„Es ist ein wunderschönes Stück“, meint Johanna Doll im Saal der Kreismusikschule und behält jedes Mal recht. Foto: Kuhn

Eine zierliche Naturgewalt

Erding - Johanna Doll begeistert mit ihrem Benefizkonzert in der Kreismusikschule. Auswahl und Interpretation der auswendig gespielten Stücke überzeugten restlos.

Mit strengem Blick fixiert Johanna Doll den mächtigen Konzertflügel im Saal der Kreismusikschule, als wolle sie sagen: „Nun mach schon!“ Aber selbst dieses hochwertige Instrument hat Grenzen, die junge Pianistin hat sie, so scheint es, nicht.

Das Scherzo I op. 20 von Frédéric Chopin wird zu einem gewaltigen Klanggewitter, dass sie über die Gäste im erfreulich vollen Haus hinwegbrausen lässt. Einigen im Auditorium bleibt der Mund offen stehen, wie es eben Naturgewalten dieser Art bewirken können. Doch hier sitzt eine junge Frau vor dem schwarzen Flügel, dessen imposante Ausmaße die Erdingerin noch zierlicher wirken lassen. Aber sie holt alles aus dem Holzgehäuse heraus, lässt niemandem Zeit, Atem zu holen.

Die ganze Dramatik der Biographie des Komponisten, die sie vorher angedeutet hat, wird erlebbar, körperlich spürbar. Doll hat sich diesen unbedingten Höhepunkt für das letzte Drittel aufgehoben. Sie beweist Geschick im Konzertaufbau, fängt mit Beethovens Sonate in e-moll an, steigert sich dann zu dem achtteiligen Werk von Johannes Brahms mit dem simplen Titel „Klavierstücke op. 76“, das den Hauptteil ihres Wohltätigkeitskonzerts bildet.

Verträumt, regelrecht entrückt, sitzt sie da vor dem Flügel, während ihre Finger mit einer faszinierenden Sicherheit über die Tasten gleiten. Sie spielt auswendig, wie immer, das hält den Kopf frei für die Interpretation. Johanna Doll erlebt die Stücke und lässt erleben, immer wieder neu, immer wieder spannend. So scheint es, dass sie am Ende der Stücke erst mühsam geistig zurück finden muss in die Realität dieses Konzertsaales, zu den Menschen, die sie gerade so reich beschenkt hat.

Sie will noch etwas sagen, und so sucht sie erst nach Worten, die dann aber wohl gesetzt und zu einer Einladung zur nächsten Reise in ihre Welt der Klaviermusik werden. Einen Satz kennen ihre Stammgäste aus früheren Konzerten: „Es ist ein wunderschönes Stück!“ Das gilt für alle Werke auf dem Programmzettel. Johanna Doll aber lässt diese zu einem Erlebnis werden. (klk)

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