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Seit 1964 auf der Bühne: Donovan gastierte in der Stadthalle Erding. Foto: Kuhn

Donovan in der Stadthalle Erding   

Eine Gitarre, ein Mikrofon, ein Weltstar

Die Retrospektive eines ungewöhnlichen Künstlerlebens war das Konzert des Musikers Donovan in der Stadthalle. Er begeisterte sein Publikum.

ErdingEr war da. Das 50. Bühnenjubiläum hat er längst hinter sich, aber auf Tournee geht er immer noch wie einer, der es nicht lassen kann: Donovan. In der Stadthalle Erding saß er am Mittwoch auf der Bühne, hat eine große Show gar nicht (mehr) nötig, seine Stimme aber klingt noch fast so wie auf seinen ersten schwarzen Vinyl-Scheiben aus dem Jahr 1965.

Im fast ausverkauften Saal saßen die Menschen, die mit Donovan und seiner Musik alt geworden sind. Damit kokettierte der Weltstar denn auch ein wenig, als er die Pause ankündigte: Es seien Menschen eines gewissen Alters im Saal, meinte er, und als das verständnisvolle Gelächter abgeebbt war, fügte er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Mich selbst eingeschlossen.“

Die Pause hatten aber auch andere Leute nötig, nämlich die für die Tontechnik. Die hatte, vorsichtig ausgedrückt, Verbesserungspotenzial. Unter den Gästen waren fachkundige Leute, Musiker verschiedener Bands, die Stücke von Donovan gern nachspielen. Und die beklagten sich rege über die schlechte Abmischung.

Dabei war es doch einfach: Eine Gitarre, ein Mikrofon, und das war’s. Mehr braucht ein Mann wie Donovan nicht. Er gab ein Stück weit den Geschichtenerzähler, berichtete im Stil des Märchenopas, wie der eine oder andere Song zustande gekommen ist, philosophierte über das Künstlerleben und griff dann wieder zu seiner bunt bemalten Gitarre.

Ein Star, der 1946 in Glasgow geboren wurde und seinen ersten Erfolg schon 1964 in einer Fernsehshow hatte, kann sich das leisten. Er gilt bei vielen als die britische Antwort auf Bob Dylan. Und das nicht einmal ganz zu Unrecht, auch wenn er nicht so oft dezidiert politisch wurde.

Aber sein Lied „The Universal Soldier“ war schon in den 70er Jahren immer wieder Thema im Englischunterricht. Und natürlich war in Erding auch dieser Song dabei, bei dem man im Publikum so manche faltig gewordene Hand auf die Schulter der weiblichen Begleitung hat wandern sehen können: „Donna donna“. Die eigenwillige Interpretation eines jiddischen Traditionslieds („Dos kelbl“) des Künstlers aus dem Jahr 1965 war wohl die Zeit des ersten Kusses.

Die Gäste im Saal summten zu einem erheblichen Teil mit. Es war insgesamt eine Retrospektive eines Künstlerlebens, das es in dieser Form voraussichtlich nicht mehr geben wird. Donovan hat sie alle erlebt: die Beatles und Led Zeppelin und wie die Pop- und Rockgrößen noch heißen mögen. Und immer wieder erzählte er von den Begegnungen mit ihnen. Die Gäste, die sehr gut Englisch können mussten, um ihm zu folgen, hörten es gern.

Klaus Kuhn

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