Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

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Kommentar: Der Kampf um den Sonntag

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Erdings OB regt an, die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage von vier auf einen zu reduzieren. Seine Partei hat er damit kalt erwischt. Warum? Dazu der Kommentar von Redaktionsleiter Hans Moritz.

Die Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung der CSU-Stadtratsfraktion am heutigen Dienstagabend klingt harmlos: „Bericht aus den Ausschüssen“ heißt es lapidar. Es ist davon auszugehen, dass ordentlich diskutiert werden wird. Denn Oberbürgermeister Max Gotz muss seiner Partei erklären, warum er aus dem Nichts seinen Vorstoß präsentiert hat, die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage auf einen zu reduzieren. Das war nicht mit der Fraktion abgesprochen. Der Alleingang soll nicht jedem gefallen, zumal der Streit mit der Regierung von Oberbayern um die Ausdehnung auf die Gewerbegebiete gerade erst ausgestanden ist.

Der Vorgang bietet allerhand Interpretationsspielraum. Politische Überraschungsmomente gehören zu Gotz’ Stil. Er kokettiert sogar damit, manchmal einfach genau das Gegenteil davon zu tun, was alle von ihm erwarten – und freut sich dann diebisch über jeden Coup.

Variante zwei ist der von Einzelhändler-Sprecher Dieter Gerlspeck vermutete Weckruf an die Wirtschaft. Die Marktsonntage sind schlecht organisiert und lieblos ausgeführt. Ein paar Stände und offene Ladentüren – attraktiv geht anders. Da ist in den Gewerbegebieten schon mehr geboten.

Drittens kann es gut sein, dass Gotz das konservative Klientel und die Arbeiterschaft bedienen will. Von Kirche und Gewerkschaften kommt offener Applaus, der Sonntagsruhe wieder mehr Gehör zu verschaffen. Bemerkenswert: Der erwartete Aufschrei der Bevölkerung ist ausgeblieben. Nicht einmal in den sozialen Netzwerken brach das sonst übliche Getümmel los.

Egal, was den OB motiviert hat, es war eine einsame Entscheidung. Die können in der Politik schnell als Höhenflug interpretiert und damit gefährlich werden. Gotz leidet gewiss nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein, er hat eher ein Problem damit, wenn kritische Stimmen laut werden. Die nimmt er schnell persönlich und merkt sie sich ewig. Seine eigene Partei hat er jedenfalls ordentlich überfahren. Nun ist Gotz’ treuer Gefährte, Fraktionschef Jakob Mittermeier, gefordert, die Reihen wieder zu schließen. Ein Gegrummel ist nicht zu überhören. Dabei ist das vorangegangene noch nicht ganz verklungen: Die Notwendigkeit eines Industriegebiets an der Dachauer Straße erschließt sich nach wie vor nur einer Minderheit.

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