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Kommentar: Die junge Generation hat genug gelitten

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Von: Hans Moritz

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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger. © Mohr - Erding

Die Weihnachtsferien gehen zu Ende. Für die Kitas gelten neue Regeln, die aber hinter denen der Schulen weit zurückbleiben. In seinem Wochenendkommentar kritisiert das Redaktionsleiter Hans Moritz ebenso wie die das Bestreben der Lehrerverbände, die Schulen bei erstbester Gelegenheit wieder zu schließen.

Bei der Corona-Politik der Staatsregierung wird man den Eindruck nicht los: Einer pennt immer, aktuell Sozialministerin Carolina Trautner (CSU).

Schon seit Monaten rätseln die Familien, warum für die Kitas nicht die gleiche Teststrategie gilt wie an den Schulen – nämlich zwei- bis dreimal pro Woche in (!) den Einrichtungen. Jetzt, nach den Weihnachtsferien, müssen alle Kinder ab einem Jahr drei Mal pro Woche einen Test vorlegen, allerdings Antigen-Schnelltests, vorgenommen zu Hause oder an einer der Teststellen. Immerhin. Aber was spräche dagegen, die erheblich zuverlässigeren Lolli-PCR-Pooltests auch in Krippen und Kindergärten anzuwenden? Nichts. Nun muss sich das Personal wieder darauf verlassen, dass die Eltern daheim verantwortungsbewusst handeln. Ob das wirklich alle tun, muss angesichts der nicht unerheblichen Zahl scharfer Kritiker sämtlicher Corona-Maßnahmen bezweifelt werden.

Aufgewacht ist dafür Kultusminister Michael Piazolo (FW). Endlich lässt er sich nicht mehr von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) treiben, sondern beharrt auf Präsenzunterricht – trotz Omikron, trotz sich aufbauschender fünfter Welle.

Es ist aus mehreren Gründen die richtige Entscheidung. Zuvörderst hat sich offensichtlich herumgesprochen, dass die sozialen Schäden neuerlichen Homeschoolings den möglichen pandemischen Schutz bei Weitem übersteigen. An den Folgen der letzten Lockdowns laborieren Eltern, Lehrer und Sozialpädagogen noch immer und wohl auch noch lange. Hier hat der Staat seit 2020 nachhaltig versagt.

Hinzu kommt, dass die regelmäßigen Tests ein sensibler Seismograf für das Infektionsgeschehen sind. Denn sie filtern Ansteckungen binnen weniger Stunden heraus und ermöglichen rasches Handeln. Mit dieser Engmaschigkeit wäre es in dem Moment vorbei, in dem die Schulen schließen.

Unverständlich ist hingegen, warum die Quarantäne-Regeln nun wieder verschärft wurden: Bei einem positiven Fall muss erneut die ganze Klasse in Quarantäne und nicht nur das direkte Umfeld. Für die Arbeitswelt gilt diese strenge Regel nicht. Da muss nicht gleich das ganze Büro in Isolation. Schon wieder wird die stramme Linie nur bei den Kleinsten durchgezogen – leider ein roter Faden in der Pandemiepolitik.

Ärgerlich ist, dass sich die Lehrerverbände seit Wochen warmlaufen, bei erstbester Gelegenheit die Schulen wieder zu schließen. Das zeigt: Sie interessieren sich vor allem für ihren Berufsstand und nicht für die Kinder. Piazolo sollte standhaft bleiben, und dieser Gruppe nicht allzu viel Gehör schenken. Die junge Generation hat genug gelitten und leistet in allen Bereichen einen deutlich höheren Beitrag als der Großteil der Gesellschaft. Nicht schon wieder auf die Kleinen! Der Scholz-Ampel ist es zu verdanken, dass pauschale Schließungen rechtlich gar nicht mehr möglich sind.

ham

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