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Ein strenger Lehrer alter Schule

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Wilfried Rotter Der ehemalige Gymnasiallehrer starb im Alter von 86 Jahren.
Wilfried Rotter Der ehemalige Erdinger Gymnasiallehrer starb im Alter von 86 Jahren. © privat

Erding – Wieder heißt es Abschied nehmen von einer Lehrer-Institution in Erding. Studiendirektor a.D. Wilfried Rotter starb nach langer Krankheit im Alter von 86 Jahren.

Bis zu seinem Ruhestand 1999 hatte Rotter mehr als 30 Jahre lang am Gymnasium Erding (heute benannt nach Anne Frank) die Fächer Englisch, Deutsch und Geschichte unterrichtet. Er galt als strenger Lehrer alter Schule, aber in der Schülerschaft war man sich einig: „Bei Herrn Rotter hat man was gelernt.“ „Hart, aber fair“ wird er von ehemaligen Schülern charakterisiert.

Auch im Kollegenkreis genoss der Pädagoge höchste Anerkennung, wie Hermann Bendl erklärt. Als Beratungslehrer im Fach Englisch habe Rotter die jungen Kollegen bei der Umsetzung der Lehrpläne sehr unterstützt. Zusammen mit seiner Frau Nicole, die ebenfalls Anglistik studiert hatte, und Bendl erarbeitete Rotter mehrere Lehrbücher zur Verbesserung der Sprachkompetenz in der Kollegstufe. Diese wurden schnell zu Standardwerken für den Englisch-Unterricht. Der „Companion to English Texts“ begleitete viele Jahrgänge bis zum Abitur und auch im Studium.

„Bei Willi Rotter gab es klare Ansagen. Jeder wusste immer, woran er war, und das hat man sehr geschätzt an ihm“, erinnert sich Bendl. Rotter nahm viele Jahre die Staatsexamen im Fach Englisch mit ab, was für nicht nur einen ehemaligen Schüler zum überraschenden Wiedersehen an der Uni führte.

Auch der Leiter des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen, Bernhard Sicking, würdigt Rotters Einsatz für den Bundeswettbewerb und dessen Engagement bei der Förderung junger Talente. Viele Jahre hat er als Landesbeauftragter für Bayern die bayerischen Teams begleitet, so auch zum Sprachenfest in Bremen, und brachte sich mit fachlicher Kompetenz und Herzblut bei den Wettbewerben ein, so Sicking.

Zur Welt kam Wilfried Rotter 1935 im Sudetenland und erlebte dort die Zeit von Krieg und Vertreibung. Seine Heimat musste er zusammen mit den Eltern und drei Brüdern zu Fuß mit dem Leiterwagen verlassen. Der dabei benutzte Holzkoffer der Familie steht heute im Museum Erding.

Der Vater wurde als Buchhalter bei der Stadt Erding angestellt, Wilfried Rotter besuchte die Volksschule Altenerding und wechselte danach auf das Camerloher Gymnasium in Freising. Nach dem Abitur entschied er sich für ein Lehramtsstudium, wäre aber auch gerne Architekt geworden. Während des Studiums verbrachte Rotter ein Auslandsjahr in England, unter anderem als „assistant teacher“, und lernte dort die französische Studentin Nicole kennen – und lieben. Aus der deutsch-französischen Verbindung gingen die drei Kinder Hans, Heidi und Werner hervor, später noch fünf Enkelkinder.

Ab 1964 unterrichtete der Pädagoge am Erdinger Gymnasium und blieb diesem treu, obwohl ihm verschiedene Rektorate an anderen Gymnasien und eine Professur in Kanada angeboten wurden. Rotter engagierte sich auch im Lehrersport und diversen Volleyball-Freizeitmannschaften. Mit Kollegen wie Hans Kofler errang er so manchen Sieg – wie 1970 bei einem Turnier von Lehrermannschaften in Mailand.

Geliebt habe ihr Vater auch die Berge, erzählt Sohn Werner Rotter und erinnert sich an anstrengende, aber sehr schöne Touren in seiner Kindheit. Gerne habe sich der Vater in der Freizeit der Malerei gewidmet. Und mit seinem Enkel Louis unternahm der „Erding-Opa“ später viele gemeinsame Wanderungen.

Bis zu seinem Tod ist Wilfried Rotter seinem Stil treu geblieben – immer pünktlich und pflichtbewusst, nie prahlen – sagt sein Sohn Werner. Die Urnenbeisetzung findet am Freitag, 4. März, um 14 Uhr im Friedhof Mariä Verkündigung in Altenerding statt.
GERDA GEBEL

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