Vorstandsmitglied mit 16: Konrad Thees ist seit Juli neuer Ortssprecher der Grünen in Erding.
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Vorstandsmitglied mit 16: Konrad Thees ist seit Juli neuer Ortssprecher der Grünen in Erding.

Grünen-Ortssprecher mit 16 Jahren: Konrad Thees will Jugendverband in Erding gründen

„Die Politik ist jugendverdrossen“

  • VonMayls Majurani
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Von wegen die Jugend ist politikverdrossen: Konrad Thees ist 16 Jahre alt und seit Juli Sprecher des Grünen-Ortsverbands in Erding.

Erding – Greta Thunberg, Luisa Neubauer und alle anderen Menschen in der Fridays-for-Future-Bewegung beweisen es schon seit Jahren: Die Jugend von heute ist nicht politikverdrossen. Im Gegenteil: Sie ist viel aufgeklärter und engagierter, als vorherige Generationen. „Ich glaube, die Politik der Union und der SPD ist jugendverdrossen“, dreht Konrad Thees den Spieß um. Der 16-Jährige ist seit Juli Sprecher des Erdinger Ortsverbands der Grünen. Im Gespräch mit der Heimatzeitung erklärt er seine Beweggründe, berichtet über seine Arbeit und erzählt von seinen Zielen.

Geboren wurde Thees 2005 in München. Aufgewachsen ist er dann in Williamsville. Ein Interesse an Politik entwickelte er vor zwei Jahren. „Da sind sehr viele Sachen zusammengekommen. Ich glaube aber, der Startpunkt ist das Youtube-Video von Rezo, ,Die Zerstörung der CDU‘.“ Eben jenes Video bestätigt Thees in seiner These der jugendverdrossenen Politik: Die CDU antwortete damals tatsächlich mit einem elfseitigen, fast schon realsatirischen PDF-Dokument auf die Behauptungen.

Für Thees ging dann alles ziemlich schnell. Er machte sich schlau, was es bedeutet, wenn die Erde sich um drei, vier, oder auch nur 1,5 Grad erhitzt im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. „Wenn wir die 1,5 Grad überschreiten, kommen wir höchstwahrscheinlich in eine Irreversibilität rein“, sagt Thees. Das heißt: „Die Erde wird immer wärmer, und wir können es nicht mehr stoppen. Menschen und Tiere werden sterben, die Erde wird erst teilweise, irgendwann komplett unbewohnbar werden.“ Die Union würde nichts dagegen unternehmen, oder „so wenig, dass man es als nichts bezeichnen kann. Das macht mich wütend.“ Denn aktuell würden ältere Menschen Entscheidungen treffen, deren Folgen sie wahrscheinlich nicht erleben werden. Seine Generation umso mehr.

Beim Prozess der Politisierung war auch der Job und der Werdegang seines Vaters Christoph Thees hilfreich: „Er hat Politikwissenschaften studiert und arbeitet als Redakteur“, erzählt der 16-Jährige. Da gehörten lange Diskussionen zuhause zum Alltag. „Ich lerne viel von ihm“, sagt Thees. Es sei sehr hilfreich, wenn es jemanden gibt, der einem beispielsweise komplizierte politische Zusammenhänge erklären kann. Deshalb lässt Thees auch die Behauptung von Christian Lindner nicht gelten. Der FDP-Chef meinte im Bezug zur FFF-Bewegung, diese könne globale Zusammenhänge nicht verstehen. Vielmehr würden die Politiker den Klimawandel nicht verstehen, oder nicht ernst genug nehmen.

Im April diesen Jahres entschied sich Thees schließlich, dem Grünen-Ortsverband beizutreten. Sein erstes politisches Ziel: Die Gründung einer Grünen Jugend in Erding. „Dafür hatten wir aber nicht genug junge Leute“, erinnert er sich. Das habe sich mittlerweile geändert: „Bald wird es den Jugendverband geben.“ Im Juli wurde Thees dann zum Sprecher des Ortsverbands gewählt. Nun ist er der Ansprechpartner der Presse, macht mit seiner Partei Haustürwahlkampf (wir berichteten), hängt Wahlplakate auf, betreibt einen Instagram-Account und informiert die Menschen an Infoständen.

Manchmal gibt es dafür auch Spott oder Hass. Ein 16-Jähriger ist Ortssprecher einer Partei – damit können sich viele Menschen nicht anfreunden. Thees sieht es gelassen: „Einer hat mal geschrieben, ich sei noch grün hinter den Ohren. Da musste ich schon lachen.“

Am 26. September ist Bundestagswahl. Bis dahin ist Thees sehr eingespannt. In den Ferien ist das kein Problem. Bald beginnt aber das Schuljahr am Anne-Frank-Gymnasium für den Realschulabsolventen. Die Herzog-Tassilo-Realschule schloss er im vergangenen Jahr mit 1,0 ab. Stand jetzt will er nach dem Abitur Jura studieren. Ein Mandat im Land- oder Bundestag wäre ein Traum, sagt er. Aber: „Es wäre auch naiv, davon auszugehen, dass es auf jeden Fall klappt.“ Nun will er erst mal viele Stimmen für die Grünen und Direktkandidat Christoph Lochmüller sammeln. Dann guckt er weiter.

Mayls Majurani und Andreas Schuder

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