Tuba, Baritonhorn, Gitarre, Akkordeon, Kontrabass: Musikschulleiter Bernd Scheumaier beherrscht viele Instrumente. Vor dem Eingang der Kreismusikschule ließ sich der 66-Jährige neben „Daphnis“, dem Kunstwerk von Maria Munz-Natterer, fotografieren.  Foto: privat
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Tuba, Baritonhorn, Gitarre, Akkordeon, Kontrabass: Musikschulleiter Bernd Scheumaier beherrscht viele Instrumente. Vor dem Eingang der Kreismusikschule ließ sich der 66-Jährige neben „Daphnis“, dem Kunstwerk von Maria Munz-Natterer, fotografieren. Foto: privat

Leiter der Kreismusikschule Erding geht in Ruhestand

Bernd Scheumaier: Ein Leben für die Musik

Fast 50 Jahre verbrachte Bernd Scheumaier in der Kreismusikschule Erding, die letzten sieben Jahre als Chef. Nun geht er in den Ruhestand. Ein Interview.

Erding – Bernd Scheumaier geht am 31. Dezember in Ruhestand. Fast 50 Jahre verbrachte der engagierte Musiklehrer an der Kreismusikschule (KMS) Erding. Der 66-Jährige kam 1972 an die KMS und hat sie aus verschiedenen Perspektiven kennengelernt – als Schüler, als Lehrer, ab 1986 als stellvertretender Schulleiter und seit 2013 als Chef. Scheumaier gestaltete mit dem neuen künftigen Führungsduo Peter Hackel und Sarah Lilian Kober planvoll die geordnete Übergabe der großen Musikschule, an der rund 70 Lehrkräfte beschäftigt sind und über 3000 Schüler unterrichtet werden. Ein Abschiedsgespräch.

Herr Scheumaier, haben Sie in Ihrem Traumberuf gearbeitet?
Ja – absolut! Auch wenn ich während des Musikstudiums noch sehr einem meiner Lehrer in Richtung Orchestermusiker nachgeeifert habe – er war Solobassist an der Bayerischen Staatsoper, und ich durfte hier mehrfach in der Bühnenmusik bei verschiedenen Aufführungen mitspielen – habe ich schnell gemerkt, dass mir die musikalische Arbeit mit Kindern und jungen Menschen sehr viel bedeutet und das meine eigentliche Berufung ist.
Wie kam es dazu, dass Sie Musik studiert haben?
Der Grundstein wurde bereits in meiner Jugend gelegt. Da gab es viele Faktoren, zum Beispiel die Tatsache, dass Musik bereits in der Grundschule das einzige Fach war, in dem ich durchgehend eine Eins hatte. Damals habe ich schon gemerkt, dass mich Musik mehr begeistert als Mathe. Der Weg in Richtung Musikstudium kristallisierte sich mehr und mehr heraus, als mich meine Schrödinger Jugendfreunde in ihre Band aufnahmen und ich dadurch Profimusiker kennenlernen konnte, die mir den Weg zum Musikstudium aufzeigten. Und dann gab es da 1972 schon eine Musikschule in Erding, deren Lehrkräfte mich hervorragend auf die Aufnahmeprüfung am Konservatorium vorbereitet haben.
Welche Instrumente spielen Sie, und in welcher Musikrichtung fühlen Sie sich am meisten zuhause?
Im Laufe eines Musikerlebens kommt da schon ein gutes Dutzend Instrumente zusammen. Ich entstamme noch einer Musiklehrer-Generation, die sehr breit aufgestellt war und weniger spezialisiert auf nur ein Instrument. Ich fühle mich in der Blasmusik oder Tanzlmusik auf Tuba und Bariton genauso wohl wie in der Jazzband mit dem E-Bass oder in den unterschiedlichen Volksmusikbesetzungen mit Gitarre, Akkordeon oder Diatonischer Harmonika. Ein besonderes Erlebnis ist es für mich aber auch heute noch, mit meinem Kontrabass Teil einer großen Orchestergemeinschaft zu sein, zum Beispiel bei den großen Festen des Kirchenjahres, zusammen mit einem großen Chor in Messen und Konzerten dabei sein zu dürfen.
Was war Ihnen bei Ihrer Arbeit als Musiklehrer besonders wichtig?
Jeder junge Mensch hat andere Stärken und Charaktereigenschaften. Sich immer wieder auf die neuen Herausforderungen einzulassen, nicht nur die Musik zu sehen, sondern den ganzen Menschen, war mir immer wichtig.
Welche Aufgaben haben Sie als herausfordernd empfunden, und welche haben Ihnen große Freude bereitet?
Die Unterschiedlichkeit von Kindern und Jugendlichen mit all ihren Problemfeldern war immer eine Herausforderung. Sich aber gemeinsam auf den Weg zu machen, ein Beziehungsgeflecht aufzubauen und junge Menschen dann oft über Jahre mit zahlreichen gemeinsamen Erlebnissen begleiten zu dürfen, Vertrauen aufzubauen und damit jahrelange Freundschaften zu begründen, das hat mir immer große Freude bereitet und hat mich zufrieden gemacht.
Welche Ziele haben Sie sich als Musikschulleiter gesetzt?
Eines meiner wesentlichen Ziele war es, unsere Musikschule mit unserem wunderschönen Gebäude als Plattform Musikschaffender im Landkreis weiter zu öffnen und international noch mehr auszurichten. Die bestehende Partnerschaft mit Korsika war vor allem in den letzten Jahren eher schwierig. So sind neue Kontakte nach St. Petersburg, Ecuador, Brasilien, China und Japan entstanden und die Partnerschaften zu Tschechien, Liechtenstein vertieft worden. Aber vor allem den heimischen Musikschaffenden habe ich versucht, die Türe offen zu halten. Von all diesen Begegnungen profitieren vor allem unsere Schüler, aber auch Lehrer, Eltern, Konzertbesucher, die Musikschaffenden im Landkreis und viele mehr.
Welchen Stellenwert hat das Betriebsklima für Sie?
Wenn man gut miteinander zurechtkommt, kann sich vieles erst wirklich entfalten. Ein kollegiales, freundschaftliches, von gegenseitigem Vertrauen geprägtes Betriebsklima war mir immer wichtig. Als Schulleiter habe ich eine meiner wesentlichen Aufgaben darin gesehen, optimale Bedingungen für unsere Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen im Landkreis zu schaffen, aber auch für optimale Arbeitsbedingungen im Kollegium zu sorgen und für sie alle da zu sein.
Welche Erlebnisse und Begegnungen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Da gäbe es viel zu erzählen (lacht). Ein Erlebnis hat mich aber besonders geprägt: In meinen jungen Musiklehrerjahren hatte ich eine Schülerin, die sich alles schwer erkämpfen musste und nach meiner inneren Überzeugung mit Sport oder Tanz vielleicht mehr Erfolg gehabt hätte. Sie blieb aber trotzdem über Jahre im Unterricht bei mir und verabschiedete sich erst, als sie eine Lehre begann. Nach mehreren Jahren begegnete ich ihr auf der Straße wieder, und wir kamen kurz ins Gespräch. Sie bedankte sich dabei für die schönsten Jahre ihres bisherigen Lebens bei mir. Das war ein Schlüsselerlebnis für mich. Ich, der ich vom Studium her absolut auf die musikalische Höchstleistung als oberstes Ziel ausgerichtet war, spürte, dass nicht unbedingt nur die Spitzenleistung ihre Existenzberechtigung an einer Musikschule hat. So habe ich in all den Jahren ebenso viel von meinen Schülern gelernt wie sie von mir.
Fällt Ihnen der Abschied schwer oder gehen Sie leichten Herzens?
Der Abschied kam nicht überraschend, ich konnte mich darauf einstellen. Wenn ich zurückschaue, bin ich dankbar und zufrieden. Ein wirkliches Abschiedsgefühl habe ich eigentlich noch nicht. Wenn mir danach ist, dann gehe ich in die Musikschule und besuche ein Konzert oder ein Schülervorspiel, oder ich musiziere mal bei einem Projekt in einem Orchester oder Ensemble meiner ehemaligen Kollegen mit.
Was haben Sie in Ihrem (Un)-Ruhestand so alles vor?
Ich möchte für meine Familie einfach mehr Zeit haben, für meine Frau, meine Enkel und all die Dinge, die ich aufschieben musste. Ich werde weiter Musik machen – da geht mir nichts verloren – und dann werde ich mich in meiner Heimatgemeinde Wartenberg als Marktrat und 3. Bürgermeister einbringen und am Bayerischen Verwaltungsgericht als ehrenamtlicher Verwaltungsrichter. Ich glaube, mir wird nicht langweilig. Vielleicht werde ich auch einfach mal nix tun. Wenn ich das schaffe!

Das Interview führte Vroni Vogel.

Kindheitserinnerungen, die prägten

In einer kleinen Anekdote erzählt Bernd Scheumaier berichtet von prägenden musikalischen Kindheitserlebnissen: „In meiner Grundschulzeit im Erdinger Holzland war Livemusik für mich nur selten erlebbar, von Konzerten ganz zu schweigen. Ich erinnere mich noch gut an das für mich beeindruckende Harmoniumspiel unseres Volksschullehrers und an das Orgelspiel unseres Kirchenorganisten, dem ich während der Messe immer andächtig lauschte. Besonders schön waren die Maiandachten, in denen der Kirchenchor sang. Ich habe keine versäumt.“

Eines der größten Ereignisse seiner Grundschulzeit waren die Theateraufführungen in Hohenpolding in der Fastenzeit vor Ostern im Gasthaus Rauschhuber. Scheumaier: „Ich nutzte jede Gelegenheit, am Sonntag ins Theater nach Hohenpolding zu kommen, allerdings nicht wegen der Theateraufführung selber, sondern wegen der Theaterpause. Da waren zwei Musiker, die Akkordeon und Gitarre spielten. Das waren meine ersten großen Vorbilder und zugleich Inspiration pur. Das wollte ich auch können. Ich weiß heute noch, was sie gespielt haben: Mach ma Brotzeit…“ vev

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