Temperamentvoll wirbeln Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger alias Herbert und Schnipsi über die Bühne. f.: bauersachs

Herbert und Schnipsi in der Stadthalle

Die Ehe, eine saukomische Katastrophe

Wortgewandt, quirlig und schadenfroh: Herbert und Schnipsi halten ihrem Publikum den Spiegel vor. Die Zuschauer in der Stadthalle lachten Tränen.

Friedbert Holz

Erding – Wie schaffen es Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger – besser bekannt als Herbert und Schnipsi – nur, voll ausverkaufte Säle wie die Stadthalle Erding immer wieder zum Toben zu bringen? Ist es ihre Fernseh-Bekanntheit, ist es ihr trockener Humor, ist es ihre bayerisch-derbe Ausdrucksweise? Nein: Es ist offensichtlich jener Spiegel eines ganz normalen Ehe-Alltags, den sie ihrem Publikum verbal geschliffen vorhalten.

So, wie sie agieren, wie sie sich manchmal anblaffen und doch gleich wieder versöhnen, wie sie Kleinigkeiten hochschaukeln und im nächsten Moment wieder besänftigen – so könnte es in vielen Beziehungen zugehen, nicht nur in Bayern. Damit geben sie den Zuhörern, die sie auch im neuen Programm „Juchu, glei schmeißt’s uns wieder!“ von Anfang an mit einbinden, das Gefühl, dabei zu sein, sich aber nicht betroffen zu fühlen.

Erst auf dem Heimweg dämmert’s dann manchem, dass auch bei ihm zuhause ähnliche Worte fallen. Natürlich – das erlaubt die künstlerische Freiheit – übertreiben sie maßlos. Kleine Unstimmigkeiten werden dann schnell zu großen Missverständnissen, und vor allem Herbert lässt kein Fettnäpfchen aus.

Blitze aus Schnipsis Augen scheinen ihn fast zu töten, wenn er ihr treudoof versichert: „Ich sehe an dir immer nur das Schöne, das andere schaue ich mir gar nicht an.“ Er erntet auch nicht das Mitleid seiner scheinbar besseren Hälfte, wenn er sie fragt, wer ihn denn einmal im Alter versorgt. Sie indes fordert skrupellos das Hochzeitsgeschenk an ein befreundetes Paar zurück, weil dieses sich scheiden lassen will.

Überhaupt: Schnipsi, dieser 1,60-Meter-Quirl, hüpft ununterbrochen über die Bühne, fegt wie ein Derwisch um ihren Herbert herum, der es eigentlich eher gemütlich mag. Dann singen sie wieder gemeinsam, etwa das Lied vom „Tröpferl, das ab und zu daneben geht“. Während er an seiner Gitarre zupft, ganz stolz auf einen eigenen Schlussakkord, quält sie eine Trompete.

Trotzdem tobt das Publikum, es hat sichtlich Spaß an jenem ungleichen Paar, das es locker schafft, aus einer kleinen Panne eine riesige Katastrophe herbeizureden. Vor allem Herbert hat unglaubliches Pech mit so mancher Alltagssituation: Wenn er Schinken isst, bleibt ihm oft ein „Faden“ im Mund hängen, der ihn stört, „und ich hab’ doch keine Zähn’ am Zapferl“. Ganz schlimm dran ist er auch, wenn er auf der Toilette sitzt und plötzlich das Licht ausgeht – da möchte ihm so mancher im Publikum gerne helfen.

Was die beiden Urbayern verbindet, ist ihre diebische Freude an gelungener Rache. Als zum Beispiel Brutus, der Nachbarshund, sich ständig vor ihrer Haustür entleert, locken sie ihn tags darauf mit Hackfleisch. Das haben sie mit etwas Abführmittel und ordentlich Pfeffer garniert, Brutus reagiert sofort darauf. „Nicht nur, dass er seinem Frauchen den Wohnzimmerteppich versaut hat“, schildert Herbert begeistert, „er hat sein juckendes Hinterteil auch an der beigen Couchgarnitur gerieben“.

Die Lachtränen aus den Augen gerieben haben sich auch die Besucher. Schließlich sind die lustigsten Momente oft die, in denen etwas schief läuft. Und davon kennen Herbert und Schnipsi, die sich und ihre Mitmenschen kritisch beobachten, wirklich viele.

Friedbert Holz

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