Schaut mehrmals pro Woche auf der Baustelle am Sternweg vorbei: Rita Gabler. Die Erdingerin wird das Sophienhospiz leiten und hofft auf die Unterstützung der Bürgerschaft, um das Projekt erfolgreich realisieren zu können.
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Schaut mehrmals pro Woche auf der Baustelle am Sternweg vorbei: Rita Gabler. Die Erdingerin wird das Sophienhospiz leiten und hofft auf die Unterstützung der Bürgerschaft, um das Projekt erfolgreich realisieren zu können.

Bau des Sophienhospizes in Erding schreitet voran – Spenden notwendig

Ein letztes Zuhause für todkranke Menschen

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Es ist ein couragiertes Gemeinschaftsprojekt: das Sophienhospiz in Erding. Sein Bau schreitet voran, im Spätherbst soll Eröffnung sein.

Erding – Am beschaulichen Sternweg in Erding tut sich Gewaltiges. Dort, im Osten Erdings, entsteht das Sophienhospiz – ein couragiertes Gemeinschaftsprojekt für die Landkreise Erding und Freising. Und ein letztes Zuhause für todkranke Menschen.

Auf einem von der Stadt Erding auf Erbpacht zur Verfügung gestellten Areal kann das Hospiz errichtet werden. Der Erdinger Karl Käser hatte das Grundstück einst der Stadt vererbt. Der halbrunde Baukörper, den Architekt Edwin Effinger entworfen hat, bietet Platz für zwölf Patientenzimmer – und vieles Notwendige mehr. Kosten: mehrere Millionen Euro.

Im Spätherbst 2021 werde Eröffnung sein, kündigt Rita Gabler an. Die 58-jährige Erdingerin ist Leiterin des Sophienhospizes und engagiert sich seit Jahren in der palliativ-medizinischen Versorgung Schwerstkranker. Die ausgebildete Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe und Palliativ-Care-Fachkraft hatte bis zum Frühjahr 2020 die pflegerische Leitung des Palliativ Teams Erding (PTE) inne, ihr erstes Herzensprojekt. Ganz hat sie dort nicht aufgehört. Sie unterstützt ihr ehemaliges Team immer noch auf 450-Euro-Basis. „Das werde ich wohl nie ganz lassen können“, betont sie.

Das Hospiz ist für die Pionierin, die gerne etwas auf den Weg bringt, „die natürliche Folge einer guten Palliativversorgung“ – und gleichzeitig ein gesamtgesellschaftliches Statement für die Region. „Die Art und Weise, wie wir mit alten Menschen, Kranken und mit unseren Kindern umgehen, zeigt, wie eine Gesellschaft tickt“, sagt Gabler. „Dass ich mit Familie Folger jemanden gefunden habe, der mit mir so engagiert eine Vision verfolgt, das ist ein großes Glück.“

25 Mitarbeiter in 17 Vollzeitstellen werden einmal im Pflegebereich des Hospizes arbeiten. Bislang mussten betroffene Patienten nach Vilsbiburg oder ins Christophorus-Hospiz nach München gebracht werden. Für sterbende Menschen viel zu weit weg von Zuhause. Außerdem gibt es in beiden Häusern lange Wartelisten.

Dabei wollen die meisten Menschen in ihren letzten Lebenstagen oder -monaten am liebsten daheim bleiben, aber nicht immer sei dies von den Angehörigen leistbar, sagt Gabler. Etwa, wenn kleine Kinder vor Ort sind. Oder wenn mangels Angehöriger die 84-jährige Ehefrau den 86-jährigen Ehemann beim Sterben begleiten soll. „Das ist einfach nicht leistbar“, sagt Gabler. Und da wären noch die dramatischen Krankheitsverläufe wie etwa bei einer ALS-Erkrankung. „Das kann man zuhause nur den allerwenigsten Familien zumuten.“

Gabler betont: „Es gibt eine klare Vorgabe, welche Patienten im Hospiz aufgenommen werden.“ Eine sogenannte Überleitungsfachkraft werde das von Fall zu Fall zusammen mit dem Hausarzt beurteilen – und zwar beim Patienten daheim. Hier wird das bewährte Netzwerk mit PTE und Hospizvereinen greifen, die seit Jahren Hand in Hand arbeiten und sich in ihren Aufgaben ideal ergänzen. „Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten der Unterstützung, dass wir für jeden Menschen die passende Lösung finden“, verspricht Gabler.

Sie erfüllt der Hospiz-Bau mit großer Dankbarkeit und Freude. „I mog mei Stadt, i mog mein’ Landkreis“, sagt die 58-Jährige. „Ich setze mich einfach gerne für andere ein.“ Das hat sie vor zehn Jahren schon bei der Gründung des Palliativ Teams unter Beweis gestellt. Bei allem eigenen Zutun dankt Gabler aber auch dem Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ der Heimatzeitung, denn unsere Spender haben maßgeblich dazu beigetragen, das PTE aufzubauen. „Ich bedanke mich ganz herzlich bei unseren Bürgern für die treue Unterstützung. Jedes Jahr konnten wir auf diese Spenden bauen und damit unsere Vision von einer besseren Versorgung Sterbender weiterentwickeln. Das Palliativ Team würde es ohne dieses bürgerschaftliche Engagement vielleicht gar nicht geben“, so Gabler.

Besonders freuen würde sie sich, wenn die Freisinger zukünftig ein wenig näher an die Erdinger heranrücken würden. „Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig die Stadt und der Landkreis Freising einschließlich ihrer politischen Vertreter das Riesenengagement ihrer Stifterfamilie honorieren. So ein Projekt auf die Beine zu stellen, darf nicht als selbstverständlich angesehen werden. Wir sollten hier viel enger im Sinne der Sache zusammenarbeiten.“

Auf breite Unterstützung aus beiden Landkreisen hofft Gabler auch beim Sophienhospiz. Denn auch wenn der Bau von der MWS-Hospiz-Stiftung – der Name steht für die Stifter Marianne, Werner und Sofia Folger – mit Sitz in Freising mit einem Millionenbetrag finanziert wurde, sind die laufenden Kosten von den Krankenkassen nicht vollständig gedeckt. Deshalb ist das Hospiz dringend auf Spenden angewiesen.

Spenden werden zudem benötigt für Pflegebetten, für medizinische Geräte wie Schmerzpumpen, Perfusoren oder ein mobiles Ultraschallgerät. Kosten, die es gerade am Anfang noch zusätzlich zu stemmen gilt.

„Ich bin mir trotzdem sicher: Wir werden das Projekt gemeinsam schultern und ein Hospiz ins Laufen bringen, auf das noch Generationen nach uns mit Dankbarkeit blicken werden.“

Licht in die Herzen: Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt das Sophienhospiz Erding. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dazu vermerken Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls.

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