Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand.
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Wie vital sind die Erdinger? Und wo tut’s weh? Diese und weitere Fragen rund um die Gesundheit der Bürger im Landkreis beantwortet der jährliche Gesundheitsbericht (Symbolfoto).

Gesundheitsbericht als Fieberthermometer: Wie vital sind die Erdinger? Und wo tut’s weh?

Ein Landkreis geht zum Arzt

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Wie vital sind die Erdinger? Und wo tut’s weh? Diese und weitere Fragen rund um die Gesundheit der Bürger im Landkreis beantwortet der jährliche Gesundheitsbericht, den das Landratsamt, die Gesundheitsregion+ und das Landesamt für Gesundheit herausgegeben haben.

Erding – Zurzeit dominiert nur eine Krankheit die Menschheit – das Corona-Virus. Doch wie geht’s dem Landkreis und seinen knapp 140 000 Einwohnern gesundheitlich sonst so? Wo sind die Abwehrkräfte stark? Wo schwächelt er? Antworten auf diese Fragen liefert der jährliche Gesundheitsbericht, den nun das Landratsamt, die Gesundheitsregion+ und das Landesamt für Gesundheit auf der Basis von Daten des Statistischen Landesamtes herausgegeben hat.

Ziel ist, „die gesundheitliche Verfassung und Versorgung der Bürger zu erfassen, auszuwerten und so den jeweiligen Handlungsbedarf zu ermitteln“, erklärt Behördensprecherin Nicole Tietze.

Landkreis Erding: Anzahl der Sterbefälle je 100 000 Einwohner „deutlich unter“ bayerischem Wert

Der erste medizinische Check zeigt: „Der Gesundheitszustand der Bevölkerung im Landkreis Erding ist konstant hoch“, diagnostiziert Tietze. Landrat Martin Bayerstorfer schreibt in seinen Arztbrief: „Die Ergebnisse zeigen, dass unser Landkreis nach wie vor medizinisch gut versorgt ist. Auf dieser Grundlage können wir weiterarbeiten und unseren Landkreisbürgern auch weiterhin künftig präventive und gesundheitsfördernde Angebote bereitstellen.“

Erding verfügt über ein gutes Immunsystem. Das liegt an dem vergleichsweise hohen Anteil junger Menschen und einem niedrigeren Altenquotienten als im bayerischen Mittel. Allerdings sinkt der erste Wert, während der zweite steigt. Dennoch kommen die Statistiker zu dem Schluss: Die Anzahl der Sterbefälle je 100 000 Einwohner liegt seit Jahren „deutlich unter“ dem bayerischen Wert. Dieser betrug zuletzt 824, bayernweit 1039. In der Region München weist nur Freising eine noch geringere Sterblichkeit (809,1) auf.

Dabei beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung bei den Frauen 83,6 und bei den Männern 80 Jahre. Binnen der vergangenen 100 Jahren hat sich die Lebenserwartung verdoppelt. Nach wie vor steigt sie weiter an – wegen des medizinischen Fortschritts um etwa zwei Lebensjahre pro Jahrzehnt.

Landkreis Erding: Schlusslicht bei den Geburten

Unterdurchschnittlich, bezogen wiederum auf 100 000 Einwohner, sind die Zahlen der Krankenhausaufenthalte etwa nach Herzinfarkt (Erding: 188/Bayern: 235) beziehungsweise Schlaganfall (Erding 361/Bayern: 427). Die Tendenz sinkt hier weiter.

Insgesamt ist seit 2013 auch die Zahl der Menschen, die vollstationär in einem Krankenhaus behandelt werden müssen, leicht rückläufig. Mit 20 123 Fällen je 100 000 Einwohnern liegt Erding unter dem bayerischen Wert (22 544). In der Flughafenregion steht nur Freising noch besser da (20 050).

Die Anzahl der Pflegebedürftigen ist zwar im Gegensatz zum landesweiten Mittelwert gering, es ist aber eine steigende Tendenz zu erkennen. Auf 100 000 Einwohner kommen 2131, bayernweit sind es 3080 zu Pflegende.

Am anderen Ende der Lebensskala ist Erding ein Nachzügler: Auf 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren kommen 54,2 Geburten – Schlusslicht in der Region. In Ebersberg sind es 55,6, in Fürstenfeldbruck 60,7 und in Bayern 55,1. Umso trauriger ist, dass die Säuglingssterbefälle pro 1000 Lebendgeborene mit 3,4 in Erding so viele sind wie in keinem der Nachbarlandkreise (Ebersberg: 2,1; Freising: 2,9; Fürstenfeldbruck: 3,2; Bayern: 2,8). Die Analyse des Gesundheitsberichts: Schwangere sollten noch stärker in die Versorgung einbezogen, unerwünschte und Risikoschwangerschaften (möglichst) vermieden sowie Tabak- und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft bekämpft werden.

Landkreis Erding: Immer mehr Kinder sind übergewichtig

Spitzenreiter ist Erding auch bei den Verletzten im Straßenverkehr: 571 pro 100 000 Einwohner. Bayernweit sind es 544, in Fürstenfeldbruck sogar nur 399. Immerhin: Die Zahl sinkt.

Der Gesundheitsbericht berührt auch Tabuthemen. Dazu gehören Selbsttötungen. Auf 100 000 Menschen kamen in Erding zuletzt 11,9 Suizide, das ist der niedrigste Wert im Umland, er liegt auch unter dem bayerischen Mittelwert. Allerdings nimmt er seit 2009 leicht, aber stetig zu.

Apropos zunehmen: Das Problem haben immer mehr Kinder. Drei Prozent der angehenden Erstklässler wurden zuletzt als adipös eingestuft, 2011 waren es nur 2,2 Prozent. Die Gefahr: Übergewicht im Kindesalter fördert chronische Erkrankungen.

Erfreulich: Die Zahl der neu erkannten Krebserkrankungen geht seit 2012 kontinuierlich nach unten. 303 auf 100 000 Einwohner waren es zuletzt (Bayern: 323).

Eine Lücke klafft in der Erdinger Gesundheitsversorgung: Einerseits bedient jede Apotheke von Jahr zu Jahr mehr Menschen – im Schnitt von 4777 im Jahr 2015 auf 5295 vier Jahre später –, andererseits nimmt die Zahl der Bürger pro ambulant tätigem Arzt immer mehr ab – von 630 auf 593 innerhalb dieses Zeitraums.

Hans Moritz

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