Stabil mit leichtem Aufwärtstrend: So hat sich die Arbeitslosigkeit in der Region seit Corona entwickelt.
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Stabil mit leichtem Aufwärtstrend: So hat sich die Arbeitslosigkeit in der Region seit Corona entwickelt.

Bilanz nach dem ersten Corona-Jahr

Arbeitslosigkeit in der Region: „Die Krise stellt alles in den Schatten“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Corona-Krise hat im Bereich der Agentur für Arbeit Freising, zu dem auch der Landkreis Erding gehört, hunderte Arbeitsplätze gekostet. Ein Blick zurück auf das erste Pandemie-Jahr.

Erding – Seit einem Jahr befindet sich der Landkreis in einem mal mehr, mal weniger strengen Lockdown. Weite Teile der Wirtschaft befinden sich im Corona-Koma. Staatshilfen und Kurzarbeitergeld haben die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg bislang abgefedert. Dennoch hat sie im Bereich der Agentur für Arbeit Freising, zu dem auch der Landkreis Erding gehört, hunderte Arbeitsplätze gekostet.

Es ist der sprunghafte Anstieg der Arbeitslosigkeit, der den Beginn der Pandemie verbildlicht: Von März auf April 2020 stieg die Zahl der Arbeitslosen in den Landkreisen Erding, Freising, Dachau und Ebersberg von 7379 auf 9335 Personen an. Die Quote erhöhte sich von 2,0 Prozent im März auf 2,6 im April 2020 – und stieg bis August auf einen Wert von 3,0 Prozent an, so die Bilanz von Agentur-Direktor Nikolaus Windisch. „Wir hatten quasi über Nacht eine Situation in puncto Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, deren Dimension alles in den Schatten stellte, was wir bisher aus Krisen kannten. Und ein Ende ist bisher nicht wirklich absehbar.“

Nikolaus Windisch ist Chef der Agentur für Arbeit.

Als im Sommer Lockerungen kamen, erholte sich die Lage, ehe sie im Herbst mit dem zweiten Lockdown ab November wieder massiv eintrübte. Die Quote lag gut ein Prozent über der des Vorjahres. Allein im Februar 2021 waren 11 500 Menschen auf der Suche nach Arbeit, 3500 mehr als ein Jahr zuvor.

Eine darbende Wirtschaft braucht viel weniger Kräfte, im ersten Pandemie-Jahr brach die Personalnachfrage massiv ein. „Befanden sich im Februar 2020 noch 4800 Arbeitsangebote im Stellenpool der Agentur für Arbeit, so waren es im Februar 2021 über 1000 weniger, ein Rückgang von 22,5 Prozent“, bilanziert Windisch. Er befürchtet: Dieses Phänomen könnte sich über das Ende des Lockdowns hinausziehen. „Viele Betriebe werden erst einmal die Kurzarbeit beenden, ehe sie an Neueinstellungen denken.“ Immerhin: Die Nachfrage hat zuletzt wieder leicht zugenommen. Im Februar waren es knapp 900 offene Stellen, 220 mehr als zu Jahresbeginn.

Der Chef der Freisinger Agentur ist überzeugt: „Der massive Einsatz von Kurzarbeit – unter anderem in den Bereichen Verkehr, Lagerei, Handel und Gastgewerbe – hat in den vergangenen Monaten den Arbeitsmarkt stabilisiert. Entlassungen konnten dadurch vielfach vermieden werden.“ Von März 2020 bis Februar 2021 sind von rund 7900 Betrieben vorsorglich Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für knapp 108 000 Mitarbeiter eingegangen. Den bisherigen Höchststand hatte die Kurzarbeit im April erreicht: 47 300 Mitarbeiter in 4063 Betrieben.

Erfreulich: Trotz historischer Krise halten die Firmen laut Windisch an ihrer hohen Ausbildungsbereitschaft fest. Das Angebot sei sogar leicht gewachsen. Mehr als 2300 offene Lehrstellen wurden der Agentur gemeldet. „Eine gute Zahl“, meint Windisch.

Eine Prognose wagt er nicht. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge könnten im laufenden Jahr in Erding, Dachau, Ebersberg und Freising 11 000 Menschen ohne Job sein. Windischs Rat: „Nicht aufgeben, neue Perspektiven entwickeln und die Zeit für Qualifizierungen nutzen.“

ham

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