Im Drachenboot durch Nottingham: Nicolas Hänsch (2. v. r.) kämpft mit der Nationalmannschaft um den EM-Titel. Rechts ist er (M.) mit seiner Kollegin Cornelia Schmidt zu sehen. Foto: privat

Das Airporträt

Die Drachenboot-Kommissare

Erding – Wenn Cornelia Schmidt und Nicolas Hänsch nicht gerade am Flughafen für die Sicherheit der Reisenden sorgen, zwängen sich die beiden Bundespolizeikommisare mit über 40 anderen Paddlern in ein Drachenboot. Zurzeit trainieren sie für die Europameisterschaft in Rom.

Ein Drachenboot ist ein besonders langes, offenes Paddelboot, das früher im asiatischen Raum als Fortbewegungsmittel diente. Auffällig sind vor allem die Verzierungen. Der Bug zeigt den Kopf eines Drachen und gilt deshalb als Namensgeber für diese Schiffe, bei den heutigen Turnierbooten wird aber meistens auf die Bemalung verzichtet.

Zu diesem eher ungewöhnlichen Sport sind die beiden durch Zufall gekommen. Beide hatten zuvor Kanurennsport betrieben, wechselten aber dann später ins Drachenboot. Hier sei der Leistungsdruck zwar nicht so hoch, es ist aber „genauso anstrengend“, meint der 25-jährige Neufahrner. Zu seinen größten Erfolgen zählt der Weltmeistertitel 2013. Für Schmidt, die Athletin und Trainerin der Drachenbootnationalmannschaft ist und inzwischen in Erding wohnt, waren die zwei Bronzemedaillen bei der letztjährigen Weltmeisterschaft in Kanada ein besonderer Moment. Mit der Arbeit lasse sich der Sport trotz Dienstplan gut vereinen, erklärt die 33-Jährige.

Zu den Trainingslagern und Turnieren können beide meistens fahren. „Wenn man früh genug plant“, ergänzt Hänsch. Beide erfahren eine „extreme Unterstützung von ihren Chefs“ sowie von ihren Vereinen, dem Schleißheimer Paddelclub und dem Kanuregattaverein München. Diese kümmern sich um die Finanzierung und die Bereitstellung von Material.

Seit den 1990er Jahren wird diese Sportart in Deutschland immer beliebter. Dennoch „gibt es im Norden wesentlich mehr Vereine, im Süden nur sehr wenige Teams“, sagt Hänsch und erklärt einen wesentlichen Unterschied: Im Drachenboot wird vorwärts gepaddelt, im Achter rückwärts gerudert.

Für die anstehende Saison haben Hänsch und Schmidt große Ziele. „Bei der Europameisterschaft in Rom will ich die vier EM-Titel verteidigen“, sagt Schmidt. Auch Hänsch möchte sein „Medaillensortiment erweitern“. An eine Aufnahme von Drachenbootfahren ins Olympiasortiment glauben beide nicht. „Ein Grund hierfür ist die große Anzahl an Sportlern, die für ein Drachenboot gebraucht werden“, erklärt Schmidt. Bis zu 50 Paddler können in einem solchen Boot sitzen. „Bei kürzeren Booten könnte Olympia ein Fernziel sein“, meint Hänsch.

Die Vorbereitung für die neue Saison, die im März beginnt, läuft schon. „Man paddelt, solange kein Eis drauf ist“.

sebastian hartinger

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