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Ein gutes Team sind Taxifahrer Emir Bilalic (l.) und sein Chef Dino Oruc.

Arbeitnehmer mit Behinderung 

Ein Gewinn für beide Seiten

Erding – Eine Festanstellung als Taxifahrer ist für Emir Bilalic eine große Chance. Als Schwerbehinderter hatte er Probleme, Arbeit zu finden.

Menschen mit Behinderung haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeiter sind zwar gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent ihrer Stellen mit Schwerbehinderten zu besetzen. Doch immer noch zahlen viele Firmen lieber eine Ausgleichsabgabe. Im Landkreis Erding mit seiner Top-Arbeitslosenquote von 1,6 Prozent sind 128 Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Die Geschichte von Emir Bilalic macht da Mut.

Der heute 36-Jährige war bis zu einem Unfall im September 2002 als Lkw-Fahrer tätig. Zwei Tage lang lag er im Koma und es folgte eine lange Krankheitsgeschichte mit vielen Operationen und Schmerzen. Heute gilt er als zu 60 Prozent behindert. Er kann eine Hand nur eingeschränkt belasten. Doch nun ist er fest als Taxifahrer angestellt.

„Nach meinem Unfall war die Arbeitssuche extrem schwierig. Die wollten gar nicht erst mit mir reden“, berichtet Bilalic. Nach Aushilfsjobs und langer Suche hat er jetzt wieder eine Festanstellung und arbeitet für Dino Oruc, Taxiunternehmer aus Erding. „Dino und ich sind zusammen aufgewachsen, doch wie das nun mal so ist, haben wir uns mit der Zeit aus den Augen verloren“, erzählt Bilalic.

Als Oruc bei einem Wiedersehen von der aussichtslosen Jobsuche erfuhr, entschied sich der 38-Jährige, Bilalic trotz dessen körperlicher Einschränkung eine berufliche Perspektive zu geben.

„Ich habe lange überlegt und kalkuliert und schließlich beschlossen, zusätzlich ein Mietwagenunternehmen zu gründen. So kann Emir Taxi fahren, und ich kümmere mich in erster Linie um die Mietwagensparte“, erläutert der Unternehmer.

Emir ist seinem Freund dankbar. „Dino hat mir gleich einen unbefristeten Arbeitsvertrag gegeben, obwohl er weiß, dass ich als zu 60 Prozent behindert gelte. Das macht doch heutzutage keiner mehr“, sagt er.

„Unsere Wagen haben Automatikgetriebe, somit bin ich beim Fahren nicht eingeschränkt“, erzählt Bilalic. „Schwierigkeiten habe ich beim Tragen von schwerem Gepäck. Doch dank der Solidarität unter den Taxifahrern packen schon mal die Kollegen am Taxistand mit an. Und wenn vorab bekannt ist, dass ein Fahrgast viel Gepäck dabei haben wird, übernimmt Herr Oruc die Fahrt. Wir finden immer eine Lösung. Geht nicht, gibt es bei uns einfach nicht.“

Bilalic wünscht sich, dass die Arbeitgeber offener werden und den Fokus nicht so stark auf die Behinderung und die damit einhergehenden Einschränkungen richten. Denn er hat sich schon einiges anhören müssen, „Wir haben drei Millionen Arbeitslose, die gesund sind, da suchen wir uns doch keinen Schwerbehinderten“, habe ein Arbeitgeber vor kurzem zu ihm gesagt.

Die Chefin der Agentur für Arbeit Freising, Karin Weber, sagt dazu: „Gerade hinsichtlich des vermehrten Bedarfs an qualifizierten Fachkräften kann ich Betrieben nur raten, bei der Personalsuche Menschen mit Handicap im Besonderen eine Chance zu geben – es lohnt sich.“ Viele von ihnen seien gut ausgebildet und verfügten über fundierte Berufserfahrung.

Vanessa Huber

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