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Ein Prosit dem Jubelpaar (v. l.): OB Max Gotz, die Diamanthochzeiter Horst und Maria Meißner, Margarete Beller, Gertrud Knapek, Dr. Norbert Hartmann, Irmi Bickhardt und Barbara Pöschl-Edrich an der Harfe. 

Lehrer-Ehepaar in der großen, weiten Welt

Diemantene Hochzeit: Ehepaar Meißner hat in Lateinamerika unterrichtet

Horst und Maria Meißner haben viele Jahre in Bolivien und Ecuador gelebt und unterrichtet. Das Ehepaar feiert nun ihren 60. Hochzeitstag.

Erding– 60 Jahre durch dick und dünn sind Maria und Horst Meißner gemeinsam gegangen. „60 Jahre Frieden und Krieg“, sagt Horst Meißner schelmisch und schaut dabei seine Frau liebevoll an.

Der gebürtige Erdinger (84) machte in Freising seine Lehrerausbildung und wurde 1957 als Junglehrer nach Mittenwald beordert. Hier lernte er beim Tanzen die bildhübsche Maria kennen – und auf Anhieb war es um ihn geschehen. Maria Meißner (82) stammt aus einer großen Metzgerei aus Damme in Oldenburg und praktizierte als Haustochter in einer kleinen Pension in Mittenwald. Auch sie fand den jungen Mann mit den tiefschwarzen Haaren sehr attraktiv, gesteht sie. Als Geschäftstochter war es für ihre Familie wichtig, dass sie einen Mann „mit dem gleichen Gebetbuch“ aussucht, was glücklicherweise bei Horst Meißner der Fall war.

“Wir haben im Atlas geschaut, wo Bolivien ist“

Die beiden verlobten sich bereits 1957, doch Maria musste zurück nach Hause. Unzählige Liebesbriefe, die sie heute noch gerne lesen, transportierte der Postbote in den folgenden Jahren von Nord nach Süd und umgekehrt. Die Hochzeit fand 1959 in Damme statt, doch das Ehepaar wohnte von nun an in einer schönen Wohnung in Mittenwald, mit herrlichem Blick auf Zugspitze und Wetterstein.

1961 las die Jubilarin eine Annonce, dass ein junges Lehrer-Ehepaar für die Deutsche Schule in Sucre (Bolivien) gesucht wird. „Zuerst haben wir im Atlas geschaut, wo Bolivien ist“, erzählt Maria Meißner lachend. „Denn damals wurde die große Welt noch nicht ins Fernsehen übertragen.“

Die Rückkehr nach München fiel ihnen schwer

Mit einem holländischen Frachter, weil das die billigste Anreise war, fuhren sie 30 Tage übers Meer nach Chile. Das Erlernen der spanischen Sprache fiel den beiden nicht schwer, und so verbrachten sie fünf wunderschöne Jahre in dem unbekannten Land. Während Horst Meißner als Lehrer für Sport, Physik und Deutsch tätig war, übernahm seine Frau die Fächer Werken und Sport.

Die Rückkehr nach München fiel dem Ehepaar schwer, hier war alles viel kleiner und enger. „Aber wir gewöhnten uns daran“, so die Jubilarin. 1970 schließlich bauten sie in der Vinzenz-Siedlung in Erding ein Atriumhaus, das sie heute noch bewohnen, und „auch die Nachbarn sind noch dieselben wie beim Bau. Streit kennen wir hier nicht“, freut sich Horst Meißner. Als Rektor baute er die Schule in Oberding mit auf, die auch als Praxisschule des Goethe-Instituts diente. Maria Meißner engagierte sich in der Pfarrei St. Vinzenz, baute die Kinder- und Jugendarbeit mit auf.

Rückkehr nach Lateinamerika

Das Angebot des Deutschen Entwicklungsdienstes, erneut nach zu Bolivien gehen, nahmen sie 1983 sehr gerne an. Nach vier Jahren dort war ihr Einsatz in Ecuador gefragt, wo sie bis 1992 lebten. Viele Freundschaften sind in diesen Jahren entstanden, mit anderen Entwicklungshelfern und auch mit den Hausmädchen.

Wieder zurück in Deutschland, ging Horst Meißner in Pension. Aber so gar nichts mehr tun, das konnte er nicht. Also machte er eine Ausbildung als Familientherapeut und engagierte sich zehn Jahre lang als psychotherapeutischer Heilpraktiker, bis er endgültig das Arbeitsleben beendete.

Maria Meißners Leidenschaft gehört der schönen Schrift, sie hat sich schon immer für Handschriften interessiert. Ihre ausdrucksstarken Kalligrafien sind immer wieder in Ausstellungen zu sehen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme des Jubilars kann das Paar keine weiten Reisen mehr unternehmen. Doch wenn sie mit ihren E-Bikes unterwegs sind, „entdecken wir immer wieder unbekannte Ecken im schönen Landkreis Erding“, sind sie sich einig. „Wir sind dankbar für den Reichtum unserer gemeinsamen Jahre“, betont das Jubelpaar. 

Elvi Reichert

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