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Fast vier Meter hoch ist der Stangenbrunnen, den Werner Zollner (l.) aus Eitting erbaut hat. Er hält ihn gemeinsam mit Rudi Angermaier fest.

Hirtentrunk am Herderhäusl 

Ein einzigartiger Brunnen

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Erding - Es ist ein historischer Akt, wenn am kommenden Sonntag am Herderhäusl in Bergham der Stangenbrunnen aufgestellt wird. Die Nachbildung ist „bayernweit einzigartig“, sagt Sandra Angermaier vom Kreisverein für Heimatschutz und Denkmalpflege. Sie hofft auf viele Besucher.

Das um 1650 errichtete Herderhäusl ist eines der ältesten bayerischen Bauernhäuser. Das einzige in der Gegend erhaltene strohgedeckte Holzhaus diente einst dem Dorfhirten und seiner Familie als Wohnhaus und dokumentiert anschaulich das harte Leben der Menschen in früheren Jahrhunderten.

„Am Haus gab es schon früher einen Brunnen“, erzählt Sandra Angermaier. Die Geschäftsführerin des Kreisvereins für Heimatschutz und Denkmalpflege hatte deshalb die Idee, eine historische Nachbildung zu schaffen. Und zwar einen Stangenbrunnen, auch Stakenbrunnen genannt. Er werde das Musterbeispiel eines Stangenbrunnens für Altbayern und das Salzburger Land sein, sagt Angermaier. „Er bereichert und vervollständigt das Gesamtareal des für Bayern einzigartigen nicht translozierten Herderhäusls um den 400 Jahre alten Lindenhain.“

„Stangenbrunnen sind allgemein nicht mehr erhalten, da sie aufgrund ihrer Größe im 19. Jahrhundert abgebaut und durch Ziehbrunnen, teils mit Brunnenhäuschen, mit Ziehseil oder durch kleine Handschöpf-Brunnen ersetzt wurden.“ Das hat Angermaier genau recherchiert. Selbst in bayerischen Freilichtmuseen fänden sich keine Vergleichsbeispiele mehr. Dabei seien Stangenbrunnen um 1650 vor bäuerlichen Anwesen alltäglich gewesen. In Bergham wurde der Brunnen in den 1960er Jahren nicht mehr benötigt und geschlossen, da der letzte Dorfhirte 1952 seinen Dienst beendet hatte.

„Da ich bei Führungen oft gefragt wurde, welche Bedeutung der Trog vor dem Herderhäusl hat, kam mir die Idee, ihn mit einem Stangenbrunnen zu ergänzen“, erzählt Angermaier. Gesagt, getan. Für den Bau konnte sie Werner Zollner aus Eitting gewinnen. Er kennt sich aus in alten Handwerkstechniken und war unter anderem beim Aufbau des Heimatmuseums Thal dabei. Als Schmied engagiert sich Zollner dort weiter regelmäßig.

Der Brunnenschacht am Herderhäusl bleibt aus Sicherheitsgründen verschlossen. „Es handelt sich nur um die oberirdische Rekonstruktion, damit der Brunnen wieder ganz ist“, sagt Angermaier. Das soll gefeiert werden. Ähnlich wie bei einem Maibaum-Aufstellen wird der Stangenbrunnen als Haupattraktion im Rahmen des Fests „Hirtentrunk beim Herderhäusl“ im Beisein der Gäste am Sonntag, 26. November, um 15 Uhr aufgestellt. Anschließend gibt es den Hirtentrunk, eine Art Punsch. Von 15.30 bis 17 Uhr finden Taschenlampen-Führungen im Herderhäusl statt. Wie anno dazumal grasen Schafe ums Haus. Zudem werden selbstgemachte Produkte rund ums Hausschaf verkauft. Außerdem kann man Frauen bei ihrer Arbeit am Spinnrad zuschauen.

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