Die echten Vollstrecker

Erding - Nach vielen Jahren ist sie wieder da: Monika Gruber. Am Donnerstag und Freitag Abend gab die Erdingerin ein Heimspiel und begeisterte das Publikum in der ausverkauften Erdinger Stadthalle mit ihrem Programm „Wenn ned jetzt, wann dann?“

Besonders die Maurer dürften sich wohlgefühlt haben bei „da Gruaberin“. Auf solche Männer steht sie, denn das sind noch „die echten, vor Testosteron strotzenden Vollstrecker“. Allerdings nur die vor 1990 Geborenen. Denn der junge Mann von heute ist ja „die ärmste Sau auf der Welt“, gehört zur Weichspül-Generation, geht mit zu Geburtsvorbereitungskursen, trägt einen Rucksack in der Stadt und sammelt seine Freunde bei Facebook. „Die jungen Maurer von heute schauen aus wie ganz normale Menschen, trinken Bionade statt Bier und bauen nach Plan, nicht nach Gefühl.“

In engen Jeans, schmaler Bluse und mit hohen Stiefeln steht Monika Gruber präsent auf der Bühne - zwischen einer Bierbank, auf der sich Limo-Flaschen türmen, einem Dixie-Klo und einem Baustellen-Gerüst. Aber Monika Gruber braucht die Requisite gar nicht, sie macht alles allein. Ihr verblüffender, stets treffender Redeschwall hält zweieinhalb Stunden an. Andere hätten aus dieser Fülle an Stoff zwei Programme gemacht.

Die 40-Jährige ist genial darin, Charaktere zu imitieren, sprachlich sowieso. Gianni, ihren Lieblingsitaliener, macht sie ebenso gut nach wie Dr. Meininger, den ehemaligen Amtsrichter, oder ihren besten Freund, den Lastwagenfahrer Tschoko. Aber auch in der Mimik und Gestik beweist Gruber ihr außerordentliches schauspielerisches Talent. So mancher aus dem Publikum wird gewusst haben, auf wen sie anspielt, als sie von ihrem Ex-Freund spricht, dem „Multi-Tasker, der nichts ausließ, was nicht bei Drei auf dem Baum war“. Oder von Herrn Dödelmann vom Landratsamt, der ihr beim Bau ihres Erdinger Hauses das Leben schwer machte und Unterricht in Stilkunde geben wollte - „mir, der Queen of Style von Tittenkofen“. Schließlich ist sie ja eine eingefleischte Erdingerin, die viele kennen, und die beim Autogramme-Verteilen nach der Vorstellung „viele Grüße an die Mama“ bestellt.

Monika Gruber wirkt einerseits weltoffen, in ihrem modischen Erscheinungsbild, in ihrer Sprachgewandtheit, andererseits bodenständig. Sie schätzt das Landleben und baut ihr Haus in Erding, nicht in der Großstadt, liebt die bayerische Küche, sie ist nahbar, sympathisch, eben einfach eine von uns. Die Erdinger klatschen sich auf die Schenkel, wenn sie die Preiß’n auflaufen lässt, schauen aber auch verschämt in den Boden, wenn sie über iPhones lästert, die man allenfalls zum Weggehen braucht - natürlich farblich abgestimmt zur jeweiligen Garderobe. Grandios sind die Szenarien, die Monika Gruber aufbaut, wie sie kurz vor Weihnachten in ihrer Metzgerei ohne Vorbestellung einkaufen oder einen jungen Altenpfleger in ihrem Rohbau verführen will und alles im Fiasko endet.

Ihre Beobachtungsgabe ist dermaßen detailgenau, dass sich wohl jeder irgendwo wieder erkennt oder ertappt fühlt. So mancher im Publikum fühlt mit der Gruaberin, als sie in einem sozialkritischen Finale an ihre Kindheit erinnert, wo man noch gelbe Limo trank, echte Freunde zum Spielen hatte statt iPads - „und nur die aufs Gymnasium gingen, die auch g’scheid genug waren, nicht jeder hyperaktive Schraz, der in der zweiten Klasse schon vom Kinderpsychologen auf den Übertritt vorbereitet wird.“ So war das damals. „Wir hatten alles“, meint die Gruaberin, „Freiheit, Verantwortung und gelbe Limo“. Und echte Maurer.

Alexandra Anderka

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare