreiben“, fügt sie hinzu. Auch ein großes Reservoir an Papieren in allen Variationen hat Meißner vorrätig, vom handgeschöpften Büttenpapier bis zum Packpapier, denn die Wahl des Papiers habe einen großen Einfluss auf die Gesamtgestaltung. Meist nutze sie auch für den ersten Versuch schon das gute Papier, denn es sei angenehmer zum Arbeiten.

Schrift als Kulturgut

Am liebsten beschäftigt sich die Künstlerin mit eigenen Texten und Ideen, Auftragsarbeiten sind weniger beliebt. So entstehen in ihrem Atelier die schönsten Karten, gerahmte Texte als Geschenk oder Anregungen zum Nachdenken, die schon bei diversen Ausstellungen zu bewundern waren. Momentan hängen einige Arbeiten in der Praxis von Dr. Schwanner am Campus.

Große Abwechslung bietet das kreative Hobby auch für Meißners Postboten, der begeistert ist von den reich verzierten Briefumschlägen, die von Kalligraphie-Freunden an sie gesendet werden. Die Künstlerin, die auch Töpfern und Bildhauerei zu ihren Hobbys zählt, ist mit Herzblut dabei: „Es ist eine Leidenschaft und sehr erfüllend, wenn man etwas nur für sich kreiert.“ Schade nur, dass in der heutigen Computerzeit die eigene Handschrift eher ein Schattendasein führt, bedauert sie und ergänzt: „Unsere Schrift ist ein achtbares Kulturgut und wird heute, Gott sei Dank, noch viel geschätzt.“

Gerda und Peter Gebel

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