Zecken warten auf Gräsern und Sträuchern, bis sie auf ein Opfer krabbeln können. Dann beißen sie zu und können gefährliche Krankheiten übertragen. Daher sind vor allem Menschen gefährdet, die über Wiesen oder durchs Unterholz gehen. Lange Kleidung kann etwas Schutz bieten.
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Zecken warten auf Gräsern und Sträuchern, bis sie auf ein Opfer krabbeln können. Dann beißen sie zu und können gefährliche Krankheiten übertragen. Daher sind vor allem Menschen gefährdet, die über Wiesen oder durchs Unterholz gehen. Lange Kleidung kann etwas Schutz bieten.

Infektionsgefahr mit FSME und Borreliose

Zeckenalarm! Mehrere Risikogebiete in Bayern - Ärzte raten dringend zur Impfung

Immer mehr Infektionen mit FSME und Borreliose sind in Bayern zu verzeichnen. Diese Krankheiten werden von Zecken übertragen. Ärzte raten dringend zur Impfung.

Erding– Die Temperaturen steigen, die Gräser werden länger und die Zecken aktiver. Nicht nur Hund und Katze sind betroffen. Auch Menschen finden immer wieder nach einem Waldspaziergang eine Zecke am Bein oder Arm. Oft werden die Kleintiere jedoch nicht allzu schnell entdeckt, da sie sich an versteckten Stellen wie Lendenbereich und Kniekehle festbeißen. Das Gefährliche daran: Durch ihren Stich können Zecken Krankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, sowie Borreliose übertragen. Deshalb muss der Blutsauger unbedingt entfernt und der Stich beobachtet werden.

Zu den bekannten Lebensräumen der Tiere zählen Wälder, Wiesen, Sträucher und Büsche. Besonders sind Menschen gefährdet, die sich im Sommer im hohen Gras und Unterholz aufhalten. Beide Infektionen sind im Gesundheitsamt meldepflichtig. Ihre Hauptübertragungszeit liegt zwischen April und November. Im schlimmsten Fall kommt es zu Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündungen.

Erding/Bayern: Erhöhte Zeckengefahr - Ärzte raten zur Impfung

Der Landkreis Erding zählt bereits seit mehreren Jahren als FSME-Risikogebiet, teilt Dr. Markus Marschall, Kreisvorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes, mit. „Die Fallzahlen des Landkreises sind vergleichbar mit denen der anderen als Risikogebiete eingestuften Landkreisen in Oberbayern“, so die Sprecherin des Gesundheitsamts Erding, Claudia Fiebrandt-Kirmeyer. Insgesamt gab es im Landkreis Erding 2020 drei FSME-Infektionen sowie 66 Fälle von Borreliose. 2021 gingen bisher keine Meldungen über eine FSME-Übertragung im Gesundheitsamt ein. Borreliose-Infektionen wurden bisher aber 16 gemeldet.

2020 war in Bayern, seit Beginn der Meldepflicht 2001, bislang das fallstärkste Jahr für FSME. Auch die Anzahl der Meldungen an Borreliose war auffallend hoch. „Dies haben wir auch im Landkreis Erding beobachtet“, berichtet Fiebrandt-Kirmeyer. Eine deutliche Zunahme ist erkennbar, bestätigt der Sprecher des ärztlichen Kreisverbandes.

FSME und Borreliose: Zecken übertragen Krankheiten - das kann gefährlich werden

„Warnhinweis für eine Borreliose-Erkrankung ist ein roter Kreis um die Einstichstelle“, so Lisa Ochsner, Apothekerin in der Schubert Apotheke in Taufkirchen. Dr. Marschall rät dringend, dass man bei Verdacht auf eine der beiden Krankheiten oder nach 14 Tagen immer noch bestehenden Zeichen des Stichs den Hausarzt aufsucht, damit die weiteren erforderlichen Schritte eingeleitet werden können. „Einen sicheren Schutz vor Zeckenbissen gibt es nicht“, bedauert die Behördensprecherin.

Sprechstunde in der Zeckenhochsaison: Tierarzt Dr. Tom Hügel aus Oberdorfen entfernt in seiner Praxis mit einer Zeckenpinzette Zecken bei Dackel Berta.

Um einem solchen vorzubeugen, können allgemeine Maßnahmen getroffen werden. Beispielsweise das Tragen von geschlossener und langer Kleidung. Außerdem lassen sich die Zecken auf heller Kleidung besser erkennen. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte die Kleidung dann sorgfältig nach Zecken abgesucht werden, bestätigt auch Ochsner. „Das Auftragen eines zeckenabweisenden Mittels bietet sich zusätzlich an.“ Diese Präparate, sogenannte Repellentien, sind in der Apotheke oder beim Tierarzt zu finden.

Was tun bei einem Zeckenbiss? Hausmittel und andere Alternativen helfen

Hausmittel wie ätherische Öle, Knoblauch, Pfefferminz und Kokosöl können zudem abstoßend wirken. Für Tiere ebenfalls ein Zeckenhalsband. Als zusätzlichen Schutz für die Menschen gibt es die FSME-Impfung, die wie die üblichen Impfungen verabreicht wird, drei Impfungen im ersten Jahr, Auffrischungen alle drei bis fünf Jahre.

Marschall empfiehlt, dass sich jeder impfen lässt, der nicht den ganzen Tag zuhause auf der Couch ist. Die FSME-Impfquoten bei Erwachsenen lagen 2018 laut Kassenärztlicher Vereinigung in Bayern bei 19,9 Prozent. Bei der Impfbuchaktion in den sechsten Klassen 2019 im Landkreis Erding, an der sich mehr als 1000 Schüler beteiligt haben, waren knapp 45 Prozent vollständig gegen FSME geimpft, knapp fünf Prozent hatten noch keine Grundimmunisierung. Insgesamt ist in den Jahren 2013 bis 2018 aber ein leichter Impfrückgang von zwei Prozent festzustellen.

Zeckenalarm in Bayern: Pinzette oder Zeckenzange zur sicheren Entfernung

Anders als bei Menschen kann bei Tieren ausschließlich der Erreger der Borreliose übertragen werden. „FSME haben Tiere nicht“, erklärt Tierarzt Dr. Tom Hügel aus Oberdorfen. Durch rechtzeitiges Entfernen des Parasiten aus dem Fell kann ein Biss möglicherweise verhindert werden, womit das Risiko einer Infektion des Borreliose-Erregers vermindert wird. „Für Hunde und Katzen gibt es eine Borreliose-Schutzimpfung“, berichtet Hügel. Dabei werden die Tiere zuerst grundimmunisiert, worauf halbjährlich eine weitere Impfung folgt. „Diese Impfung ist recht gut.“

Zum Entfernen der Zecke kann – bei Mensch und Tier –ein spezielles Zeckenentfernungsinstrument beziehungsweise eine Pinzette verwendet werden. Unbedingt darauf achten, dass die Zecke komplett entfernt wurde.

Speziell für Tiere rät der Veterinär: „Falls die Zecke noch zu klein ist, kann man ein bis zwei Tage warten, damit sie größer wird.“ Zudem kann immer ein Tierarzt aufgesucht werden. Im besten Fall fällt die Zecke von ihrem Opfer selbst ab, nachdem sie sich mit Blut vollgesaugt hat.

ANNA HOBMAIER

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