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Erinnerungsstele bei Eichenkofen: Ein Ort für Begegnungen und Austausch

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Von: Gerda Gebel

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Die Erinnerungsstele enthüllt haben (v. l.) Historiker Giulio Salvati, Bildhauer Wolfgang Fritz, Gesine Götz von Pax Christi und OB Max Gotz.
Die Erinnerungsstele enthüllt haben (v. l.) Historiker Giulio Salvati, Bildhauer Wolfgang Fritz, Gesine Götz von Pax Christi und OB Max Gotz. © Peter Gebel

Eine Stele erinnert bei Eichenkofen an das Schicksal der Zwangsarbeiter aus dem 2. Weltkrieg.

Eichenkofen – Bis vor wenigen Jahren war das Schicksal der Zwangsarbeiter aus dem 2. Weltkrieg, die auch in einem Barackenlager bei Eichenkofen untergebracht waren, kaum in der Öffentlichkeit präsent. Durch die jahrelangen Recherchen des Historikers Giulio Salvati konnten in einem ersten Schritt tausende Namen von Zwangsarbeitern aus Frankreich, Belgien und vor allem aus Osteuropa in einer digitalen Datenbank zusammengetragen werden.

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Im vergangenen Jahr führte ein gemeinsamer Erinnerungsweg, organisiert von Pax Christi Erding Dorfen, zu der Gedenkstätte am Hügelgrab unweit des Riamer Hölzl, wo eine provisorische Erinnerungsstele installiert wurde. Nun konnte am gleichen Ort ein dauerhaftes Denkmal für diese bisher weitgehend unbeachteten Opfer des Krieges enthüllt werden.

Erinnerungsstele in Eichenkofen: „Bürgerschaftliches Engagement im besten Sinne“

Gesine Götz, Sprecherin von Pax Christi Erding Dorfen, zeigte sich hochzufrieden angesichts der zahlreichen Besucher, die den Festakt begleiteten. „Wir haben etwas zu Ende gebracht, was vor eineinhalb Jahren begonnen hat“, sagte sie.

Offene Türen habe sie im Rathaus eingerannt mit dem Wunsch, eine dauerhafte Erinnerung zu installieren. So übernahm die Stadt Erding die Hälfte der Kosten, der Rest wurde durch eine Crowdfunding-Aktion mit privaten Spendern aufgebracht. Götz’ Dank richtete sich an Salvati, der mit seinem Forschungsprojekt „Erdinger Geschichte“ das Thema erst in den Fokus gerückt habe. „Geschichte geht uns alle an“, lautete ihr Appell.

Auch Oberbürgermeister Max Gotz wertete es als gutes Zeichen, wenn viele Menschen hierherkommen. „Das ist bürgerschaftliches Engagement im besten Sinne“, lobte er. Auf seinen Wunsch wurde neben der Stele auch ein Baum gepflanzt. „Dies soll ein Ort des Aufenthalts werden“, so Gotz.

Am Festakt am Samstag hatten viele Menschen teilgenommen, darunter auch ukrainische Flüchtlinge. Für sie war es besonders bewegend, da sie in ihrer Verwandtschaft schmerzvolle Erfahrungen mit Verschleppung und Zwangsarbeit hatten.
Am Festakt am Samstag hatten viele Menschen teilgenommen, darunter auch ukrainische Flüchtlinge. Für sie war es besonders bewegend, da sie in ihrer Verwandtschaft schmerzvolle Erfahrungen mit Verschleppung und Zwangsarbeit hatten. © Peter Gebel

Historiker Salvati freute sich, dass den damals entwurzelten, rechtlosen Zwangsarbeitern mit der Gedenkstätte ein Stück ihrer Würde zurückgegeben werde. Viele aus der älteren Generation hätten noch Erinnerungen an die damaligen Zwangsarbeiter, die nicht nur im nahe gelegenen Luftzeugamt (heute WiWeb) tätig waren, sondern auch in vielen Firmen und auf Bauernhöfen. „Aber es genügt nicht, dass diese Menschen oft gut behandelt wurden, es war trotzdem Unrecht“, mahnte der Historiker und erinnerte sich an diverse Streitgespäche mit der erst kürzlich verstorbenen Kreisbäuerin Marianne Rötzer, die noch im vergangenen Jahr an dem Erinnerungsweg teilgenommen hatte. Für die neue Stele wünschte er sich viele Begegnungen und Austausch vor Ort.

Für den Holzbildhauer Wolfgang Fritz aus Oberding war der Weg von der digitalen Datei zu einem bleibenden Denkmal sehr spannend. „Würde ist der Kern, um den es geht, den verschleppten Menschen ein Gesicht geben“, betonte er. Die dauerhafte Stele ließ er aus Cortenstahl anfertigen, in den Fenstern aus Glas sind Karteikarten von ehemaligen Zwangsarbeitern zu sehen, dazu Informationstexte und Zitate von Zeitzeugen.

Den Schlüssel für die Stele und damit auch die Pflege der Gedenkstätte übergab Gesine Götz offiziell an OB Gotz. Eine besondere Aktualität bekam die Veranstaltung durch die Teilnahme von einigen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine, die derzeit in Rappoltskirchen untergebracht sind. Sie alle haben in ihrem Verwandtenkreis einen direkten Bezug zu Zwangsarbeit und dem Krieg, wie die Ukrainerin Irena berichtete. Sichtlich ergriffen, schilderte sie in stockendem Deutsch ihre Dankbarkeit. Ihr Opa war in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen und hatte kaum etwas erzählt aus dieser Zeit. Manchmal habe er jedoch ein paar Worte auf Deutsch gesprochen. „Ich weiß jetzt, dass niemand vergessen wird“, sagte Irena bewegt.

Stimmungsvoll begleitet wurde die Veranstaltung von Claudia Góndola de Hackel an der Querflöte und Stepan Glaubitz am Bass und der Gitarre.

Gerda & Peter Gebel

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