Durchlässiges Schulsystem: Oft nur graue Theorie

Erding - Das bayerische Schulsystem ist nicht durchlässig genug. Das hat die CSU bei ihrer Winterklausur eingeräumt. Pädagogen im Landkreis sind geteilter Meinung.

Gerade für Hauptschüler ist der Wechsel in eine höhere Schulart sehr schwierig, findet Peter Libossek. "Sicher gibt es hin und wieder Schüler, die auf die Realschule wechseln und dann Abitur machen. Das sind aber leider seltene Ausnahmen." Der Rektor der Hauptschule Altenerding erwartet die Ideen der CSU zur Verbesserung der Durchlässigkeit mit Spannung.

Drei konkrete Maßnahmen nennen die Christsozialen als Entschließungen ihrer Tagung: In der 4. Klasse soll das Zwischen- mit dem Übertrittszeugnis zusammengefasst werden, um auf weitere Bildungswege aufmerksam zu machen. Dazu sind mehr Beratungsangebote geplant. Außerdem soll sich getreu dem Motto "Kein Abschluss ohne Anschluss" der nächst höhere Bildungsweg von jedem Bildungsabschluss aus öffnen.

Für Georg Mittermeier sind diese Ideen nichts Neues. "Mittlerweile wird kein separates Übergangszeugnis mehr ausgestellt", so der Leiter des staatlichen Schulamts Erding. Auch das Motto der CSU sei größtenteils schon umgesetzt. Ein Übertritt auf die nächst höhere Schulart sei jederzeit möglich ­ solange die Noten stimmen. Problematischer beurteilt Mittermeier, dass die weiterführenden Schulen nicht gleichwertig behandelt werden. "Gymnasien sind gesellschaftlich angesehener als Real- und Hauptschulen. Das muss sich ändern."

Dieses Problem sieht auch Frank Höhne, Leiter der staatlichen Realschule in Taufkirchen. Oft schickten Eltern ihre Kinder aus Prestigegründen aufs Gymnasium, dessen Anforderungen viele nicht gewachsen seien. Würden diese Schüler gleich auf Haupt- oder Realschulen gehen, bliebe ihnen ein solcher Misserfolg erspart. "Eine erhöhte Durchlässigkeit ist nicht mehr notwendig, wenn rechtzeitig die Weichen richtig gestellt werden", so Höhne. Es sei immer möglich, die Schule nach oben zu wechseln ­ mit viel Fleiß und persönlichem Engagement. "Wenn das fehlt, kann auch die Politik nicht mehr tun." Mehr Beratungsangebote am Ende der Grundschulzeit würde er aber begrüßen.

Ulrich Bartl kann nicht bestätigen, dass das Schulsystem zu wenig durchlässig sei. "Heute kann jeder sein Abitur machen, egal auf welchem Weg", sagt der Leiter des Anne-Frank-Gymnasiums Erding. Beispiele von Hauptschülern, die sich zum Abitur hocharbeiten, gäbe es viele. Libossek ist skeptischer: "Der große Schritt von der Hauptschule zum Abi ­ auf dem Papier existiert er, in der Praxis ist er meist utopisch." (vam)

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