Boogie Woogie forever: Das Publikum wollte die Musiker gar nicht gehen lassen (v. l.): Peter Heger, Jan Kopatsch, Jan Luley, Christian Schöbel, Mario Meusel und Torsten Zwingenberger.
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Boogie Woogie forever: Das Publikum wollte die Musiker gar nicht gehen lassen (v. l.): Peter Heger, Jan Kopatsch, Jan Luley, Christian Schöbel, Mario Meusel und Torsten Zwingenberger.
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31. Boogie Woogie Nacht 

Eine stampfende Rhythmus-Maschine

Erding - Die Boogie Woogie Nacht hat nichts an Anziehungskraft verloren. Gut 400 Besucher kamen zur 31. Auflage in die Erdinger Stadthalle. Sie waren begeistert.

Der versierte Organisator Peter Heger hatte dem Publikum am Samstagabend zu Beginn der 31. Boogie Woogie Nacht „ein zwölftaktiges Antidepressivum“ versprochen. Und das entfaltete prompt seine Wirkung. Die Musik versetzte die vielen Zuhörer in richtig gute Laune. Mit Begeisterungsrufen und viel Applaus begleiteten sie die Darbietungen der Musiker. Die typisch hämmernde Boogie-Rhythmik bestimmte den Abend. Es gab aber auch Begegnungen mit dem guten alten Ragtime, bekannten Jazz-Standards und nahezu archaischem Jazz. Auch Stride-Piano-Ausflüge waren zu hören.

Bestens aufeinander abgestimmt präsentierte sich das Dresdener Duo „2Hot“ mit dem Pianisten Christian Schöbel und Schlagzeuger Mario Meusel. Ihre eigenwillige, rhythmisch markante und mit spannenden Dissonanzen gewürzte Interpretation von Billy Strayhorns „Take The A Train“ ließ ebenso aufhorchen wie „Caravan“ von Juan Tizol. Beide Nummern waren über das Duke Ellington Orchester bekannt geworden.

Dass Schlagzeuger Meusel auch mal mit seinem Kollegen vierhändig in die Tasten griff, gehörte zur professionellen Bühnenshow. Die Fangemeinde wollte die beiden am Ende ihres Sets nicht so ohne Weiteres ziehen lassen. „Der Flügel ruft nach einem Ragtime“, meinte Schöbel mit verschmitztem Grinsen, und schon öffnete sich über die lässigen Klänge die Nostalgie-Tür.

In vergangene Zeiten entführte auch die Musik des Duos Jan Luley (Klavier) und Torsten Zwingenberger (Schlagwerk), dessen virtuoses Zusammenspiel den Boogie aus der legendären Jazzstadt New Orleans nach Erding holte. Im geschmeidigen Unterstatement präsentierte das Duo verschiedene Spielarten des Boogie und ließ zudem mit einem Song von Jelly Roll Morton archaischen Jazz lebendig werden. Die Eigenkomposition „Hurrican Boogie“ nach einem die Sinne verwirrenden Cocktail benannt, führte nicht nur in einen Jazz Club von New Orleans, sondern öffnete Räume für die Fantasie.

Über ein mitreißendes Schlagzeugsolo fand man sich in einem weiteren Stück aus eigener Feder plötzlich als Passagier auf einem Zug mit Dampflok wieder, die mit mächtigem Geschnaufe Fahrt aufnahm. Nachdem Zwingenberger „Alles einsteigen!“ gerufen hatte und mit charakteristischem Abfahrtspfiff die Dampfeisenbahn in Bewegung versetzt hatte, begannen die Gleise zu singen, als über sie die Waggons hinweg ratterten.

Der Fahrtwind ließ die Ohren surren, den Kopf frei werden. Und urplötzlich war es da – dieses eigentümliche Gefühl von Fernweh und Abenteuerlust. Vorwitzig gesellten sich Luleys Pianotöne zum Schlagzeug, erst wie von Ferne herantanzend, dann energetisch aufgeladen – und prompt war sie zusammengebaut: die stampfende Boogie-Woogie-Rhythmus-Maschine, die das Publikum so sehr liebte.

Große Anerkennung erntete auch das Nachwuchstalent des Abends, der 17-jährige Jan Kopatsch aus Pfaffenhofen, einst ein Heger-Schüler. Mit flinken Fingern tanzten die Tasten bei „A Handful of Keys“ von Fats Waller. Außerdem spielte Kopatsch eine beachtenswerte Version von „All of Me“ mit persönlicher Note und ließ Wallers berühmte „Honeysuckle Rose“ erblühen.

Ja, und wann war endlich Peter Heger selbst zu hören? Beim Finale zeigte der Erdinger Pianist mit einem kurzen Intermezzo, was ein echter Boogie-Meister ist. Ganz zum Schluss: eine sympathische Musikumarmung, als alle noch einmal miteinander aufspielten, sich einträchtig Flügel und Schlagzeug teilten. (Vroni Vogel)

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