+
Die Rettungshunde der BRK-Staffel Erding werden auf  dem weitläufigen Gelände in Obergeislbach vielseitig geschult. Auch als Mantrailer werden die Spürnasen ausgebildet.

Einsatzübung der BRK-Hundestaffel 

Retter auf vier Pfoten

  • schließen

Mit viel Fleiß und Zeitaufwand trainieren die ehrenamtlichen Teams der Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbandes für ihre Einsätze.

Erding/ObergeislbachDieses Szenario könnte jeden Tag eintreten: Ein dementer Bewohner eines Seniorenheims kommt vom Spaziergang nicht zurück. Nachdem er nicht gefunden wird, wird der Notruf gewählt. Die Leitstelle schickt die Rettungshundestaffel. Sie ist schnell einsatzbereit: Ein speziell ausgebildeter Hund schnüffelt an einem Kleidungsstück des Vermissten und nimmt dessen Spur auf. Nach kurzer Zeit findet er den verwirrten Bewohner unversehrt in der Nähe der Heims.

Im BRK-Kreisverband Erding wurde im vergangenen März eine Rettungshundestaffel gegründet. Noch waren die Teams – jedes besteht aus einem Hund und seinem Halter – nicht im Einsatz. „Wir müssen erst die Prüfung ablegen“, erzählt Sabrina Greinsberger, Fachdienstleiterin für Hundearbeit. Zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung zum Rettungshund. Für die derzeit sieben Mitglieder der Erdinger Staffel wird die Prüfung also erst 2019 stattfinden. Bis dahin werden nicht nur die Hunde trainiert, auch die Halter müssen Kurse absolvieren und unter anderem eine Sanitätsausbildung abschließen.

Zweimal pro Woche wird trainiert

Für ihr Ehrenamt investieren die Staffelmitglieder viel Zeit. Zweimal pro Woche trainieren Hund und Halter für jeweils mehrere Stunden. Die Vierbeiner werden für spezielle Einsatzzwecke ausgebildet. Es gibt Trümmer-, Flächen- und Wasserhunde sowie so genante Mantrailer. Die Erdinger Staffel bereitet ihre Tiere derzeit auf Flächensuche und Mantrailing vor. Dabei ist die Rasse zweitrangig. Wichtig ist, dass der Hund Menschen mag.

Wie weit die Spürnasen in der Ausbildung fortgeschritten sind, war beim Training in Obergeislbach zu erleben. Dort nutzt das BRK unter anderem ein privates Gelände für Übungszwecke. Als vermisste Person muss an diesem Tag Imme Proske, Hundeführerin in der Staffel, herhalten. Sie läuft vom Gelände und ist nicht mehr zu sehen.

Dann kommt der große Moment für Kenai, einen knapp über zwei Jahre alten Rüden. Der Altdeutsche Schäferhund schnüffelt aufgeregt an einer zurückgelassenen Mütze der verschwundenen Frau, senkt die Nase und nimmt die Witterung auf. Kenai läuft so schnell los, dass seine Führerin Sabrina Greinsberger Mühe hat, ihm zu folgen. Sie hält ihn an einer langen Leine, die beim Einsatz an einem speziellen Geschirr befestigt ist. Kenai, die Nase dicht am Boden, läuft in den Ort. An einer Kreuzung zögert er kurz, läuft erst in eine Richtung, kehrt dann um und läuft in die andere Richtung. „Er kontrolliert, wohin die Spur führt“, erklärt Staffelleiterin Lilly Kötter. „Das macht nicht jeder Hund.“

Nach einigen hundert Metern, bei denen es auch um unübersichtliche Straßenecken geht, findet Kenai die Vermisste und setzt sich kerzengerade in „Anzeige-Position“ vor sie. „Damit wissen wir auch, dass es die gesuchte Person ist“, sagt Kötter.

Der Mantrailer kann nämlich einen Gesuchten auch in einer großen Menschenmenge finden. Es ist faszinierend, wie sensibel der Geruchssinn des tierischen Retters ist. Bis zu 48 Stunden kann eine Spur alt sein, und selbst auf vielbegangenen Wegen kann der Hund den Weg einer Person nachverfolgen. „In der Prüfung ist die Strecke zweieinhalb Kilometer lang“, erzählt Greinsberger.

Bei einer weiteren Demonstration zeigt sich, wie die Flächenhunde arbeiten. Dazu versteckt sich Kötter auf dem Übungsgelände. Oskar, ein Mischling aus Irish Setter und Appenzeller Sennenhund, geht mit Hundeführerin Manuela Neidlein aufs Areal. Als sie ihm den Befehl dazu gibt, rennt Oskar suchend los. Anders als der Mantrailer folgt er nicht der Spur einer bestimmten Person, sondern findet alle Menschen in einem Gebiet. In der Praxis könnte das ein vermisster Pilzsucher sein – oder ein verirrter Wanderer.

Leberwurst als Belohnung

Nach nicht mal einer Minute entdeckt Oskar die junge Frau hinter einem Baum. Zum Belohnung gibt’s für ihn ein Leckerli: Leberwurst aus der Schleckdose. „Das beruhigt den Hund auch“, sagt Danuta Pflanzelt, stellvertretende Fachdienstleiterin für Hundearbeit beim Roten Kreuz. Doch zur Ausbildung gehört noch wesentlich mehr, wie das Übungsareal zeigt. Dort gibt es Röhren, durch die der Hund läuft, und eine Art Brücke mit breiten Holzsprossen, über die das Tier trittsicher kommen muss. Selbst ein Bällebad steht bereit: „Hier wird trainiert, auf beweglichen Oberflächen zu laufen“, erklärt Proske. Und hier zeigt sich auch, dass die Retter auf vier Pfoten bereits jetzt aufs Wort hören können und auf Befehl sitzen, loslaufen oder bellen.

Eines ist deutlich zu spüren: Sowohl den Hunden als auch ihren Führern macht die Ausbildung viel Spaß. „Wir sind alle mit Herzblut bei der Sache“, sagt Pfanzelt. Und: „Wir freuen uns immer über neue Mitglieder.“

Wer sich für die Arbeit

interessiert, kann per E-Mail an rettungshunde@kverding.brk.de mit der Staffel Kontakt aufnehmen.

von Henry Dinger

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Marterl für gefällte Bäume
Notzing - Mit einer Protestaktion fordert der Bund Naturschutz Erding mehr Baumschutz an Straßen. Bunte Kreuze weisen auf gefällte Bäume hin.
Marterl für gefällte Bäume
54 Aussteller, 5000 Besucher
Am Wochenende ging es rund im Heimatmuseum in Thal. Bei sommerlichen Temperaturen präsentierten 54 Aussteller aus der Umgebung bei der 8. Holzland-Gewerbeschau ihr …
54 Aussteller, 5000 Besucher
Lindenallee: Landkreis will Grund für Nachpflanzungen kaufen
Im Thema Lindenallee ist weiter Bewegung. Nun hat eine Versammlung stattgefunden, in der die betroffenen Grundstücksanlieger mit Landrat Martin Bayerstorfer (CSU), …
Lindenallee: Landkreis will Grund für Nachpflanzungen kaufen
Motorradfahrer (24) stirbt bei Unfall
Ein schrecklicher Unfall erschüttert den Landkreis: Ein 24-jähriger Motorradfahrer prallt gegen einen Baumstumpf. Am Unfallort im Sollacher Forst kommt für den …
Motorradfahrer (24) stirbt bei Unfall

Kommentare