Salmonellenfund in Siglfing

„Ein Opfer des Bayern-Ei-Skandals“

Siglfing – Der Geflügelhof Brandhuber ist gesperrt. Das Unternehmen verkauft allerdings Eier von Partnerfirmen. Chef Franz Brandhuber klagt über eine neue Kompromisslosigkeit der Behörden.

Die Eierproduktion steht still, aber das Unternehmen läuft weiter. Das berichtet Franz Brandhuber über seinen Geflügelhof in Siglfing. Wegen Salmonellen auf seinen Eiern hatte der Landwirt seine Ställe dicht machen müssen. „Wir versuchen jetzt, unseren Kundenstamm zu halten“, erzählt der 50-Jährige. Er verkaufe derzeit Eier von bayerischen Partnerbetrieben. Wie es mit dem eigenen Familienunternehmen weitergeht, weiß Brandhuber allerdings noch nicht. Immerhin: Die Stammkunden in Gastronomie und Hotellerie sowie kleine Einzelhandelsgeschäfte halten ihm noch die Stange.

Dennoch habe er Zweifel, ob er erneut voll in dieses Geschäft mit seinem immensen Preisdruck einsteigen werde, sagt Brandhuber: „Wenn ich wieder aufstalle, hänge ich wieder drin.“ Denn bei einem kleinen Mittelständler wie ihm, mit insgesamt bis zu 38 000 Hühnern, sei ein solcher Befund schnell existenzgefährdend.

Den Geflügelhof Brandhuber gibt es bereits in zweiter Generation. Mit Aushilfen habe er zwölf Mitarbeiter. In den nächsten Tagen werde er mit Kündigungen beginnen müssen, erzählt der Chef. Das Salmonellen-Risiko gebe es immer, sagt der 50-Jährige. „Eine Tierhaltung ohne Salmonellen ist nicht möglich – egal, ob in einem Kuh-, Schweine- oder Hühnerstall.“

Daher sehe er sich als „ein Opfer des Bayern-Ei-Skandals“. Die geltenden Verordnungen würden den Behörden laut Brandhuber Spielräume geben – die jetzt nach der Affäre um den Großproduzenten nicht mehr genutzt würden. So sei es früher durchaus möglich gewesen, nur den betroffenen Stall zu sperren und nicht den ganzen Betrieb wie in seinem Fall, klagt Brandhuber.

Denn Salmonellen wurden bei einer Routinekontrolle nur in einem seiner Ställe gefunden: in dem mit Kleingruppenhaltung. Die gefährlichen Erreger wurden zunächst auf Hühnerkot und Stalleinstreu festgestellt, später auf Eierschalen, nicht aber in den Eiern selbst. Die beiden Ställe mit Bodenhaltung sind sauber. Betroffen war nur Brandhubers Produktion in Kleingruppenhaltung: 100 000 Eier im beanstandeten Auslieferungszeitraum (wir berichteten).

Die 15 000 Tiere aus dem betroffenen Stall seien bereits geschlachtet, erklärte Brandhuber gestern. Weitere 20 000 Hühner hat er in Bodenhaltung. Diese Vögel würden demnächst ebenfalls geschlachtet, auch wenn er dazu nicht verpflichtet sei. „Sie werden beprobt und bei negativem Befund zu Suppenhühnern verarbeitet“, erläutert er.

Verkaufen darf der Landwirt zur Zeit allerdings weder Eier der einen noch der anderen Kategorie. Die Durstrecke wird nach seiner Einschätzung mindestens vier Monate dauern. Die Ställe müssten nun gereinigt und dann untersucht werden. Bis danach die Betriebsgenehmigung der Behörden wieder vorliegt, können nach Brandhubers Schätzung zwei Monate vergehen. Weitere zwei Monate bräuchten dann Junghennen, um so weit heranzuwachsen, dass sie verkaufsfähige Eier legen.

Timo Aichele

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