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Django Asül in der Stadthalle 

Von Kängurus, Pfeffermühlen und Wohnzimmer-Tischen

Erding, so schmeichelt er seinem Publikum gleich zu Beginn in der ausverkauften Stadthalle, sei „für Niederbayern ein Sehnsuchtsort“. Django Asül, der bayerische Türke, vor 44 Jahren in Deggendorf geboren und jetzt in Hengersberg wohnhaft, schätzt an der Herzogstadt „die alten Gebäude – ich habe eine Führung mitgemacht. Und natürlich das gute Bier“. Und so zog Django Asül, wohl gestärkt, am Samstagabend in seinem Programm „Letzte Patrone“ durch die Befindlichkeiten in seinem Leben.

Erding – Er hat vieles versucht, um mehr Inhalte zu finden, war bei der Feuerwehr. Dort erkannte er aber bald, dass „dieser caritative Einsatz als Fluchtpunkt aus der Ehe nur bedingt taugt“. So gründete er daheim eine Bürgerwehr, bewaffnete sich, im Gegensatz zu seinen Mitstreitern, aber nicht mit Pfefferspray, sondern mit einer Pfeffermühle. Doch ihm war schnell klar, dass es, „um die diffusen Ängste der Deutschen zu bekämpfen, wohl eher eine breit streuende Schrotflinte braucht“.

Natürlich hat der Kabarettist auch eine Erklärung dafür, weshalb viele Angst vor so vielen Fremden haben. „Immer, wenn ich zu meinem Cappuccino-Stammtisch gehe, bekomme ich das erklärt. So sagt mein Spezi Hans, dass er zwar nichts gegen ein Känguru im Vorgarten hätte – gegen viele aber schon!“ Er, Django, glaube auch nicht, dass alle, die zu uns wollten, Syrer seien. Wenn heute einer zu ihm sage, er sei einer, frage er ihn sofort: „Warum?“

Überhaupt hat er Zweifel, ob alles in der Welt richtig laufe. Und so habe er sich als bekennender Schnellfahrer „einen V 8-Biturbo gekauft. Damit belaste ich die Umwelt deutlich kürzer. Aber einen SUV brauche ich nicht, ich habe ja eine Pfeffermühle“.

Europa hält er nicht für einen Kontinent, eher für inkontinent. Und er könnte sich Franz Beckenbauer gut als deutschen EU-Botschafter vorstellen, „denn der unterschreibt ungelesen alles“.

Als Gegenstück zu seinen eher diffusen Traumberuf-Vorstellungen („Ich schwanke zwischen dem Gitarren-Reicher bei Marc Knopfler und der Position des Jugendwarts im Kriegerverein“) hat er Hochachtung vor den Vorstellungen seiner Nichte, gleichermaßen kreativ wie raffiniert. „Als ich sie fragte, wofür sie eigentlich spare, nannte sie als Objekt einen neuen Wohnzimmer-Tisch. Auf mein verblüfftes Gesicht hin erwiderte sie: Dann kann mein Vater nicht mehr sagen, dass ich ihm folgen solle, solange ich meine Füße unter seinen Tisch strecke.“ Da war auch Django platt, der sogar weiß, weshalb es keinen Ikea in Erding gibt: „Die Angriffe der Schweden im Dreißigjährigen Krieg hat die Bevölkerung bis heute nicht verziehen.“Friedbert Holz

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