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Wolfgang Kraus ist Einzelhändler in Erding und Vorsitzender des Vereins Ardeo.

Einzelhändler und Ardeo-Chef Wolfgang Kraus über das Regel-Wirrwarr für den Handel

„Niemand da, der einen klaren Takt vorgibt“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Im Landkreis liegt die Inzidenz über 100. Nach neuester Regelung dürfen die Geschäfte zwar offen bleiben, allerdings muss jeder Kunde einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorlegen. Wie es dem Einzelhandel damit geht, fragten wir Wolfgang Kraus, Vorsitzender des Erdinger Netzwerks Ardeo.

Herr Kraus, bis zu einer Inzidenz von 200 dürfen Läden offen bleiben, sofern die Kunden einen tagesaktuellen Corona-Test vorlegen. Ist das nicht zu aufwendig?

Sollte es zeitnah möglich sein, sich flächendeckend schnell und unkompliziert testen zu lassen, traue ich auch dieser weiteren Auflage eine ausreichende Akzeptanz bei den Menschen zu. So weit ich weiß, kann man sich derzeit in Erding aber nur am Schwimmbad und in einer Apotheke am Stadtrand vor Ort testen lassen. Das ist viel zu wenig. Das Netz an Teststellen muss unbedingt deutlich erweitert werden, sonst werden wir unsere Geschäfte umsonst aufsperren.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen mit Click & Collect und Click & Meet?

Click & Collect, also das Abholen nach Vorbestellung, ist der viel zitierte Tropfen auf den heißen Stein und taugt höchstens dazu, mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Click & Meet dagegen, das Betreten eines Geschäfts nach Anmeldung und Registrierung, hat sich von allen Variationen der staatlichen Beschränkungen für die meisten Beteiligten als die erträglichste erwiesen. Aus meiner Sicht sollte man es für einige Zeit damit versuchen und nicht alle drei Tage etwas Neues aus dem Hut zaubern. Im Sinne der Wirksamkeit und Einheitlichkeit würde ich die Regel, sich vor Betreten eines Geschäfts registrieren zu müssen, aber auch auf die Supermärkte ausweiten, wo bisher offensichtlich andere Maßstäbe gelten.

Wie lange halten die kleinen Händler noch durch?

Nicht mehr lange, zumindest wenn die Verantwortlichen die Qualität ihres Krisenmanagements nicht schleunigst erheblich steigern. Die Hoffnung auf klare Perspektiven oder wirksame Hilfen seitens der Politik wurden im letzten Jahr zu oft enttäuscht. Ich für meinen Teil erwarte mir nicht mehr allzu viel und habe in den letzten Monaten – parallel zum stationären Modegeschäft – mit dem „Kaufmann Kraus“ einen Online-Shop mit neuem Konzept aufgebaut. Damit möchte ich das Risiko, dem unser Unternehmen durch die zunehmend unkalkulierbaren Bedingungen ausgesetzt ist, zumindest etwas minimieren.

Wann, glauben Sie, wird es endlich besser?

Abgesehen von den Erkrankungen ist doch das Schlimme an dieser Krise, dass sich keiner mehr auskennt. Die Menschen sind überwiegend bereit, nachvollziehbare Maßnahmen mitzutragen. Aber es fehlt an eindeutigen Ansagen. Es ist wie in einem Orchester, das bereit ist, zu spielen, aber der Dirigent macht seinen Job nicht. Besser wird es dann, wenn mal jemand einen klaren Takt vorgibt.

ham

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