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Die Beratung bleibt beim Online-Shoppingauf der Strecke, mahnt Wolfgang Kraus.

Serie: Digitalisierung - So verändert sie unseren Landkreis

„Eine tote Innenstadt kann keiner wollen“

Die Digitalisierung stellt unsere Welt auf den Kopf. Neue Jobs, neue Geschäftsmodelle, neue Hobbys, Hoffnungen und Ängste – der Wandel ist überall spürbar. Wie verändert die Digitalisierung unseren Landkreis? Dieser Frage geht die Heimatzeitung in einer Serie auf den Grund.

Erding Leer stehende Läden gehören in vielen Kommunen zum Ortsbild. Unternehmer klagen über Billig-Mentalität und ruinöse Konkurrenz im Internet. Wolfgang Kraus (37) setzt dem Optimismus entgegen. Niemand müsse sein Geschäft wegen des Online-Handels aufgeben: Davon ist der Erdinger Modehaus-Chef und Vorsitzende der Händler-Interessengemeinschaft Ardeo aus Erding überzeugt. Trotzdem habe es der Einzelhandel mit dem Konkurrenten Internet schwer, gibt Kraus zu.

-Herr Kraus, viele Menschen bestellen Kleidung online. Wie groß ist die Online-Konkurrenz für Sie?

Wolfgang Kraus:Naja, in den 80er Jahren, als ich ein Kind war, war es noch so, dass die Leute am Donnerstag nach dem Markt in Erding die meisten Textilien bei uns gekauft haben. Das ging über Kinderbekleidung bis zu Vorhängen. Heute ist die Konkurrenz größer, Shopping ist zur Freizeitbeschäftigung geworden. Da gibt es die Möbelhäuser in der Nähe, die Riem Arcaden in München und natürlich den Mitbewerber Internet – das merkt man.

-Warum kommen trotzdem noch Kunden?

Kraus:Im Internet bekommt man eben keine persönliche Beratung, da sagt dir keiner: „Du, dieses Outfit macht dich zehn Jahre älter“ oder „Probier doch mal das“. Und man spart sich das Zurückschicken, wenn irgendwas nicht passt oder der Reißverschluss klemmt, da finden wir eine Lösung.

-Haben Sie Kollegen in Erding, die wegen der Konkurrenz im Netz aufgeben mussten?

Kraus:Das ist schwer zu sagen. Ich glaube die Konkurrenz im Internet ist nicht entscheidend, sondern oft nur der finale Stoß, um aufzuhören. Entscheidend sind immer mehr Faktoren: Sind mein Sortiment und das Schaufenster noch ansprechend? Gibt es genügend Parkplätze für meine Kunden? Wer da einen guten Job macht, den wird es immer geben. Aber es gibt auch Branchen, die es vielleicht ein bisschen schwerer haben.

-Und die sind?

Kraus:Wenn es um Produkte geht, die gut vergleichbar sind, haben es Einzelhändler schwerer. Wenn der Kunde zum Beispiel ganz genau weiß, welche neue Fotokamera er will oder welche neuen Ski. Buchhändler haben es wohl am allerschwersten, denn da haben die Verbraucher einfach eine Artikelnummer, die sie im Netz eintippen können. Aber ich merke auch, dass viele Menschen einfach müde vom Online-Shopping sind.

-Warum?

Kraus: Die einen beschweren sich darüber, dass das Paket falsch abgegeben wird, den anderen fehlen einfach die Beratung und die Emotion beim Einkaufen im Netz. Wenn man in der Stadt shoppt, geht es auch ums Spazierengehen, einen Kaffee in der Sonne trinken und ums Sehen und Gesehen werden. Das fehlt im Internet. Außerdem finde ich: Eine tote Innenstadt kann keiner wollen.

Interview: Anna Schwarz

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