Dritte Chance für drogensüchtige Mutter

Dorfen - Trotz zweier offener, nicht durchgestandener Bewährungsstrafen, erhält eine 29-Jährige Drogenkonsumentin eine dritte Chance.

Die ehemalige Dorfenerin, mittlerweile verzogen, saß vor einem halben Jahr zum zweiten Mal wegen Drogenerwerbs auf der Anklagebank des Amtsgerichts Erding. Damals war sie allerdings schon einige Monate clean und versprach unter Aufsicht einer Bewährungshelferin eine stationäre Therapie zu beginnen.

Kein leichter Weg, denn die junge Mutter leidet wegen des Verlustes eines ihrer Kinder unter starken Depressionen – der Tod ist auch mit ein Grund für ihren Drogenkonsum. Obwohl sie unter dem Eindruck der Bewährungsstrafe keine Drogen mehr konsumierte, kam es im September vergangenen Jahres zu einem Rückfall. Sie brach die Betreuung und eine ambulante Entziehung ab, und ohne zu wissen, wo sie hin wollte, landete sie am Bahnhof in München. Dort kaufte einem näher nicht bekannten Dealer Heroin ab. Den starken Stoff spritzte sie bei einer ehemaligen Freundin in Dorfen ohne deren Wissen gleich zweimal. Mit fatalen Folgen: Der Notarzt musste gerufen werden. Am nächsten Tag begab sich die 29-Jährige freiwillig in die Isar-Amper-Klinik. Später wechselte sie dann zur erhofften stationären Therapie nach Bad Aibling.

„Derzeit läuft es gut“, berichtete sie jetzt vor Gericht, so dass sie trotz Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung auch mal einen Tag frei bekommt. Aufgrund der Vorstrafen sei zwar nur eine Freiheitsstrafe möglich, erklärte der Staatsanwalt. Aber angesichts der erheblichen psychischen Probleme und der laufenden Therapie könne diese noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden – auch wenn es sich um die Dritte handele. Dem schloss sich neben dem Verteidiger, Rechtsanwalt Martin Paringer aus Erding, auch Richterin Yvonne Folk an und verurteilte die Angeklagte zu zwei Monaten Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die Bewährung steht jedoch unter strengen Auflagen und ist auf eine Dauer von vier Jahren angelegt. Die 29-Jährige bleibt weiterhin einer Bewährungshelferin unterstellt und darf ihre Therapie nicht abbrechen. „Wenn es zu einem Verstoß der Auflagen kommt“, erklärte die Richterin, „werden alle drei Bewährungen widerrufen und sie müssen 20 Monate in die JVA“. (gse)

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