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Zwei Künstler, eine Ausstellung: Harry S. und Florian Maierhofer zeigen ihre Werke im Frauenkircherl. Harry S. hielt bei der Vernissage am Freitagabend selbst die Laudatio. Er sagt: „Keiner kann uns so gut loben wie ich.“

Gemeinsame Ausstellung: Harry S. und Florian Maierhofer im Frauenkircherl

Ein magischer Moment für Vater und Sohn

Erding - Der Erdinger Künstler Harry S. und sein Sohn Florian Maierhofer zeigen erstmals in einer gemeinsamen Schau ihre Werke. Ihre Kunst ist bis 17. November im Frauenkircherl zu sehen.

Zum ersten Mal stellen der Erdinger Künstler Harry Seeholzer (Harry S.) und sein Sohn Florian Maierhofer gemeinsam aus – im Frauenkircherl. Das ist nicht selbstverständlich, da der 36-jährige Maierhofer seine Heimatstadt schon vor 16 Jahren verlassen hat und nach Schottland gezogen ist. Dort lernte er seine jetzige Frau kennen. Mit ihr und den beiden gemeinsamen Kindern leben sie nun in Brest in der Bretagne.

„Trotz allem ist Erding meine Heimat, und ich verbinde viel mit der Stadt“, sagt Maierhofer. Schließlich wohnten der Großteil seiner Familie und Schulfreunde hier. Der gelernte Kirchenmaler arbeitet drei Tage in der Woche in einer Behindertenwerkstatt im französischen Brest. Er töpfert und malt mit den Betreuten. Die restliche Woche verbringt er in seinem Atelier. Was dort in den vergangenen eineinhalb Jahren entstanden ist, können die Erdinger bis Freitag, 17. November, im Frauenkircherl sehen. Geöffnet ist am Wochenende von 11 bis 18 Uhr, werktags von 14 bis 18 Uhr.

22 Bilder hat Maierhofer eigens für die gemeinsame Schau gemalt. Sein Vater hat die Skulpturen beigesteuert, manche korrespondieren mit den Bilder, manche nicht. Doch einen gemeinsamen Nenner haben die Kunstwerke alle: den Menschen. Und manche davon sind blau eingefärbt. So ergab sich der Titel der Ausstellung: „Von Menschen und Bluemen“.

Maierhofers Werke haben zwei Aspekte. Die Hintergründe sind abstrakt und entstehen in einer Mischtechnik. Er arbeitet mit Marmormehl, das er mit Vulkanstein mischt. Darüber werden verschiedene Lasuren in Acryl aufgetragen. Die Menschen, die er ins Bild setzt, haben fotografischen Charakter und sind mit Ölfarbe gemalt. Durch die realistische Darstellung der Figuren bekommt der Hintergrund seine Bedeutung.

Auch wenn die Bilder alle Menschen zum Thema haben – oft seinen vierjährigen Sohn oder die sechsjährige Tochter, Wellenreiter und Personen, die er kennt oder mit denen er in der Behindertenwerkstatt arbeitet – so wirkt die Bilderschau sehr abwechslungsreich. Mal ist die Stimmung fröhlich bunt, mal erdig, mal schwarz-weiß. Immer verbirgt sich dahinter eine Geschichte.

Geschichten erzählen auch die Skulpturen von Harry S. Für die Ausstellung ist er von seinen großformatigen Modellen abgerückt. Das hat mehrerlei Gründe. Diese Größe passe besser ins Wohnzimmer, sagt er. So könnten auch Leute ohne Kran in den Genuss einer Harry-S.-Stele kommen. Der Künstler hat alle Figuren mit der Kettensäge geschnitzt. Er ist dafür in sein 15 Stämme umfassendes Baumlager gegangen und hat das Material ausgesucht.

Die Ideen, wie die Figuren aussehen sollen, seien ihm während der Arbeit gekommen. Bis auf die sitzende Frau entstammen alle seiner Fantasie. „Zur Zeit reizt es mich herauszufinden, wie filigran ich mit meiner Kettensäge arbeiten kann.“ Ziemlich filigran: Das verdeutlichen die Arbeiten mit den Titeln „Der Schrei“ oder „Dancing Queen“. Alle Figuren hat der 58-Jährige nach der Fertigstellung abgeflammt, um die Konturen zu glätten. Manche hat er blau eingefärbt. Dafür hat er zehn Schichten Tusche auf Grundierung aufgetragen. So gelang ihm der königliche, tiefblaue Farbton.

Maierhofer erzählt, dass ihn sein Vater sehr unterstütze. „Papa hat mich in vielen Dingen beraten.“ Harry S. meint aber, dass man sich auf Augenhöhe begegne. „Gerade in der Technik ist Florian versierter als ich, das hat er ja gelernt.“ Die Farbtechnik wiederum bilde die Basis für die Kunst. „Es gibt keine Konkurrenz zwischen uns“, beteuert Harry S. „Dafür bin ich auch zu weit weg“, ergänzt Maierhofer schmunzelnd. Die Idee dieser gemeinsamen Aktion sei bei einer Flasche Whiskey in Brest entstanden. Dass daraus nun Wirklichkeit wurde, mache den Erdinger Kulturpreisträger „sehr stolz“.

Dann formuliert der Mann mit der Kettensäge berührende Worte: „Es gibt einige magische Momente im Leben von Eltern. Dazu zählen zum Beispiel die Taufe oder die Einschulung. Diese Ausstellung ist auch so ein Moment.“

Vortrag: Im Rahmen der Ausstellung hält Harry S. am Mittwoch, 15. November, um 19 Uhr einen Vortrag zum Thema: „Was rostet die Welt?“ (Alexandra Anderka)

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