Erinnerungen an verstorbene Patienten: Auf einem Tisch im Büro des Palliativ Teams Erding haben die Sterbebilder und auch die Dankeskarten der Angehörigen einen Ehrenplatz.
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Erinnerungen an verstorbene Patienten: Auf einem Tisch im Büro des Palliativ Teams Erding haben die Sterbebilder und auch die Dankeskarten der Angehörigen einen Ehrenplatz.

LICHT IN DIE HERZEN - Corona hat auch die Arbeit des Palliativ Teams Erding verändert

Einfach mal in den Arm nehmen – geht nicht

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Das Engagement des Palliativ Teams Erding wird im ganzen Landkreis wertgeschätzt. Doch die Arbeit der engagierten Fachkräfte ist gerade in Corona-Zeiten so schwierig wie nie.

Erding – Sie begleiten schwerstkranke Menschen auf ihrem letzten Weg, lindern ihre Schmerzen und unterstützen die Angehörigen. Die Arbeit der Ärzte und Pflegekräfte des Palliativ Teams Erding (PTE) wird seit neun Jahren im ganzen Landkreis wertgeschätzt. Und sie ist gerade in Corona-Zeiten so schwierig wie nie.

Nicht nur das gefährliche Lungenvirus hat das PTE heuer herausgefordert. Auch die Führungsstruktur hat sich verändert. Der Ärztliche Leiter Dr. Peter Schmidkonz und die pflegerische Leiterin Rita Gabler haben sich aus der ersten Reihe zurückgezogen (wir berichteten). Ihre Nachfolger sind Dr. Elke Rockingham und Steffen Ziener. Die beiden führen auch gemeinsam die Geschäfte der gemeinnützigen GmbH. Und es gibt viel zu tun. Sechs Mediziner und zehn Palliativ-Fachkräfte kümmern sich mittlerweile um die Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV) im Landkreis und den angrenzenden Regionen. Und das Team soll nächstes Jahr weiter vergrößert werden, kündigt Ziener an. Zudem hat das PTE eine Psychoonkologin auf Teilzeit angestellt, die auch am Klinikum Erding tätig ist.

„Der Bedarf ist groß und die Akzeptanz in der Bevölkerung wächst. Es spricht sich herum, dass man keine Angst vor uns haben muss“, sagt Rockingham. Die 47-jährige Allgemeinärztin und Palliativmedizinerin arbeitet seit Gründung im PTE, war davor in der Klinik Wartenberg und bei verschiedenen Hausärzten tätig. Ziener, ebenfalls 47, ist seit vier Jahren dabei.

Es sei beeindruckend, wie die Mitarbeiter die Entwicklung mittragen – „mit unglaublicher Flexibilität“, sagt Ziener. 470 Patienten sind seit Jahresbeginn vom PTE betreut worden – zwei Drittel davon zuhause, ein Drittel in Pflege- und Seniorenheimen. Immer mehr Patienten wollen daheim bleiben, so lange es geht – auch bis zu ihrem Tod. Dies zu ermöglichen, dafür engagiert sich das PTE-Team nach Kräften.

Dabei ist durch Corona vieles anders. „Früher sind wir in Zivil bei unseren Patienten gewesen, jetzt in Dienstkleidung“, sagt Rockingham. Auch die körperliche Nähe sei nicht mehr so möglich wie vor Corona. „Früher hat man den Patienten oder Angehörigen einfach mal in den Arm genommen.“ Heute müssen sie FFP2-Masken tragen – wie das PTE-Team. Ein großer und kostenintensiver Materialbedarf.

Es ist enorm, was allein an Logistik geleistet wird. „Wir stehen für die Hausärzte noch flexibler zur Verfügung, wenn’s irgendwo brennt“, sagt Rockingham. Mit Beginn der Pandemie hat das PTE einen Leitfaden für Angehörige von hochbetagten schwerkranken Senioren erarbeitet, um zu klären, „welchem Menschen man noch etwas Gutes tut, wenn man ihn noch in die Klinik einweist“, sagt die Ärztliche Leiterin.

Gerade für schwer demente Patienten mit höchstem Pflegegrad sei ein Herausreißen aus der gewohnten Umgebung kaum zu ertragen. „Es ist wichtig, dass sie daheim bleiben können“, weiß Rockingham. Sie bräuchten nach einem Klinik-Aufenthalt oft Wochen, „um zu ihrem ausgeglichenen Ich zurückzukehren“. Auch die Angehörigen belaste es, zumal jetzt auch keine Besuche erlaubt seien. Gerade in den Pflegeheimen habe hier ein Umdenken stattgefunden, betont Ziener und lobt: „Sie machen das super.“

Seit Jahren unterstützt das Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ die Arbeit des PTE. „Die Spenden werden sachbezogen für unsere Patienten ausgegeben“, betont Rockingham. Sie helfen beispielsweise dabei, die so wichtige Arbeit der Psychoonkologin zu bezahlen, was die Krankenkassen nicht tun. Gerade bei einer schweren Erkrankung sei es wichtig, den Diagnose-Schock zu überwinden. „Die Menschen brauchen eine psychologische Betreuung, die dann nahtlos weitergeht, wenn sie wieder daheim sind“, so Rockingham.

Mit den Spenden wird auch Atemtherapie finanziert, die gerade für Patienten, die an ALS erkrankt sind, so wichtig ist. Oder es wird ganz praktisch „Essen auf Rädern“ bezahlt, um es einem schwerst Lungenkranken, der keine Angehörigen hat und selbst keine Besorgungen mehr machen konnte, zu ermöglichen, in seiner kleinen Wohnung zu bleiben. Dies gelang damit.

Besonders berührt waren Rockingham und Ziener von der unkomplizierten Zusammenarbeit mit dem BRK Erding. So konnte einem Schwerkranken der letzte Wunsch erfüllt werden. Er wurde mit dem Herzenswunschmobil noch einmal in seine Geburtsstadt Dresden gefahren. „Das war ganz wunderbar“, freut sich Ziener. Und Rockingham ergänzt: „Da ist man dann auch zufrieden, dass man so arbeiten darf.“

Licht in die Herzen: Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die Arbeit des Palliativ Teams Erding und damit seine Patienten. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger.

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