JFG Sempt Erding

Eine Trainerentlassung mit bösenFolgen

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Trainer-Entlassungen kommen im Jugend-Fußball nicht oft vor. Dass mit dem Coach aber neun Spieler gehen und es zu Anzeigen wegen Beleidigung und übler Nachrede kommt, ist noch ein ganz anderes Thema.

Erding – Die JFG Sempt Erding ist mit 300 Fußballerinnen und Fußballern die größte Jugendfördergemeinschaft im Landkreis. Auch sportlich zählt sie zum Erfolgreichsten, was das Erdinger Land zu bieten hat. Unter ihrem Dach kicken die D- bis A-Junioren der fünf Stammvereine FC Rot-Weiß Klettham, FC Langengeisling, FC Erding, SpVgg Eichenkofen und FC Türk Gücü Erding. Für Unruhe sorgt nun allerdings die Entlassung eines 49-jährigen Trainers der B 1-Junioren und der damit verbundene Abgang von neun Spielern.

JFG-Vorsitzender Hans Egger sagt, im Vorstand sei zwei Jahre lang über die Absetzung des Moosinningers geredet worden. „Ich kann mir aber keine neuen Trainer schnitzen“, so Egger über den Grund, weshalb die Entlassung erst jetzt in der Winterpause über die Bühne gehen konnte. Nun ist ein Nachfolger gefunden worden, der vom Stammverein FC Erding kommt. Mit 12:0 Stimmen hat der Vorstand Egger zufolge die Entlassung beschlossen. Zu der Sitzung war der betroffene Coach, als 2. Kassier ebenfalls Mitglied des Gremiums, nicht geladen worden.

„Massiv beleidigt“

Die Gründe für die Absetzung sind laut Egger vor allem persönlicher Natur. Das Verhalten des Moosinningers sei nicht akzeptabel gewesen: „Er geriet regelmäßig mit Schiedsrichtern und Trainern aneinander, selbst eigene Vereinsmitglieder wurden massiv beleidigt. Unser 2. Vorsitzender beendete seine Funktion nach einer derartigen Auseinandersetzung.“

Zudem wirft Egger dem 49-Jährigen vor, dass er sich in der Öffentlichkeit gebrüstet habe, nun alle türkischen Spieler aussortiert zu haben. Eineinhalb Jahre lang, so Egger, habe man gekämpft, um den FC Türk Gücü in die JFG zu integrieren. Mittlerweile hätten mindestens fünf Akteure des jüngsten JFG-Stammvereins, die unter dem Trainer gespielt haben, den Verein wieder verlassen.

Zuletzt habe der Trainer einen weiteren Akteur aus der Kreisliga-Mannschaft aussortiert, der unter ihm drei Jahre gespielt habe, sagt Egger. In der B 2 gebe es einige Spieler, die vom Potenzial her auch in der Ersten kicken könnten, unter dem Coach aber nicht hätten spielen wollen.

Der entlassene Trainer sieht das Ganze grundlegend anders. Er habe nie jemanden persönlich angegriffen oder aussortiert. Er habe auch nie zu jemandem gesagt, er solle seine Sachen packen. Nach seiner Entlassung habe er keinem Spieler ans Herz gelegt, die JFG zu verlassen und mit ihm zum FC Moosinning zu gehen – und damit eine sechsmonatige Sperre zu akzeptieren, die laut Bayerischem Fußballverband bei Abgängen nach der Wechselfrist fällig wird. „Aber einige Eltern haben zu mir gesagt, dass ihre Kinder weiter bei mir Fußball spielen wollen.“ Ab kommender Saison, bestätigt der 49-Jährige, werde er als Jugendtrainer zum FCM zurückkehren. Welche Mannschaft er dann zusammen mit seinem Trainerkollegen, mit dem er bis zuletzt die B 1 der JFG trainiert hat, übernimmt, will er noch nicht sagen.

„Psychopath“

Die JFG wollte so viele Abgänge wie möglich verhindern. Als Egger merkte, dass er als Vorsitzender an die Eltern nicht herankam, um sie von einem Verbleib zu überzeugen, schickte er eine E-Mail an vier der neun Spieler. Darin teilt er diesen mit, dass ihr Coach sie nur für seine Zwecke manipulieren wolle. Er fragte sie, warum sie für ihn eine sechsmonatige Sperre akzeptieren sollten. Manipulation habe bei ihrem Coach offenbar Methode. „Bei seiner privaten Insolvenz im Jahr 2010 hat er seine Geschäftspartner um 700 000 Euro gebracht.“

Entsetzt von diesem Schreiben war unter anderem die Mutter eines Spielers. Was habe die private Vorgeschichte des Trainers mit Fußball zu tun, fragt sie. Deshalb hat sie unserer Zeitung E-Mails vorgelegt, unter anderem auch die betreffende. In einem weiteren Schreiben Eggers an den Trainer steht: „Keinesfalls werde ich es dulden, dass ein Psychopath für seine eigenen Ziele eine ganze Fußballmannschaft, bestehend aus 15- und 16-Jährigen, rücksichtslos /.../ belügt.“

Das ging dem Coach zu weit. Er hat Egger wegen Übler Nachrede (Insolvenz) und Beleidigung („Psychopath“) angezeigt. Die Entlassung an sich habe er akzeptiert, sowas komme eben vor. Aber nicht den Fakt, dass der JFG-Chef sich seiner längst abgegoltenen privaten Vergangenheit bediene. Auch der Ruf seiner Familie stehe auf dem Spiel.

Egger bereut mittlerweile seine Äußerungen. „Das hat sich über zwei Jahre hochgeschaukelt. Aber ich habe

über die Stränge geschlagen. So war das nicht in Ordnung.“

Markus Schwarzkugler

Rubriklistenbild: © dpa

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