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Wenn die Justiz irrt - Justitia

Vor Gericht

Ein Jahr Haft: Böses Erwachen für schlafenden Einbrecher

Zu einem Jahr Freiheitsstrafe hat das Amtsgericht Erding einen 30-Jährigen verurteilt. Am 24. März brach er in ein Haus ein, legte sich dann aber schlafen.

Erding – Über seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Isabella Komm aus München, räumte der Rumäne die Tat ein. Viel gab es jedoch auch nicht zu leugnen, denn die Polizisten „entdeckten“ ihn im wahrsten Sinne des Wortes, indem sie ihm die Decke vom Körper zogen.

Mit rund zwei Promille hatte der Mann sich ins fremde Bett gelegt, um eine Runde zu schlafen (wir berichteten). In seiner Jacke hatte er noch die Beute, eine Digitalkamera im Wert von rund 300 Euro. Vorangegangen war dem Bruch ein telefonischer Streit mit seiner Freundin, bei der er eigentlich wohnte. Ab 20.30 Uhr leerte der Angeklagte eine Flasche Whiskey und begab sich um 1 Uhr auf einen Spaziergang durch Erding. Ein Haus am Kreuzweg kam dem 30-Jährigen unbewohnt vor, und nachdem er eine Scheibe eingeschlagen hatte, war er auch schon drin.

Die Digitalkamera steckte er ein, will sich seiner Aussage nach dann aber zur Ruhe begeben haben. Die Polizei, alarmiert von einem aufmerksamen Anwohner, fand ihn in einem Zimmer der oberen Etage, bäuchlings schlafend unter einer Decke. Weiterschlafen musste er in der seither geltenden Untersuchungshaft. Zwar gibt es den Verdacht, dass er sich nur verstecken wollte. Anderseits ist bei zwei Promille eine Ermattung nicht auszuschließen.

Sein nicht allzu hoch bewertetes Geständnis ergänzte der Kfz-Mechaniker mit seinen Lebensumständen. Im Januar habe seine Freundin, die er heiraten wollte, das gemeinsame Kind verloren. Sonst dem Alkohol nicht zugeneigt, habe er sich in den häufenden Streitigkeiten eben doch damit trösten wollen.

Gegenüber dem persönlichen Schicksal stehen aber zwei Verurteilungen des Rumänen, der sich erst seit 2015 in Deutschland aufhält. Im gleichen Jahr wurde er vom Amtsgericht München wegen Diebstahls in drei Fällen zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Ein Jahr später wegen Unterschlagung zu sechs Monaten, ebenfalls auf Bewährung. Aus München gab es einen Ausreisebescheid, dem der Angeklagte aber nicht nachkam. Stattdessen der Einbruch in Erding, für den der Staatsanwalt 15 Monate Haft forderte.

Seine Verteidigerin wies auf die starke Alkoholisierung hin. Zudem habe ihr Mandant einen Laptop und ein Handy nicht angerührt und mangels Einbruchswerkzeug deute nichts auf ein planvolles Vorgehen hin. Ihrem Antrag auf zehn Monate kam Richter Björn Schindler nicht nach, sondern verurteilte den 30-Jährigen zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Nach den beiden Vorstrafen komme eine Aussetzung zur Bewährung nicht in Frage.

Der Angeklagte nahm das Urteil an, muss sich aber überraschen lassen, wie es weitergeht. Möglich wäre, dass nach einem halben Jahr Haft, unter Anrechnung der U-Haft, die Ausweisung erfolgt, doch steht der Widerruf der beiden Bewährungsstrafen im Raum. 

Gert Seidel

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