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Den Kulturpreis Bayern in der Sparte Wissenschaft hat Dr. Barbara Reiner gewonnen – als eine von 32 Absolventen bayerischer Hochschulen und Universitäten. Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert, zusätzlich bekommen die Preisträger eine Bronzestatue mit dem Titel „Gedankenblitz“. Verliehen hat die Auszeichnung die Bayernwerk AG gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Es gratulierten Wissenschaftsminister Bernd Sibler (l.) und Bayernwerk-Chef Dr. Egon Leo Westphal (r.). 

Dr. Barbara Reiner (32) aus Erding gewinnt mit ihren Studien gleich zwei Preise

Für ein normales Leben herzkranker Kinder

  • Veronika Macht
    VonVeronika Macht
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Prävention als Schlüssel für die Lebensqualität herzkranker Kinder: Mit diesem Thema hat sich die Erdingerin Dr. Barbara Reiner in ihrer Doktorarbeit befasst und dafür auch die SpVgg Altenerding ins Boot geholt. Für ihre Forschung hat die 32-Jährige jetzt gleich zwei Preise gewonnen.

Erding - Barbara Reiner war schon immer sportlich. Am Anne-Frank-Gymnasium belegte sie den Sport-Leistungskurs und spielte Handball bei der SpVgg Altenerding, heute setzt sie auf Ausdauersport von Wandern bis Laufen. „Medizin und Sport haben mich schon immer interessiert, besonders der Präventionsbereich“, erzählt die Erdingerin.

So begann sie nach dem Abitur ein Studium in Sport- und Gesundheitswissenschaften an der TU München. Sie gehörte zum ersten Jahrgang, der an der noch jungen Fakultät seinen Bachelor machte. Es folgten Master und Doktorarbeit, für die Reiner jetzt gleich zweifach ausgezeichnet wurde: mit dem Wissenschaftspreis der Kurt und Erika Palm-Stiftung, ein gemeinsamer Preis der Deutschen Herzstiftung mit der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR), und mit dem Kulturpreis Bayern in der Sparte Wissenschaft.

„Ich war sehr überrascht, aber es ist schön, denn man arbeitet doch jahrelang an der Dissertation“, sagt Reiner. Seit 2014 befasst sie sich bereits mit dem Thema, seit Januar 2021 trägt sie den Doktortitel und gibt zu: „Auch das kann ich noch nicht ganz glauben.“ Bereits seit dem zweiten Semester ist Reiner Teil von „kidsTUMove“, einem Projekt des Lehrstuhls für Präventive Pädiatrie an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaft der TUM.

Seitdem ist sie beim Sommercamp für herzkranke Kinder dabei, in dem es um Sport, aber auch um Ernährung und Selbstwertgefühl geht. „Ich habe als studentische Hilfskraft angefangen und bin immer noch dort, habe auch meine Bachelor- und Master-Arbeit in diesem Bereich geschrieben“ – und jetzt eben die Dissertation.

Darin beschäftigt sich Reiner mit dem präventiven Screening von Kindern und Jugendlichen mit angeborenem Herzfehler (CHD). Dafür wurden Kinder zwischen sieben und 17 Jahren untersucht. „Vor zehn, 15 Jahren ging es für diese Kinder nur ums Überleben. Jetzt ist man mit Operationen und Therapieforschungen soweit, dass sie das Erwachsenenalter erreichen. Auch ihnen muss man das gesunde Altern ermöglichen“, erklärt Reiner. Dabei stecke die Forschung dazu noch in den Kinderschuhen. Im Rahmen ihrer Dissertation hat Reiner den gesundheitlichen Status von mehr als 500 CHD-Patienten der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie des Deutschen Herzzentrums München ermittelt. Dafür haben die Teilnehmer ihre Lebensqualität über einen Fragebogen beurteilt. „Es hat sich gezeigt, dass sie mindestens genauso glücklich sind wie gesunde Gleichaltrige, wahrscheinlich auch weil sie ein besseres Körperbild und Selbstwertgefühl haben“, schildert die Erdingerin.

Bei der Sportmotorik – überprüft mit Kraft- und Beweglichkeitsübungen – schaut es hingegen anders aus: „Da ist noch viel zu tun. Dabei gibt es wenig Herzfehler, bei denen man Sport wirklich verbieten müsste.“ Trotzdem seien Sportlehrer, Trainer im Verein oder Eltern aus Angst oft sehr zurückhaltend. Um die arterielle Gefäßgesundheit zu bestimmen und Hochrisikogruppen für weitere Gefäßerkrankungen zu identifizieren, hat Reiner schließlich den Blutdruck und die Gefäßwanddicke der Halsschlagader bei den Patienten gemessen. Hier wiesen die Herzkranken schlechtere Werte auf. Kinder und Jugendliche mit CHD würden bereits erste Anzeichen einer Atherosklerose zeigen. Daher sei ein frühes Screening sinnvoll, um solche abnormalen Gefäßveränderungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Weil der Vergleich mit Altdaten schwierig sei und eine aktuelle Referenzgruppe den Wert der Forschung steigere, kam hier die SpVgg Altenerding ins Spiel: „Ich habe dort angefragt, die Eltern konnten ihre Kinder zum Screening schicken“, berichtet Reiner. 110 Kinder haben mitgemacht, und auch Erwachsene – nach ihrer Dissertation hat Reiner auch sie untersucht. Sie freut sich sehr, dass ihrem Aufruf so viele Mitglieder der „Altenerdinger Handballfamilie“ gefolgt seien.

Am Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie gefällt es Reiner sehr gut, versichert die 32-Jährige: „Die Kombination aus Forschung, Lehre und Praxis ist spannend und macht viel Spaß.“ Derzeit arbeitet sie an einem weiteren Forschungsprojekt, bei dem es um mentale und körperliche Gesundheit von Studierenden an der TUM geht.

vam

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